Drei Nürnberger Rostbratwürstchen

Kaiserburg, Christkindlmarkt, Lebkuchen und „debberte“ Fußballer

E. S. | Nürnberg, die fränkische Metropole mit mittelalterlichem Charme, glänzt nicht nur mit der Kaiserburg als Touristenattraktion, sondern hat auch noch anderes zu bieten. Kulinarisch gesehen sind die drei kleinen Rostbratwürstchen im Weck ebenso beliebt wie zur Weihnachtszeit die schmackhaften Lebkuchen. Daneben peppen der Christkindlmarkt und diverse Spielzeug-Manufakturen das Image der Stadt auf, was wegen der unrühmlichen Vergangenheit mit den Massenaufmärschen bei den Nazi-Parteitage dringend vonnöten war. Im Fußballsport dagegen ist Nürnberg – einst Aushängeschild des deutschen Fußballs –, nur zweitklassig. Seit
den Siebziger Jahren ist der Ruhm der frühen Jahre mit neun Meistertiteln und drei Pokalsiegen immer mehr verblasst.

Diese Rostbratwürstchen schmecken besser als die magere Fußballkost des 1. FC Nürnberg in den zwei Relegationsspielen (Foto: Clipdealer)
Diese Rostbratwürstchen schmecken besser als die magere Fußballkost des 1. FC Nürnberg in den zwei Relegationsspielen (Foto: Clipdealer)

Immerhin war der 1. FC Nürnberg  im Jahr 1987 immer noch deutscher Rekordmeister, ehe er von der Münchener Konkurrenz überflügelt und seitdem völlig in den Schatten gestellt wurde. Dabei ist der „Club” ein Traditionsverein. Wenn kleine Knirpse früher am Stadtgraben ihre Straßenfußballspiele ausfochten, war es keine Frage, dass ihre Idole nur „Clubberer” sein konnten. Heiner Stuhlfauth, der legendäre Torwart mit den kräftigen Pranken etwa; oder Hans Kalb, der wuchtige, offensive Mittelläufer; Max Morlock, der Rackerer und Kopfballspezialist; Heinz Strehl, der elegante Stürmer – das waren ihre Vorbilder. Heutzutage, da die Münchener den Nürnbergern das Wasser völlig abgegraben haben, gibt es selbst an Dutzendteich und Valznerweiher Burschen, die im Dress der Bayern herumlaufen. „Drei Nürnberger Rostbratwürstchen“ weiterlesen

Als die Vespa die Straßen eroberte…

Italienische Motorroller-Legende wird 2016 siebzig Jahre alt

E. S. | Als die junge Schauspielerin Audrey Hepburn 1953 in der Filmromanze „Ein Herz und eine Krone” mit Gregory Peck auf einer Vespa durch die nächtlichen Straßen Roms kurvte, war dies der weltweite Durchbruch des schnuckeligen Motorrollers, der 2016 runde siebzig Jahre alt wird. Die Vespa war im Sommer 1946 von der Firma Piaggio erstmals gebaut und zur Motorroller-Legende gemacht worden. Die damals in der Öffentlichkeit eher unbekannte Fabrik zwischen Pisa und Florenz hatte eine lange Vorgeschichte. 1884 hatte ein gewisser Rinaldo Piaggio im zarten Alter von nur 20 Jahren in der Toscana mit Hilfe seines Vaters ein kleines Sägewerk gegründet; das Geschäft florierte so gut, dass der junge Piaggio seine Angebotspalette bald erweiterte. Die Firma aus Pontedera baute bald Einrichtungen für Fahrgastschiffe, Karosserieteile und dann sogar Eisenbahnwaggons. Ohne besondere Skrupel stieg das Werk im Ersten Weltkrieg in das Rüstungsgeschäft ein und spezialisierte sich vor allem auf Flugzeug-Ersatzteile.

