Stör-Signale

Betrachtungen über Menschen und Ereignisse zwischen gestern und morgen

Anton Karas und die Ballade vom Gangster Harry Lime

Der weitgehend unbekannte Wiener Heurigenmusiker Anton Karas schrieb für den britischen Film „Der dritte Mann“ die Zither-Ballade vom Gangster Harry Lime – eine Komposition, die ihn weltberühmt machte. Der Filmklassiker war kürzlich wieder einmal im Fernsehen zu sehen (und zu geniessen). Obwohl der Schwarzweiss-Streifen schon 70 Jahre auf dem Buckel hat, hat er für mich nichts von seiner Faszination eingebüsst. 

Orson Welles war als Gangster Harry Lime die zentrale Figur des Films, zu dem Anton Karas die Zithermusik lieferte. (Fotos: Filmverlag Unucka)

Orson Welles war als Gangster Harry Lime die zentrale Figur des Films „Der dritte Mann“, zu dem Anton Karas die berühmte Zithermusik lieferte. (Fotos: Filmverlag Unucka)

Vor allem die mit einem Oscar preisgekrönte Kameraarbeit von Robert Krasker und die bis auf den heutigen Tag unverwechselbare Musik von Anton Karas machen den Reiz des Films im Wien der Nachkriegszeit aus. Auch wenn es sich vordergründig „nur” um einen Kriminalreißer handelt, in dem der skrupellose Dealer Harry Lime (Orson Welles) verunreinigtes Penicillin verschiebt, spiegelt sich doch die politische Situation der damaligen Zeit in vielen Szenen wider.

Die Konfrontation der politisch-militärischen Ost-West-Blöcke in Europa, der drohende Korea-Krieg im Fernen Osten werfen ihre Schatten voraus. Und so ist auch dieser Thriller nicht frei von propagandistischen Sichtweisen. Kalter Krieg findet auch auf Zelluloid statt. Das kommt vor allem zum Ausdruck, wenn die durch Major Calloway (Trevor Howard) repräsentierten Briten in der Viersektoren-Stadt Wien als hilfsbereite und gute Menschen auftreten, die Offiziere und Soldaten der Sowjetunion dagegen nur als tumbe Gesellen dargestellt werden, die dem üblen Gangster und Mörder Harry Lime in ihrem Sektor Unterschlupf gewähren und seine kriminellen Machenschaften schützen.

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Heimatdichter Stoltze, ein unbeirrbarer Feuerkopf

Den Schriftsteller und Journalisten Friedrich Stoltze (1816-1891) umfassend zu würdigen, wäre fürwahr eine Herkulesaufgabe – keinesfalls kann das hier in einen kurzen Beitrag erledigt werden. Nur einige Sätze können an dieser Stelle an den Frankfurter erinnern, der Zeit seines Lebens sich mit Worten einmischte, wenn es ihm notwendig erschien, und der sich auch ohne Furcht mit den herrschenden Politikern anlegte. Stoltze war ein unbeirrbarrer Feuerkopf. Manchen gilt Stoltze in erster Linie „nur” als Heimatdichter, weil er den größten Teil seines Werkes in Frankfurter Mundart geschrieben hat. Mit dem „Frankforderisch” hatte er auch die größten Erfolge, er litt aber darunter, dass seine in Hochdeutsch verfassten Gedichte und Prosastücke nicht gleichermaßen gewürdigt wurden, obwohl sie nach Einschätzung von Literaturkennern von hoher Qualität waren.

Die Büste von Friedrich Stoltze zwischen Katharinenkirche und Kornmarkt. (Foto: Erich Stör)

Der bescheidene Stoltze war ein engagierter politischer Schreiber. Er unterstützte begeistert die Märzrevolution von 1848 und brachte nach dem Scheitern der „Reichsverfassung” ein Jahr später trotz seiner Enttäuschung viele der revolutionären Ideen in seinen Texten unter, die in den von ihm herausgegebenen „Krebbelzeitungen” und vor allem später in der berühmten „Frankfurter Latern” standen.

Die Frankfurter Ordnungshüter verhielten sich gegenüber den kritischen Stoltze-Glossen weitgehend tolerant, was auch daran gelegen haben mag, dass die „Latern” vom einheimischen Bürgertum in der Freien Reichsstadt goutiert (und abonniert) wurde. In den Frankfurter Nachbarstaaten Hessen und Kurhessen sah das freilich ganz anders aus, in denen Stoltze verfolgt und sogar steckbrieflich gesucht wurde.

