Heurigenmusiker schreibt die Ballade vom Gangster Harry Lime

Der  Wiener Heurigen-Musiker Anton Karas, ein bis dahin recht unbekannter Zitherspieler, schrieb 1949 für den britischen Film Der dritte Mann die Zither-Ballade vom allzu bösen Gangster Harry Lime – eine Komposition, die Karas vor siebzig  Jahren weltberühmt machte.  In diesem morbid wirkenden Filmklassiker spielte auch das Riesenrad im Wiener Prater eine wichtige Rolle, trafen sich doch in einer Kabine die Freunde Harry Lime (Orson Welles) und Holly Martins (Joseph Cotten) zu einem Gespräch über Gut und Böse.

Treffpunkt Riesenrad im Wiener Prater. (Foto: Clipdealer)

In diesen Tagen war der Film wieder einmal im Fernsehen zu sehen (und zu geniessen). Obwohl der Schwarzweiss-Streifen schon 70 Jahre auf dem Buckel hat, hat er für mich nichts von seiner Faszination eingebüsst. Vor allem die mit einem Oscar preisgekrönte Kameraarbeit von Robert Krasker und die bis auf den heutigen Tag unverwechselbare Musik von Anton Karas machen den Reiz des Films im Wien der Nachkriegszeit aus. Auch wenn es sich vordergründig „nur” um einen Kriminalreißer handelt, in dem der skrupellose Dealer Harry Lime verunreinigtes Penicillin verschiebt, spiegelt sich doch die politische Situation der damaligen Zeit in vielen Szenen wider.

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Landung „hinter dem Mond“ weckt Begierden nach Frau Luna

Wenn vom Mond (männlich) die Rede ist, wird in Anlehnung an die römische Mythologie – und einer äußerst schmissigen Operette von Paul Lincke – gerne auch von „Frau Luna” (weiblich) gesprochen. Die burlesk-phantastische Geschichte nach einem Libretto von Heinrich Bolten-Baeckers war am 2. Mai 1899 im Berliner Apollo-Theater uraufgeführt, im Laufe der Jahre aber immer wieder ergänzt worden, ehe 1922 ihre endgültige Fassung feststand. Bekannteste Musikstücke sind der Marsch Das macht die Berliner Luft, Luft, Luft, das Duett Schenk mir doch ein kleines bißchen Liebe und die Arie Schlösser, die im Monde liegen…

Investoren werfen ihren interessierten Blick zum Mond. (Foto: Clipdealer)

Wenn ich von „Frau Luna” schreibe, meine ich jenen Himmelskörper, der als Mond (männlich also) in die Geschichte der Weltraumfahrt eingegangen ist, obwohl in der UdSSR die entsprechenden Flugkörper zum Nachbarn ebenfalls als „Luna” bezeichnet worden waren. Vor Jahrzehnten war diese „Frau Luna” von den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion heftig umworben worden, doch kaum hatte sie die USA erhört, verloren diese schnell die Lust an der Liaison. Die Dame war ihnen auf Dauer zu kostspielig. Doch nun fühlen sich die USA bemüßigt, ihre alte Liebe wieder aufzufrischen. Auch China, Russland und Europa flirten bereits heftig mit der blonden Nachbarin.

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Donna Leon entdeckt Brunetti hinter dem Opernhaus La Fenice

Alle Jahre erscheint im Sommer ein Kriminalroman der in Venedig lebenden Schriftstellerin Donna Leon. Hauptfigur ist der venezianische Commissario Guido Brunetti, der sich als redliche Haut tagtäglich mit Kriminalität und Korruption in der von Kanälen und Lagunen durchzogenen, morbiden Stadt beschäftigen muss. Venedig bildet mit seinen engen Gassen, den prächtigen Palästen, den Kanälen und den Gondolieres einen funkelnden Hintergrund für die Fälle des sympathischen, aber auch unbequemen Commissario. Guido Brunetti schätzt guten Wein und mediterranes Essen; er ist anständig und humorvoll, verzweifelt indessen immer wieder an seiner korrupten Umwelt.

Schauplatz Venedig mit dem Canale Grande. (Foto: Swift Publisher)

Innerhalb seiner Familie kann Brunetti auf die intelligente Ehefrau Paola – sie ist Dozentin für englische Sprache – sowie auf seine Tochter Chiara und Sohn Raffi zählen. Beruflich gibt Brunetti immer sein Bestes, um Verbrecher jeder Art zu überführen. Die bunte Palette reicht von einfachen Mord und Totschlag bis hinein in die feinsten Verästelungen von Korruption und Wirtschaftskriminalität.