Eine Fahrt in's Glück? Ein junges Paar voller Lebenslust auf dem Motorroller – Schutzhelme wären freilich angebracht (Foto: Clipdealer)
Eine Fahrt in’s Glück? Ein junges Paar voller Lebenslust auf dem Motorroller – Schutzhelme wären freilich angebracht (Foto: Clipdealer)

Auch im Zweiten Weltkrieg betätigte sich das Unternehmen intensiv im militärischen Bereich, was zur Folge hatte, dass die alliierten Siegermächte nach Kriegsende der Firma die Herstellung von Kriegsmaterial untersagten. So beschränkte sich Piaggio zunächst auf die Herstellung von Kochtöpfen, Bratpfannen und ähnlichen Produkten.

Weil jedoch in Italien nach dem Krieg – wie in ganz Europa – Fahrzeuge jeder Art dringend gebraucht wurden, um das Alltagsleben wieder in Gang zu bringen, schlug Enrico Piaggio – Sohn des Firmengründers – dem Flugzeugkonstrukteur Corradino D’Ascanio vor, ein Vehikel zu konstruieren, das den Bedürfnissen der Menschen nach Mobilität bei bezahlbarem Preis entsprechen sollte. Da sich der Ingenieur bis dahin niemals mit Motorrädern befasst hatte, entwickelte er unbefangen einige höchst originelle Ideen, was sich im Nachhinein als wahrer Glücksfall erwies. Dabei soll er auch Restbestände von Flugzeugteilen aus den Lagerhallen verwendet haben. „Als die Vespa die Straßen eroberte…“ weiterlesen

Guardiolas Traum vom perfekten Spiel

Der Titelsammler und seine Philosopie vom „Ballbesitz-Fußball“

E. S. | Der katalanische Fußballtrainer Pep Guardiola gilt derzeit als Maß der Dinge im Übungsleiter-Gewerbe. Mit 21 Titelgewinnen (FC Barcelona und Bayern München) innerhalb von nur sieben Jahren ist Guardiola der effektiveste Trainer der Gegenwart. Doch es wäre ein falscher Ansatz, Guardiolas Arbeit nur auf Titel zu reduzieren. Als der Trainer einmal nach seinen Antriebskräften gefragt wurde, berief er sich nicht auf die vielen gewonnenen Trophäen, sondern sagte sinngemäß:

„Mein Traum ist, mit meinen Spielern neue Ideen zu entwickeln und ganz neue Sachen auszuprobieren.”

Das klingt, und da sind wir der Wahrheit wahrscheinlich ganz nahe, nach dem Traum vom perfektem Fußball. Den wird es natürlich nie geben, weil die Unwägbarkeiten des Spiels dem entgegenstehen. Das trifft auch auf den Guardiola-Stil zu, der bei aller Faszination wegen der nicht enden wollenden Ballstafetten schnell langweilig wirkt.

Trainer Pep Guardiola verwirklicht seinen Traum vom perfekten Fußball mit der Waffe “Ballbesitz". (Foto: Clipdealer)
Der besessene Trainer Pep Guardiola verwirklicht seinen Traum vom perfekten Fußball mit der Waffe “Ballbesitz“. (Foto: Clipdealer)

Das System mit seinen ausgetüftelten Laufwegen und Passfolgen hat Schwächen, vor allem gegen extrem defensiv eingestellte Gegner. Doch Guardiolas Philosophie bleibt davon unberührt:

„Um gut zu spielen, muss man den Ball haben. Ohne Ballbesitz geht es nicht.”

In der konsequenter Anwendung des „Ballbesitz-Fußballs” sieht Guardiola (gegenwärtig) den Schlüssel zum Erfolg, was sich bei seinen zwei bisher trainierten Klubs eindrucksvoll bestätigt hat. Um wirklich erfolgreich zu sein, braucht es allerdings auch anderer Komponenten. Zum Beispiel: Glück! Das hatte Guardiola insofern, als er auf seiner ersten Arbeitsstelle am Camp Nou in Barcelona auf eine Heerschar der begabtesten Zauberkünstler der Welt traf. „Guardiolas Traum vom perfekten Spiel“ weiterlesen