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Bösewichte und Edelmäner in Kilians Kinopalast

In einem Bücherkatalog fand ich dieser Tage ein interessantes Filmangebot: Als DVD wurde der englischer Spielfilm „Madonna der sieben Monde” angeboten, und das erinnerte an die Nachkriegszeit, als in den damaligen Westzonen viele eher schwülstige englische Filme in die gerade wieder eröffneten Kinos kamen. Bösewichter und Edelmänner gaben sich auf der Leinwand die Ehre… Die britischen Darsteller waren gleichwohl beliebt und die bekanntesten Schauspieler jener Jahre waren James Mason, Margaret Lockwood, Phyllis Calvert, Stewart Granger. Mason und Granger wurden später in den USA zu Stars, Granger spielte später auch in deutschen Karl-May-Filmen. Eine der ganz großen Produktionsfirmen in London waren die Gainsborough Studios, heute sind sie längst abgerissen, ein Wohnviertel ziert inzwischen die Gegend.

Drei Programme der „Filmbühne" zu englischen Filmen der Rank-Organisation (Fotos: Filmverlag Christian Unucka)

Drei Programme der „Filmbühne“ zu Filmen der Rank-Organisation (Fotos: Filmverlag Unucka).

In Frankfurt-Sachsenhausen spielten das Harmonie am Lokalbahnhof, das heute noch existiert, und die Wall-Lichtspiele in der Wallstraße, in der Nähe des bekannten Äppelwoi-Viertels. Von den Besuchern wurde das Kino damals nach dem graumelierten Besitzer, der meist selbst an der Kasse saß, Karten verkaufte und die Billetts höchstpersönlich entwertete, auch ironisch „Ki-Ki-Pa“ genannt (Kilians Kino-Palast), aber ein Palast war das wahrlich nicht, vielmehr ein schmales Handtuch, weniger als 200 Sitzplätze, an der rechten Seite bullerte im Nachkriegswinter ein mit Kohle oder Briketts betriebener Ofen – und weil die Filme vom Vorführer mit Rückprojektion von hinten auf die Leinwand geworfen, und von einem Spiegel umgelenkt wurden, ging auch einiges an Leuchtkraft verloren.

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Zehn Jahre Geld zählen nach Transfer von Paul Pogba

Dem Wahnsinn scheinen Tür und Tor geöffnet. Die Klubs der obersten englischen Fußballliga kaufen mit unvorstellbaren Summen die besten Spieler der Welt zusammen. Befeuert wird die Kauflust vom erbitterten Konkurrenzkampf britischer TV-Medien. Grundlage für die Transfer-Wut ist ein Anfang 2015 geschlossener Dreijahresvertrag der Premier League mit den Fernsehsendern Sky und British Telecom (BT). Der Vertrag bringt der Liga ab der Saison 2016/17 pro Spielzeit knapp 2,3 Milliarden Euro. Die Summe zeigt neben der wachsenden Popularität des englischen Fußballs auch den knallharten Konkurrenzkampf um die Rechtepakete zwischen dem marktbeherrschenden Pay-TV-Sender Sky von Rupert Murdoch und BT Sport, einem neuen Wettbewerber der British Telecom.

Das Millionenspiel Fußball nimmt immer groteskere Züge an, wie der Pogba-Transfer nach Manchester zeigt (Foto: Swift Publisher)

Das Millionenspiel im Profi-Fußball nimmt immer groteskere Züge an  (Foto: Swift Publisher)

Die britische Kauflust hat auch Auswirkungen auf die Fußball-Bundesliga. Zuletzt wechselten Levoy Sané (Schalke 04) für 50 Millionen Euro zu Manchester City, Ilkay Gündogan (Borussia Dortmund) für 27 Millionen ebenfalls zu den Citizens und Henrikh Mchitarjan (Dortmund) für 42 Millionen zu Manchester United. Die genannten Beträge sind schwindelerregend, und der naive Betrachter kann leicht zu der Schlussfolgerung verführt werden, bei solchen Transfersummem könne es sich keinesfalls um real vorhandenes Geld handeln, sondern nur um Monopoly-Spielscheine. Doch die genannten Irrsinnssummen sind keine Fiktion, sondern Nachrichten aus dem kapitalistischen Alltag.