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Hüttenkirche als Symbol des Widerstandes gegen Startbahn

Neben der viel befahrenen Straße „Vitrolles-Ring“ zwischen den Ortsteilen der Doppelstadt Mörfelden-Walldorf gelegen, steht – versteckt in einem von Büschen und Bäumen umgebenen Gelände – eine hölzerne Kapelle, allgemein bekannt als Hüttenkirche. Diese Kapelle hat eine bewegte Geschichte hinter sich, und gilt seit Eröffnung am dritten Advent 1980 als Symbol des Widerstandes gegen die Zerstörung der Natur und den Ausbau des Frankfurter Flughafens. 

Die wieder aufgebaute Hüttenkirche zwischen den Stadtteilen Walldorf und Mörfelden. (Foto: Erich Stör)

Gerade deshalb aber wirkt die Hüttenkirche heutzutage auch wie ein Relikt aus einer versunkenen Vergangenheit. Denn der gefräßige Moloch „Fraport” hat inzwischen mit einer weiteren Landebahn, der Errichtung der Frachtstadt Cargo City Süd und dem Bau des Terminals 3 weitere Natur vernichtet, ohne jedoch vergleichbaren Gegenwind wie damals hinnehmen zu müssen – was die  Bedeutung des Widerstandes gegen die Startbahn West allerdings besonders ins Licht rückt.

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Handkäs‘ mit Musik oder die Frage nach Messer und Gabel

Als ich dieser Tage in einer bekannten Frankfurter Äppelwoi-Wirtschaft saß, hörte ich einem oberlehrerhaft geführten Gespräch am Nebentisch zu, in dem es um Handkäs’ mit Musik ging. Ein zweifelsfrei als Tourist auszumachender Gast hatte sich diese Frankfurter Spezialität servieren lassen. Sie bestand aus eben jenem Handkäse, dem das Gericht seinen Namen verdankt, und der dazu gehörenden „Musik”, nämlich Zwiebeln, Pfeffer, Salz, Kümmel, Öl und Essig, das Ganze garniert mit einer Scheibe dunklen Sauerteigbrotes und Butter. 

Auch in diesem Lokal steht Handkäs mit Musik auf der Speisenkarte. (Foto: Erich Stör)

Der Kellner lieferte außerdem Messer und Gabel, was den Gast auch sogleich veranlasste, den Verzehr zu beginnen. Als er die Gabel in die Hand nahm, mischte sich ein knorzig wirkender Einheimischer – am gleichen Tisch sitzend – ungefragt ein, und erklärte ohne Widerspruch duldend, Handkäs’ mit Musik werde nur mit dem Messer gegessen. Und erklärend fügte er hinzu, mit diesem sei eine Scheibe des Handkäses abzuschneiden und nach dem „Baden” in Essig und Öl entweder direkt in den Mund zu schieben oder auf das Brot zu legen und von dort abzubeißen.

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Mein mittelalterliches Nürnberg

Nürnberg, die fränkische Metropole mit dem Charme des Mittelalters, glänzt nicht alleine mit der Kaiserburg als Attraktion für die Touristen, sondern hat noch mehr zu bieten. Kulinarisch gesehen sind die kleinen Rostbratwürstchen im Weck allseits beliebt, genau wie in der Weihnachtszeit die schmackhaften Lebkuchen oder Christstollen auf dem Christkindlesmarkt.

Das Albrecht-Dürer Haus in Nürnberg ist eine Attraktion. (Foto: Clipdealer)

Einige bekannte Spielzeug-Manufakturen peppen das Image der Stadt auf, das wegen der dunklen Vergangenheit mit den „Rassegesetzen” und diversen Nazi-Aufmärschen auf dem  „Reichsparteitagsgelände” über Jahre hinweg schwer angeschlagen war. Mit informativen Führungen und einem einem Dokumentationszentrum wird dieser Teil der eher unrühmlichen Stadtgeschichte offensiv aufgearbeitet, wobei der Blick auch zu den Kriegsverbrecher-Prozessen geht.

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Herr Zaun verleiht Bücher

Erste Erfahrungen mit der Wildwest-„Literatur” und ihrer darin beschriebenen „Helden“ und Revolvermänner machte ich als Schüler in der Nachkriegszeit zwischen 1945 und 1950. Noch heute erinnere ich mich daran, wie ich zum ersten Mal mit Western in Berührung kam. Das hatte in erster Linie mit dem liebenswürdigen Herrn Zaun zu tun, der mit hell-schütterem Haar und einer goldumrandeten Brille im südlichen Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen ein Schreibwarengeschäft betrieb, in dem auch Artikel für den Schulbedarf (soweit damals vorhanden) zu haben waren. Der Laden war gekoppelt mit einer Leihbücherei, ein damals durchaus gängiges Geschäftsmodell.