Goethe trifft Marianne Willemer

Begegnungen am Sachsenhäuser Mühlberg und in der Gerbermühle

E. S. | Johann Wolfgang Goethe hielt sich 1815 mehrere Monate in Frankfurt-Sachsenhausen auf. Dabei entwickelte sich zwischen dem Dichterfürsten und der Bankiersgattin Marianne Willemer eine lange geheim gehaltete, tiefe Zuneigung. Frankfurter Mädchen und Buben erfuhren in den Schulen über den Dichter aus dem Großen Hirschgraben und Frau Willemer nicht viel, gewiss aber mehr als etwa gleichaltrige Münchener. Denn Johann Wolfgang war in der Stadt überall präsent. Dabei hatte Goethe nur die ersten 26 Jahre seines Lebens in Frankfurt am Main verbracht. Von Kurzbesuchen abgesehen war sein Lebensmittelpunkt Weimar.

Die Goethe-Gedenkstätte „Willemer-Häuschen". Das ein klassizistische Gebäude wurde nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg restauriert und wieder aufgebaut (Foto: Stör)
Das klassizistische „Willemer-Häuschen“ wurde nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg restauriert und wieder aufgebaut (Foto: Stör)

Wer außerdem aus dem südlichen Stadtteil Sachsenhausen kam, wurde (und wird) allerdings noch häufiger als andere mit Goethe konfrontiert, denn am gleichnamigen Berg gibt es den hölzernen Goetheturm, der allerdings erst 1931 errichtet wurde, den kleinen Hügel Goetheruh’ – ob der Dichter hier wirklich verweilte, ist nicht belegt – , und natürlich am Mühlberg das Willemer-Häuschen, in dem sich der Herr Geheimrat auch mit der Bankiersfamilie Willemer getroffen hat. Die Zeit in diesem klassizistischen Gartenhaus behielt Goethe immer in guter Erinnerung, sprach sogar von den „schönsten Stunden seines Lebens”.

Am Abend des 18. Oktober 1814 gab es ein großes Freudenfest, beobachtete Goethe doch im Häuschen am Sachsenhäuser Berg mit Jakob und Marianne Willemer das Feuerwerk anlässlich des 1. Jahrestages der Befreiungsschlacht von Leipzig. Von der beginnenden Romanze zwischen Goethe und Marianne Willemer, die ein Jahr später (zwischen 12. August und 17. September 1815) vertieft wurde, erfuhren wir Schüler freilich wenig, weil es sich damals nicht recht schickte, über diese Liason mit Vierzehnjährigen zu reden – zumal der Dichter 1815 bereits 66 Lenze zählte und Frau Willemer gerade erst 31 Jahre alt geworden war. „Goethe trifft Marianne Willemer“ weiterlesen

Demokratischer Feuerkopf Stoltze

Vor 200 Jahren wurde der bekannte Frankfurter Schriftsteller geboren

E. S. | Den Schriftsteller und Journalisten Friedrich Stoltze (1816-1891) umfassend zu würdigen, wäre fürwahr eine Herkulesaufgabe – keinesfalls kann das hier in einen kurzen Beitrag erledigt werden. Nur einige Sätze können an dieser Stelle an den Frankfurter erinnern, der Zeit seines Lebens sich mit Worten einmischte, wenn es ihm notwendig erschien, und der sich auch ohne Furcht mit den herrschenden Politikern anlegte. Stoltze war ein unbeirrbarrer Feuerkopf. Manchen gilt Stoltze in erster Linie „nur” als Heimatdichter, weil er den größten Teil seines Werkes in Frankfurter Mundart geschrieben hat. Mit dem „Frankforderisch” hatte er auch die größten Erfolge, er litt aber darunter, dass seine in Hochdeutsch verfassten Gedichte und Prosastücke nicht gleichermaßen gewürdigt wurden, obwohl sie nach Einschätzung von Literaturkennern von hoher Qualität waren.

