Eigenwillige „Tower Bridge“

Es gibt Millionen von Brücken auf der Erde. Sie verbinden getrennte Stadtteile, überqueren Straßen und Eisenbahnlinien, verbinden sogar Inseln mit dem Festland. Für die Mobilität der Menschen sind sie unverzichtbar. Und viele von ihnen haben eine interessante Geschichte. Alleine im Wohnort des Autors mit etwa 15 000 Einwohnern gibt es zwei Brücken über die Autobahn, drei über oder unter der nahen Eisenbahnlinie und fünf über einen kleinen Bach. Obwohl sie immer den reibungslosen Verkehrsablauf gerantieren, sind sie doch eher unbedeutend – ganz anders als bei den berühmten Brücken dieser Welt. Eine davon ist die Tower-Bridge in London. Sie gehört zu den meistfotografierten Bauwerken überhaupt – kein Wunder, zeugt sie doch von außerordentlicher Kühnheit ihrer Erbauer.

Die berühmte „Tower Bridge“ in London (Foto: Oliver Stör)

Es waren die Architekten Jones, Wolfe-Barry und Stevenson sowie Hunderte von Bauleuten. Heutzutage stehen jeden Tag Hunderte von Touristen in der Nähe der Brücke, zücken ihre Fotoapparate, visieren die von 1886 bis 1894 im neugotischen Stil errichtete Hänge- und Klappbrücke an und machen sie damit zu einem der am meistfotografierten Objekte der Welt.

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Ein Sputnik am Sternenhimmel

Wenn heutzutage Astro- oder Kosmonauten gleich welcher Nationalität zur Internationalen Raumstation ISS aufbrechen oder von dort zur Erde zurückkehren, nimmt außer einigen Experten und Enthusiasten, kaum noch jemand Notiz von den Ereignissen. Raumfahrt ist zur Routine geworden, Starts vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan zum „Außenposten der Menschheit” sind, ebenso wie Landungen nicht mehr erwähnenswert. Nur kleine oder größere Pannen – wie etwa der mißlungene Start eines Versorgungsschiffes – finden noch Eingang in die Medien. Doch das Zeitalter der Raumfahrt ist noch gar nicht so alt. Die ersten Raketenstarts waren vor gerade einmal 60 Jahren eine Sensation.

Eine kleine Kugel namens Sputnik fliegt um die Erde. (Symbolfoto: Clipdealer)

So nahm auch eines der bedeutendesten Ereignisse des 20. Jahrhunderts in der unwirtlichen Steppe Kasachstans seinen Anfang. Am 4. Oktober 1957 um 22:28:34 Uhr Moskauer Zeit – am Startplatz in Tjuratam war bereits der 5. Oktober angebrochen (Ortszeit 00:28:34 Uhr) – startete mit Donnergetöse und annähernd 20 Millionen PS Schubkraft eine zweistufige Interkontinentalrakete vom Typ R 7 in den nächtlichen Himmel, um erstmals in der Geschichte der Menschheit einen Satelliten von 83,6 Kilogramm Gewicht in eine Erdumlaufbahn zu befördern (Symbolfoto: Clipdealer). Geschwindigkeit: 28. 000 km/h, Zeit für eine Erdumkreisung etwas über 95 Minuten. 92 Tage verrichtete der erste Erdbegleiter seine Arbeit, ehe er am 4. Januar 1958 verglühte.

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Herr Drais erfindet das Fahrrad

Zweihundert Jahre Fahrrad im Jahr 2017!  Das lädt dazu ein, einige Aspekte dieses Fortbewegungsmittels zu beleuchten. Es war ein gewisser Karl Freiherr von Drais, der 1817 das so genannte Laufrad erfand – ein schwerfälliges Monstrum, bestehend aus einem massiven Holzkonstrukt mit zwei Rädern, dessen Antrieb aus nichts anderes bestand als den eigenen Beinen. Mit seinen Füßen musste sich der Fahrer immer wieder vom Boden abstoßen, um überhaupt vorwärts zu kommen. Pedale hatte das mit eigener Kraft zu bewegende „Fahrrad” (noch) nicht. Immerhin schaffte es der damals 32 Jahre alte Freiherr, am 12. Juni 1817 vierzehn holprige Kilometer zwischen Mannheim und Schwetzingen in einer Stunde zurückzulegen.