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Bummel über die „La Rambla“

Eine der bekanntesten Stadtstraßen der Welt ist die La Rambla in der katalanischen Metropole Barcelona. Sie führt vom Hafen zum Plaça de Catalunya oder umgekehrt. Der besondere Charakter dieses Boulevards besteht in seiner einmaligen Vielfältigkeit. Bei einem beruflichen Informationsbesuch in Barcelona steht eine gedrängte Besichtigungstour auf dem Programm, wobei uns unser Dolmetscher Ramon „sein” Barcelona näher bringt. Erst blicken wir vom Mont Juic, dem Hausberg Barcelonas, auf die Dächer der Stadt; wir schlendern später durch das Gotische Viertel im alten Zentrum; besuchen den Hafen und das Tortre Agbar, ein modernes, 142 Meter hohes Bürogebäude an der Avinguda Diagonal. Im Fußballstadion des FC Barcelona lassen wir – obwohl an diesem Tag kein Fußballspiel im Camp Nou über die Bühne geht –, die Künste von Lionel Messi und Co. bei einer grandiosen Multimedia-Show vor unseren Augen Revue passieren. Und man muss nicht dem christlichen Glauben huldigen, um die berühmte römisch-katholische „Sühnekirche der Heiligen Familie” (Sagrada) als Augenweide zu empfinden.

Beginn (oder Ende) der berühmten „La Rambla" am Hafen von Barcelona -im Hintergrund die Columbus-Säule (Foto: Clipdealer)

Lebhaftes Treiben am Anfang der „La Rambla“ am Hafen von Barcelona. (Foto: Clipdealer)

Dieses pompöse Monument wurde vom berühmten Architekten Antoni Gaudi entworfen – und obwohl die Arbeiten bereits 1882 begonnen wurden, ist die Kirche bis auf den heutigen Tag unvollendet. Mächtige Kräne umrahmen das prachtvolle Gebäude und irritieren die vielen Hobby-Fotografen, die gerne ein „reines” Bild der Kirche – ohne diese störenden Elemente – aufnehmen möchten. Ramon erklärt uns, dass nach gegenwärtigem Stand der Dinge der Bau im Jahr 2026 – zum 100. Todestag von Gaudí – fertiggestellt sein soll.

Ramon fährt mit uns zum Hafen, denn wir wollen die faszinierende La Rambla zu Fuß erobern. Berühmte Straßen gibt es in aller Welt und auch in Deutschland. Wer kennt nicht ihre Namen? Fifth Avenue in New York, die Oxford Street in London, Champ Élysées in Paris, Ku-Damm in Berlin, Königsallee in Düsseldorf, die Zeil in Frankfurt. Die La Rambla gehört jedoch zu jenen großen Flaniermeilen, die unvergleichlichen Charme ausstrahlen.

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Dunkles vom Reschensee

E. S. | Alle Wege führen einer alten Redewendung zufolge nach Rom. So weit wollen wir allerdings nicht, sondern nur von Frankfurt nach Südtirol. Einige Berge der Alpen müssen wir trotzdem passieren, um unser Ziel Meran zu erreichen. Bei unserer Reise wählen wir diesmal nicht den schnelleren und bequemeren Weg via Autobahn über München, Kufstein, Innsbruck und Brenner, sondern fahren über den Reschenpaß, wobei wir auch noch die Autobahn-Maut einsparen. Über die A 7 rollen wir von Ulm aus bis nach Füssen, passieren auf Landstraßen den Fernpaß sowie die Städtchen Landeck, Pfunds und Nauders, queren dann – fast ohne es zu bemerken – die Staatsgrenze zwischen Österreich und Italien und erreichen zuerst die kleine Gemeinde Reschen und gleich darauf das etwas größere Graun.

Der Glockenturm der uralten Kirche St. Katharina ragt heutzutage als beliebtes Fotomotiv aus dem Reschensee (Foto: Clipdealer)

Der Glockenturm der uralten Kirche St. Katharina ragt heutzutage als beliebtes Fotomotiv aus dem blaugrünen Reschensee (Foto: Clipdealer)

Auf der rechten Seite schimmert an diesem Tag tiefblau der Reschensee, der Ende der Vierziger, Anfang der Fünfziger Jahre angelegte, etwa sechs Kilometer langer Stausee, welcher vor allem der Stromversorgung des Vinschgaus dient. Aus dem Wasser ragt einsam ein Kirchturm, unzählige Male von den zahlreichen Touristen abgelichtet. Das wunderschöne Objekt für die Fotografen wirkt wie aus einem Bilderbuch, hat allerdings auch Flecken, denn kaum jemanden der Vorbeireisenden ist sich der Tatsache bewußt, dass diese hübsche Idylle einen dunklen Hintergrund hat.