Die Büste von Friedrich Stoltze steht in Frankfurt auf dem gleichnamigen Platz zwischen Katharinenkirche und Kornmarkt. (Foto: Erich Stör)

Der bescheidene Stoltze war ein engagierter politischer Schreiber. Er unterstützte begeistert die Märzrevolution von 1848 und brachte nach dem Scheitern der „Reichsverfassung” ein Jahr später trotz seiner Enttäuschung viele der revolutionären Ideen in seinen Texten unter, die in den von ihm herausgegebenen „Krebbelzeitungen” und vor allem später in der berühmten „Frankfurter Latern” standen.

Die Frankfurter Ordnungshüter verhielten sich gegenüber den kritischen Stoltze-Glossen weitgehend tolerant, was auch daran gelegen haben mag, dass die „Latern” vom einheimischen Bürgertum in der Freien Reichsstadt goutiert (und abonniert) wurde. In den Frankfurter Nachbarstaaten Hessen und Kurhessen sah das freilich ganz anders aus, in denen Stoltze verfolgt und sogar steckbrieflich gesucht wurde. „Demokratischer Feuerkopf Stoltze“ weiterlesen

Alte Fußball-Liebe FSV

Frankfurter Klub mit interessant-wechselvoller Vergangenheit

E. S. | Der FSV Frankfurt – ein Verein mit bewegter Vergangenheit – ist aus der Zweiten Fußball-Bundesliga abgestiegen und kickt fortan in der Dritten Liga. Das ist bitter für den Traditionsverein aus dem Frankfurter Stadtteil Bornheim und genauso unerfreulich für die Fans. Schließlich hat jeder seine Lieblingsvereine: Die „Löwen” aus München zum Beispiel, die „Clubberer” aus Nürnberg vielleicht, oder halt den Fußballsportverein. Auch das Herz des Autors schlägt für eben diesen FSV. Mit Freude erinnere ich mich an alte Zeiten, Jahrzehnte zurück… Als Bub tippelte ich oft von Sachsenhausen, dem südlichen Frankfurter Stadtteil, zum Bornheimer Hang, was ein ziemlich weiter Weg war, aber ich wollte das Geld für die Straßenbahn sparen.

Düstere Wolken am Bornheimer Hang: Zu wenig Punkte, zu wenig Tore, Abstieg in die Dritte LIga... (Foto: Clipdealer)
Düstere Wolken am Bornheimer Hang: Zu wenig Punkte und zu wenig Tore besiegelten den Abstieg in die Dritte LIga. (Foto: Clipdealer)

Am Hang, wie das Stadion kurz genant wurde, hatten es mir drei Spieler angetan, die Ende der Vierziger, Anfang der Fünfziger Jahre Jahre bei den Blau-Schwarzen spielten. Das waren der ehemalige Nationaltorhüter Willibald Kreß, der Stürmer Richard Herrmann und Mittelläufer Heiner Dietsch. Sie alle interessierten mich aus ganz unterschiedlichen Gründen, sowohl was ihre sportlichen Leistungen als auch ihre persönliche Vita betraf. „Alte Fußball-Liebe FSV“ weiterlesen

Oldtimer-Spektakel Mille Miglia

Vom brutalen Straßenrennen zur Stoppuhr-Rallye mit Show-Effekt

E. S. | Mitte Mai, Brescia, Italien. Menschen schlendern durch die meist sonnigen Straßen, in den Cafés herrscht reges Treiben, die Stadt ist überfüllt, es ist wieder einmal Mille Miglia-Zeit. Auf Hochglanz polierte Rennwagen, die alle im Originalzustand sein müssen und einst an den höchst gefährlichen Hochgeschwindigkeitsrennen über 1000 Meilen in den Jahren zwischen 1932 und 1957 teilgenommen haben müssen, sind zu bewundern, wenn die historische Oldtimer-Parade, die Fans mit der Zunge schnalzen lässt: Oh ja, Bella Macchina!