Das Fahrrad ist heutzutage längst Familiengut geworden. (Foto. Clipdealer)

Nach ihrem Erfinder wurde das Laufrad fortan „Draisine” genannt, doch so recht konnte sich die eigentlich revolutionäre Erfindung nicht durchsetzen. Das seltsam anmutende Gefährt blieb lange ein Spielzeug für gut Betuchte, die Bedeutung für die Mobilität der Menschen wurde nicht erkannt. Und auch Freiherr Drais erlebte den späteren Siegeszug seiner Erfindung nicht mehr, vielmehr verstarb er 1851 in völliger Armut.

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Ötzi sah nie den See von Vernagt

Von der Staatsstraße 38 im Südtiroler Vinschgau führt der Weg von Naturns aus vorbei an Schloß Juval, in dem Bersteiger-Legende Reinhold Messer lebt und ein Museum eingerichtet hat. Nach kühnen Straßenkehren und hinter den Fraktionen „Karthaus” und „Unsere Frau in Schnals” liegt das Dorf Vernagt am gleichnamigen Stausee, der in den 50er Jahren erbaut wurde, und in dem nach der Inbetriebnahme damals acht uralte Bergbauernhöfe im Wasser versanken.

Sommerlicher Blick auf den Vernagter Stausee. (Foto: Oliver Stör)

Wenn der Pegelstand besonders niedrig ist, ragt – ähnlich wie am Reschensee – die Turmspitze einer versunkenen Kapelle aus dem Wasser, die 65 Meter hohe Staumauer steht wie ein mächtiger Wächter vor dem rund 1,26 Quadratkilometer großen, künstlich angelegten Gewässer, das von den Etschwerken Bozen und Meran betrieben wird. Strom fließt für den Vinschgau, das Etschtal, Meran und Bozen… Weiterlesen

Eisenmenschen „made in Hawaii“

Wenn in Frankfurt am Main und der näheren Umgebung alljährlich Anfang Juli jener internationaler Wettkampf über die Bühne geht, der aus 3,8 km Schwimmen im Langener Waldsee, 180 km Radfahren in der Wetterau und dem abschließenden Marathonlauf an den beiden Uferseiten des Mains in der Stadt besteht,  handelt sich um nichts anderes als einen so genannten „Ironman”.

Eine Insel aus Träumen geboren, ist Hawaii… (Foto: Swift Publisher)

Diese brutal harte Selbstquälerei der „Eisenmänner” und „Eisenfrauen” soll aus einer Bier- und Schnapslaune heraus entstanden sein und wird – obwohl es schon in den Zwanziger Jahren kleinere Vorgänger in Frankreich gab – einigen alkoholseligen Offizieren zugeschrieben. Ein gewisser John Collins geriet der Legende nach 1977 mit einigen Kollegen darüber in Streit, welcher der auf dem US-Staat Hawaii ausgetragene Wettbewerbe wohl der anstrengendste sei: das 3,8 km lange Waikiki-Schwimmen, das Radrennen in Oahu über 180 km oder der Honolulu-Marathon über die klassische 42,195-km-Distanz.

Nach einigen zungenlösenden Getränkerunden verständigten sich die Streithähne schließlich darauf, alle drei Disziplinen innerhalb von 24 Stunden und ohne Pause nacheinander absolvieren zu lassen. Im Februar 1978 standen dann tatsächlich 15 Männer am Start, immerhin zwölf von ihnen erreichten das Ziel. Sieger wurde der Amerikaner Gordon Haller, der sich fortan „Eisenmann” nennen durfte. 12 Stunden, 20 Minuten und 27 Sekunden lang war er unterwegs, heutzutage würde er mit dieser Zeit weit abgeschlagen ankommen, denn sie sportlichen Ergebnisse sind immer besser geworden.