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Erinnerung an den Filmpalast

In Zeiten der großen Multiplex-Kinos mit ihren unterschiedlich großen Sälen, werden oft Erinnerungen wach an die palastartigen Lichtspielhäuser, die Ende der Vierziger, Anfang der Fünfziger Jahre das Bild in den Großstädten prägten. Bedingt durch die Entbehrungen und Leiden des Zweiten Weltkrieges gab es in den Westzonen und der späteren Bundesrepublik Deutschland einen Kinoboom ohnegleichen, denn die Menschen suchten Ablenkung und Unterhaltung. Die Lichtspielhäuser schossen damals wie Pilze aus dem Boden. Alteingessene Kinobetreiber und Neueinsteiger balgten sich um den (vermeintlich) großen Kuchen. In dieser „Goldgräber”-Atmosphäre entstand in Frankfurt am Main mit dem Filmpalast in der Großen Friedberger Straße 26-28, nur wenige Meter von der traditionsreichen Konstablerwache entfernt, das bis dahin größte Kino der Stadt: – mit sage und schreibe 1500 Plätzen.

Klappern gehört zum Handwerk: Mit der Besucherzahl von über einer Million wurden neue Zuschauer angelockt (Foto: Clipdealer)

Mit der Zahl von über einer Million Besuchern im ersten Jahr wurde geworben (Foto: Clipdealer)

Zur festlichen Eröffnung wurde am 27. September 1949 der französische Film „Von Mensch zu Mensch” gezeigt, in dem das Leben von Henri Dunant, dem Begründer des Roten Kreuzes, nachgezeichnet wird. Für die Premiere hatte sich Besitzer August Reichard etwas Besonderes einfallen lassen. Die Einnahmen wurden dem Deutschen Roten Kreuz gestiftet, so dass die Wahl dieses Streifens als karitative Botschaft auch dem Image des Theaters zugute kam. Allerdings war zahlendes Publikum gar nicht so reichlich anwesend. Prominente aus Kultur, Politik sowie Journalisten und viele Filmschaffende gaben sich die Ehre… Immerhin wurde ein prächtiges Rahmenprogramm inszeniert: Das Symphonie-Orchester Bad Homburg spielte Werke von Beethoven, Wagner, Mozart und Tschaikowsky; Tanz- und Gesangseinlagen wurden vom Ensemble der Städtischen Bühnen Frankfurt und vom Volkschor Offenbach vorgetragen.

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Kotau vor Flughafenbetreiber

Der Wasserturm in Mörfelden hat eine lange Geschichte. Er wurde 1929 erbaut und diente der Versorgung der Bevölkerung bis in die 60er Jahre. Oft erlebte der Turm Führungen interessierter Bürger. Neuerdings haben sich zwei Frauen zum Ziel gesetzt, das Gebäude wieder kulturell zu nutzen. Den Turm sieht sogleich, wer mit dem Automobil oder Fahrrad über die Bundesstraße 44 von Frankfurt am Main in Richtung Groß-Gerau fährt und sich Mörfelden nähert – einem der beiden Ortsteile der Stadt Mörfelden-Walldorf. Es ist ein 35 Meter hohes Bauwerk und war lange Zeit Hingucker der besonderen Art. Denn das Gebäude war mit einem Transparent geschmückt. „Kein Flughafenausbau” wurde auf dem oberen Teil gefordert, „Nachflugverbot” auf dem unteren. Es ist unschwer zu erkennen, dass man sich hier in der Nähe des Frankfurter Flughafens befindet und in einer Gemeinde, in der seit Jahrzehnten der Kampf gegen Fluglärm und Flughafenerweiterung geführt wurde und wird. 

Der alte Wasserturm von Mörfelden, versehen mit einigen Protest-Transparenten (Foto: Erich Stör)

Die Transparente waren den flughafenfreundlichen Parlamentariern ein Dorn im Auge (Foto: Stör)

Bedauerlicherweise hat das Stadtparlament mit den Stimmen von SPD, Freien Wählern, FDP und CDU (gegen Grüne und DKP/Linke Liste) im Juli 2016 mit einem Kotau vor Flughafenbetreiber „Fraport“ beschlossen, die Transparente zu beseitigen, weil sie angeblich dem Ansehen der Stadt und der Wirtschaftsansiedlung schaden. Für die Kritiker dieses Beschlusses aber wird die über Jahrzehnte gewachsene Identität der Menschen im Hinblick auf Kampf gegen Fluglärm und der permanenten Erweiterung des Flughafens zerstört.