Bei der legendären Oldtimer-Rallye durch Italien sind Stoppuhren heutzutage das Maß der Dinge. (Foto: Swift Publisher)
Bei der legendären Oldtimer-Rallye durch Italien sind Stoppuhren heutzutage das Maß der Dinge. (Foto: Swift Publisher)

Bevor die Teilnehmer zur ersten Nachtetappe aufbrechen, gibt es den ganzen Tag über „Fachgespräche” an allen Ecken und Plätzen… Der Start der „Historic Mille Miglia” ist für Italien jedes Jahr noch immer ein grosses Ereignis, fast so ähnlich wie zu jener Zeit, als es noch in halsbrecherischem Tempo über Stock und Stein ging, dem Wahnsinn nahe und das im wahrsten Sinne des Wortes. In den Fünfziger Jahren wurde immer unverantwortlicher, ein solches Spektakel auf öffentlichen Straßen und in einem Höllentempo auszufahren. „Oldtimer-Spektakel Mille Miglia“ weiterlesen

Kleines Plädoyer für RB Leipzig

Aufstieg des Retorten-Klubs hat einen durchaus nützlichen Effekt

E. S. | Der Aufstieg von RB Leipzig in die 1. Bundesliga ist nicht ganz nach dem Geschmack vieler traditioneller Fußballfans, weil dem Verein der Geruch des von einem österreichischen Brause-Konzerns alimentierten Marketing-Klubs anhängt. Selbst wenn man darauf verzichtet, den Namen des potenten Geldgebers und das Getränk zu nennen – schließlich wäre das selbst auf diesem privaten Blog unbezahlte Werbung und ganz im Sinne der Salzburger Marketingabteilung – wissen doch alle Fußballfans, wer gemeint ist.

Die Roten Bullen aus Leipzig könnten durchaus eine Bereicherung für die deutsche Fußballlandschaft sein (Foto: Swift Publisher)
Die Roten Bullen aus Leipzig könnten durchaus eine Bereicherung für die deutsche Fußballlandschaft sein (Foto: Swift Publisher)

Viele Fußballfans haben sich zu Recht in jüngster Vergangenheit besorgt und kritisch über die Rolle des RB Leipzig geäussert. Doch es gibt auch durchaus einen guten Grund, den Aufstieg des Retorten-Klubs gleichwohl zu bejahen. Denn 26 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung bleibt Fußball-Deutschland irgendwie immer noch geteilt: Jedenfalls, was die erste und zweite Bundesliga angeht.

Nachdem sich schon vor vielen Jahren Dynamo Dresden und danach Hansa Rostock und Energie Cottbus nach Auf- und Abstiegen aus dem Oberhaus verabschiedet haben, ist der Osten seit 2009 ein weißer Fleck auf der Bundesliga-Landkarte. Hertha BSC ist als Westberliner Klub nicht dem einstigen DDR-Fußball zuzurechnen, kann also in diesen Überlegungen keine Rolle spielen. „Kleines Plädoyer für RB Leipzig“ weiterlesen

Beliebtes Kleinod Mönchbruch

Spaziergang am Flughafen zwischen Walldorf und Mörfelden

E. S. | In der Nähe von Mörfelden-Walldorf liegt das Naturschutzgebiet Mönchbruch. Es erstreckt sich vom nördlichen Ende Walldorfs bis hin zur Bundesstraße 486 zwischen Mörfelden und Rüsselsheim. Ein Spaziergang im Frühjahr oder Sommer lohnt immer… Wer in der morgendlichen Dämmerung unterwegs ist, kann auf den Wiesen bei guten Licht  oft Rehe beobachten; auch Dam- und Schwarzwild tummelt sich hier. Tagsüber sind viele Besucher mit Kameras oder Feldstechern ausgerüstet, um die verschiedenen Vögel im Bild festzuhalten oder auch nur zu beobachten. Für Foto-Liebhaber bietet der Mönchbruch unglaublich interessante Motive, denn Schwarzmilane, Eisvögel, Waldohreulen, Reiher und Störche bewegen sich in dem weitläufigen Gelände, sogar Kanadagänse mit Küken sind hier zu Hause. Wassergräben, alte Eichen, Erlen und Sumpfwald prägen das Bild der Landschaft.