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Auf dem Boulevard „La Rambla“

Eine der berühmtesten Stadtstraßen der Welt ist die „La Rambla“ in Barcelona.  Sie führt vom Hafen zum Plaça de Catalunya oder umgekehrt. Der besondere Charakter dieses Boulevards in der katalanischen Metropole besteht in seiner einmaligen Vielfältigkeit. Bei einem beruflichen Informationsbesuch steht eine gedrängte Besichtigungstour auf dem Programm, wobei uns unser Begleiter und Dolmetscher Ramon „sein” Barcelona näher bringt.

Die La Rambla am Columbus-Denkmal, direkt am Hafen. (Foto: Clipdealer)

Erst blicken wir vom Mont Juic, dem Hausberg Barcelonas, auf die Dächer der Stadt; wir schlendern später durch das Gotische Viertel im alten Zentrum; besuchen den Hafen und das Tortre Agbar, ein modernes, 142 Meter hohes Bürogebäude an der Avinguda Diagonal. Im Fußballstadion des FC Barcelona lassen wir – obwohl an diesem Tag kein Fußballspiel im Camp Nou über die Bühne geht –, die Künste von Lionel Messi und Co. bei einer grandiosen Multimedia-Show vor unseren Augen Revue passieren. Und man muss nicht dem christlichen Glauben huldigen, um die berühmte römisch-katholische „Sühnekirche der Heiligen Familie” (Sagrada) als Augenweide zu empfinden.

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Schmeling boxt im Waldstadion

Sonntag, 28. September 1947, es ist schon Herbst. In den südlichen Frankfurter Stadtteilen Sachsenhausen und Niederrad sind wieder einmal viele Menschen unterwegs. Das ist immer so, wenn im alten „Reichssportfeld”, das von den Amerikanern seit Ende des Zweiten Weltkrieges „Victory Park” oder „Victory Stadium” genannt wird, eine Großveranstaltung über die Bühne geht.

Knockout in der siebten Runde. (Symbolfoto: Clipdealer)

An diesem Tag boxt nun ein gewisser Max Schmeling gegen einen Mann namens Werner Vollmer aus Magdeburg, wobei es offensichtlich in erster Linie um die Einnahmen geht, die angeblich eine Million Mark betragen sollen – wie die Börse aufgeteilt wird, bleibt ein Geheimnis der Beteiligten. Weiterlesen

Die andere Philadelphia Story

Vom Filmklassiker „The Philadelpia Story”, der in Deutschland einst als „Die Nacht vor der Hochzeit” in die Kinos kam, und mit Katharine Hepburn, Cary Grant und James Stewart brillant besetzt war, rede ich hier nicht, sondern von jenem politischen Ereignis, das Philadelphia in die Geschichte eingehen ließ. Denn die historische Entscheidung, sich von Großbritanninen loszusagen, fiel vor langer Zeit in der heute fünftgrößten US-Stadt an der Ostküste des Landes und machte die USA in der Folge zur Weltmacht Nr. 1.

Kutscher laden zur Tour rund um die Unabhängigkeitshalle. (Foto: Clipdealer)

Persönliche Erinnerungen. Als wir – eine bunte Reisegruppe aus Deutschland – in der 57. Straße in New York mit einem Greyhound-Bus aufbrechen, um nach Washington zu fahren – bitten wir Reiseleiter und Busfahrer, in Philadelphia, das nicht im offiziellen Programm stand, eine außerplanmäßige Pause einzulegen. Wenn schon mal die Gelegenheit da ist, Geschichte zu schnuppern… Die beiden lassen sich überreden.

Kurz vor der Stadt verlässt der Fahrer den mit Werbeschildern übersäten Highway, überquert den breit dahinfließenden Deleware, steuert ins Zentrum, und stoppt auf einem Parkplatz an der Marketstreet – ganz in der Nähe jener berühmten „Indendepent Hall”, in der am 4. Juli 1776 die Loslöung der nordamerikanischen Kolonien von Großbritannien verkündet und 1787 auch die Verfassung unterzeichnet worden ist. Wegen der historischen Bedeutung des Ereignisses zählt das Gebäude zum Weltkulturerbe der UNESCO.