Zur Geschichte des Bauwerks: Der ehemalige Wasserturm von Mörfelden wurde im Jahr 1929 erbaut, um die Einwohner der damals kleinen Gemeinde mit fließendem Wasser zu versorgen. Immerhin mussten sich bis dahin die meisten Mörfeldener – auch als „Merfeller“ bekannt – das kostbare Nass aus eigenen Brunnen schöpfen. Unter diesen Umständen war der Wasserturm eine große Errungenschaft, floss doch nun nach und nach Wasser aus neu zu installierenden Leitungen in die Wohnungen und auch die Toilettenspülungen eroberten nach und nach die Wohnhäuser.

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Hopfen und Malz, Gott erhalt’s

E. S. | Gehört die einst von zwei bayerischen Herzögen erlassene Vorschrift – immerhin die älteste Lebensmittelverordnung der Welt – bald zum Weltkulturerbe? Oder verhindert die bekannt gewordene Pestiziden-Verunreinigung so manchen Bieres diesen Schritt? Eine interessante Frage…

Wer heutzutage durch die Getränkeabteilung eines Supermarkts schlendert, wird förmlich erschlagen von der Vielzahl der dort feilgebotenen Biere. Doch in Wahrheit umfasst das Angebot nur einen Bruchteil der tatsächlich vorhandenen Sorten, denn insgesamt wird die Zahl allein der deutschen Biere auf rund 5000 veranschlagt. Weil in Deutschland gebrautes Bier nur drei Zutaten plus Hefe enthalten darf, nämlich Wasser, Malz (Gerste/Weizen) sowie Hopfen, ist diese Vielfalt sehr beachtenswert.

Goldgelb leuchtet der schmackhafte Gerstenstaft. Das Reinheitsgebot feiert Geburtstag (Foto: © Swift Publisher)

Goldgelb leuchtet der schmackhafte Gerstensaft in Krug und Flasche. Das Reinheitsgebot feiert den 500. Geburtstag (Foto: © Swift Publisher)

Sie kommt vor allem zustande, weil neben der fachlichen Kompetenz des Braumeisters die Qualität des Wassers und die verwendeten Hopfensorten eine entscheidende Rolle spielen. Heutzutage reift aus den vier vorgegebenen Ingredienzen sauberes Bier von hoher Qualität. Das war freilich nicht immer so.

Vor 500 Jahren, am 23. April 1516, sahen sich die bayerischen Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. in Ingolstadt jedenfalls veranlasst, dem Wildwuchs beim Brauen mit einem Reinheitsgebot Einhalt zu gebieten. Weil allenthalben kräftig gepantscht wurde, schwebte so mancher passionierte Biertrinker in Lebensgefahr, ohne es auch nur zu ahnen.

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Darmstadt auf Kometenjagd

E. S. | Darmstadt, etwas 30 Kilometer südlich von Frankfurt am Main und 50 Kilometer nördlich von Heidelberg gelegen, ist eine bunte und vielfältige Stadt an den Toren zu Odenwald und Bergstraße. Wer als gebürtiger Frankfurter südlich von „Mainhatten” wohnt, hat die Qual der Wahl, wenn es um’s großstädtische Einkaufen oder unterhaltsames Verweilen geht. Weil der Weg nicht allzu weit ist, wird mehr und mehr Darmstadt – und immer weniger Frankfurt – als Ziel für einen Bummel zum Shoppen oder Schauen gewählt, denn von Mörfelden-Wallorf aus führt die Straße an Gräfenhausen vorbei direkt in das nördliche Darmstadt, nicht mehr als zehn Kilometer Wegstrecke.

Der Fünffinger- oder Hochzeitsturm inmitten der Darmstädter Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe (Foto: Clipdealer)Hochzeitsturm

Der Fünffinger- oder Hochzeitsturm inmitten der Darmstädter Künstlerkolonie auf der bekannten Mathildenhöhe (Foto: Clipdealer)

Einige breite Verkehrsadern durchschneiden die Stadt; das Leben pulsiert. Parkplätze sind wie überall rar, zumal die Stadt mit ihren Hochschulen rund 40 000 Studierende in ihren Mauern hat. In Darmstadt mischt sich deshalb auf eigenartige Weise modernes, technisch angehauchtes Leben mit der kulturell befruchteten Vergangenheit der adligen Herrscher von einst. So bietet Darmstadt das Bild einer Stadt im Wandel der Zeiten…

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