Eine Oase für Wanderer und Naturliebhaber ist das Mönchbruch-Gebiet nahe von Mörfelden-Walldorf (Foto: Erich Stör)
Eine Oase für Wanderer und Naturliebhaber ist das Mönchbruch-Gebiet nahe von Mörfelden-Walldorf (Foto: Erich Stör)

Als ich an diesem schönen Frühlingstag den Weg entlang wandere, erlebe ich als nur stiller Beobachter immer wieder diese einzigartige Vielfalt. Und obwohl das Kleinod nur wenige Kilometer südlich des Frankfurter Flughafens liegt, von wo aus mächtige Maschinen fast ununterbrochen über unserer Köpfe aufsteigen, bietet der Mönchbruch diesen Lebensraum, greifbar für jeden, der sehen und hören mag.

Einst hat sich der Main hier seinen Weg gebahnt. Der in ihm enthaltene Sand, Lehm und Kies schafft nun den Lebensraum in einem der letzten großen und feuchten Paradiese Hessens. Mehr als 540 verschiedene Pflanzenarten sind jedenfalls von Fachleuten in dem knapp 1000 Hektar großen Gebiet im Laufe der Jahre beobachtet worden, darunter allerdings auch mehrere vom Aussterben bedrohte Arten. „Beliebtes Kleinod Mönchbruch“ weiterlesen

Russlands neues Kosmodrom

Wostotschny im Amurgebiet mit Sojus-Start in Betrieb genommen

E. S. | Als am 28. April 2016 in Anwesenheit von Staatspräsident Wladimir Putin der neue Weltraumbahnhof Wostotschny im Amurgebiet mit dem Start einer Sojus-Rakete – an Bord befanden sich drei Studenten-Satelliten – eröffnet wurde, begann für Russlands Raumfahrt ein neues Zeitalter. Denn vom Fernen Osten aus sollen in den nächsten Jahren weitere unbemannte und ab 2023/2025 bemannte Raumschiffe sowie Mondexpeditionen starten. Das Kosmodrom soll den auf kasachischem Gebiet liegenden Weltraumbahnhof Baikonur, den Russland seit dem Zerfall der Sowjetunion pachten muss, entscheidend entlasten und später wahrscheinlich ganz ersetzen.

Aufbruch in Wostotschny: Im Fernen Osten wird derzeit ein neues russisches Kosmodrom errichtet (Foto: © Swift Publisher)
Aufbruch in Wostotschny: Im Fernen Osten wurde das neue russisches Kosmodrom mit einem Sojus-Start eröffnet (Foto: © Swift Publisher)

Einer der wichtigsten Gründe für den Bau von Wostotschny ist die Tatsache, dass das in Kasachstan gelegene Baikonur für Russland im „Ausland” liegt. Aus verschiedenen Gründen eine schwere Hypothek für Moskau, das sich nun nach und nach aus den Fesseln des Pachtvertrages (jährlich 115 Millionen Dollar) mit Kasachstan lösen möchte, zumal die Differenzen zwischen den bisherigen Partnern über die Nutzung von Baikonur immer stärker werden und Proteste der kasachischen Bevölkerung gegen die Nutzung des Geländes zunehmen. Denn bei
den Starts in Baikonur regnet es Trümmerteile auf das Territorium Kasachstans, worunter Fauna und Flora zu leiden haben.

Bei einem Raketenabsturz sollen kürzlich Tausende von Antilopen getötet worden seien. Aus Sicht von Kasachstan ist die Pacht schon aus diesem Grund entschieden zu niedrig, die Verantwortlichen sprechen in diesem Zusammenhang von „Peanuts”. Russland und Kasachstan gelten gleichwohl immer noch als befreundet, doch in Moskau befürchtet man, dass bei einem eventuell einmal anstehenden Regimewechsel der Pachtvertrag in Frage gestellt werden könnte. „Russlands neues Kosmodrom“ weiterlesen