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Goebbels fürchtet Dr. Mabuse

Als ich dieser Tage eine DVD mit dem Titel „Das Testament des Dr. Mabuse” entdeckte, erinnerte ich mich daran, diesen Klassiker erst vor ein einigen Monaten im deutsch-französichen Kulturkanal „arte” gesehen zu haben. Es handelt sich um einen Kriminalfilm, der Geschichte geschrieben hat. Der Thriller aus dem Jahr 1933 ist in Deutschland erstmals im August 1951 gezeigt worden, in Frankfurt am Main wurde er am 11. September im „Bieberbau” an der Hauptwache gestartet.

Die jahrelange Verzögerung hatte politische Gründe. Regisseur Fritz Lang hatte den Film bereits 1932/33 in Berlin in einer deutschen und französischen Fassung gedreht, doch beide Versionen wurden wegen der von Goebbels unterstellten Parabel auf die Naziherrschaft in Deutschland von den Leinwänden verbannt.

Der Film wurde von Goebbels aus dem Verkehr gezogen. (Symbolfoto: Clipdealer)

Ob eine Warnung vor dem Faschismus wirklich die Intention von Fritz Lang war, sei daheingestellt. Der Bezug zum Nazi-Regime ist zwar unübersehbar, aber Lang hatte einen generellen Abscheu vor Totalitarismus jedweder Art. Heutzutage kann der Streifen auch als Warnung vor dem internationalen Terrorismus verstanden werden – und für andere politische Konstellationen gilt das ebenso.

Fritz Lang war vielmehr von den Romanen des luxemburgischen Schriftstellers Norbert Jacques fasziniert. Sie dienten ihm als Vorlage für das spannende Thema. Bereits 1922 hatte er einem zweiteiligen Stummfilm mit dem Titel „Dr. Mabuse, der Spieler” gedreht. Als der Tonfilm seinen Siegszug antrat, erkannte Lang instinktiv, dass sich die Gestalt des ”genialen Verbrechers” noch kreativer und dramatischer würde darstellen lassen als es im Stummfilm möglich gewesen war.

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Donna Leon entdeckt Brunetti

Alle Jahre wieder erscheint ein Kriminalroman der in Venedig lebenden Schriftstellerin Donna Leon. Hauptfigur ist der venezianische Commissario Guido Brunetti, der sich als redliche und ehrliche Haut täglich mit Kriminalität und Korruption in der morbiden Stadt Venedig beschäftigen muss. Das erste Buch über den Commissario veröffentlichte Donna Leon 1992 und seitdem reiht sich ein Fall an den anderen – eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen.

Die „Straßen“ von Venedig (Foto: Swift Publisher).

Die deutschen Titel (alle im Diogenes-Verlag Zürich) in der chronologischen Reihenfolge (Commissario Brunettis 1. bis 26. Fall) lauten: Venezianisches Finale; Endstation Venedig; Venezianische Scharade; Vendetta; Aqua alta; Sanft entschlafen; Nobilità; In Sachen Signora Brunetti; Feine Freunde; Das Gesetz der Lagune; Die dunkle Seite der Serenissima; Verschwiegen Kanäle; Beweise, dass es böse ist; Blutige Steine; Wie durch ein dunkles Glas; Lasset die Kinder zu mir kommen; Das Mädchen seiner Träume; Schöner Schein; Tierische Profite; Auf Treu und Glauben; Reiches Erbe; Das Goldene Ei; Tod zwischen den Zeilen; Endlich mein; Ewige Jugend, Stille Wasser (ab 24. Mai 2017 im Handel).

Venedig bildet mit seinen engen Gassen, den farbenprächtigen Palästen, den Kanälen und den Gondolieres einen funkelnden Hintergrund für die Fälle des sympathischen, aber gleichwohl unbequemen Brunetti. Der Commissario schätzt guten Wein und mediterranes Essen; er ist anständig und humorvoll, verzweifelt indessen immer wieder an seiner korrupten Umwelt.

Innerhalb der Familie kann Brunetti auf seine intelligente Ehefrau Paola – sie ist Dozentin für englische Sprache – sowie auf seine Tochter Chiara und Sohn Raffi zählen. Beruflich gibt Brunetti immer sein Bestes, um Verbrecher jeder Art zu überführen. Die Palette reicht von einfachen Mord und Totschlag bis hinein in die feinsten Verästelungen von Wirtschaftskriminalität und Korruption.

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