Lesender Knabe freut sich auf abenteuerliche Geschichten. (Foto: Swift Publisher)

In der Städtischen Bücherei an der Ecke Darmstädter Landstraße und Willemerstraße, die 1946 wieder eröffnet worden war, hatte ich zunächst einige Bücher von Mark Twain ausgeliehen und dabei vor allem die Geschichten um „Tom Sawyer” und „Huckleberry Finn” verschlungen. Ebenso Robinson Crusoe von Daniel Defoe. Außerdem gab es einige Sportbücher. Doch das Angebot für Schüler und Jugendliche war insgesamt doch eher dürftig, vor allem auch, weil viele Bestände den Bombenangriffen zum Opfer gefallen waren oder nicht mehr den Anforderungen der demokratischen Zeit entsprachen.

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Planmäßiger Tod einer Rakete

Immer dann, wenn Kosmonauten oder Astronauten vom legendären Startplatz Nummer 1 (Gagarin-Rampe) im Kosmodrom von Baikonur in den  Himmel über Kasachstan aufsteigen, um die Internationale Raumstation (ISS) zu besuchen, ist das  für die Öffentlichkeit ein eher unbeachteter Routine-Vorgang, für die Verantwortlichen in der Raumfahrt indessen immer noch ein außergewöhnliches  Ereignis, wie sich eindrucksvoll auch am 11. Oktober 2018 zeigte, als Nick Hague (USA) und sein russischer Kollege Alexej Owtschinin nach einer Fehlfunktion der Rakete Sojus MS-10 notlanden mussten.

Erfolgreicher Start der Sojus-Rakete MS-09, mit der Alexander Gerst im Juni 2018 zur ISS flog. (Foto: ESA)

Weil mit solchen Fehlfunktionen immer gerechnet werden muss, ist die Anspannung vor und während eines Starts für die direkt Beteiligten in jeder Sekunde greifbar und nicht nur allein der Tatsache geschuldet, dass sich niemand bei den Kosten im Raumfahrtgeschäft Fehler erlauben darf. Denn Raumfahrt ist bleibt auch trotz der wissenschaftlichen Konzeption immer noch ein Abenteuer voller Unwägbarkeiten. Und ob die Triebwerke einer Rakete in Baikonur (Kasachstan), Korou (Französisch Guyana), Jiuquan (China), Wostotschny, Plessezk (beide Russland) oder dem Kennedy Space Center (USA) zünden – Starts in den Weltraum sind niemals Alltagskram, sondern Abbild höchster Ingenieurskunst.

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Waldbauernbub Peter Rosegger attackiert Straßenräuber

Peter Rosegger, der aus der östlichen Steiermark stammende österreichische Dichter (1843-1918), aufgewachsen in den dicht-dunklen Wäldern seiner Heimat bei Krieglach, hat der Nachwelt einige doch sehr bemerkenswerte Formulierungen hinterlassen – Sätze, die wie die Faust auf das Auge des neoliberalen Zeitalters passen. Mit diesem Rosegger hatte ich lange Zeit nicht viel am Hut. Zweimal war ich ihm in der Vergangenheit „begegnet”. Das erste Mal in der Schulzeit, als wir mit seinem autobiographischen Band „Als ich noch der Waldbauernbub war…” arbeiten mussten, das nächste Mal, als ich auf einer Autofahrt von Wien nach Graz bei Krieglach eine kleine Hinweistafel zu Roseggers Geburtshaus nahe dem Ortsteil Alpl entdeckte.

Nahe einem Wald voller Fichten und Lärchen wuchs Peter Rosegger auf. (Symbolfoto: Clipdealer)

Doch damals war keine Zeit, um sich den am Rande mächtiger Fichten- und Lärchenwälder gelegenen Kluggeneggerhof anzuschauen. Krieglach selbst, wo in seinem Sterbehaus ein Museum eingerichtet ist, ließ ich links liegen und fuhr weiter… Bedauerlich.

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Fossilien der Grube Messel bringen Mülldeponie zu Fall

Bei einer Autofahrt von Offenbach nach Dieburg kam ich kürzlich an der Grube Messel vorbei. Das weckte schlagartig Erinnerungen an die zahlreichen ökonomischen und auch politischen Querelen, die es in den Siebziger und Achtziger Jahren um die Nutzung dieser Grube – sie liegt leicht östlich versetzt zwischen Darmstadt und Frankfurt am Main – gegeben hatte. 

Auf der Suche nach der Welt von Gestern. (Symbolfoto: Clipdealer)

Das Gelände südlich von Messel war seit 1859 im Tagebau für den Gewinn von Eisenerz genutzt worden, bald entdeckten die damaligen Grubenbesitzer jedoch die viel lukrativeren Vorkommen an Ölschiefer. Dieser wurde jahrzehntelang abgetragen. Als sich abzeichnete, dass die Schätze zu Ende gingen, begann in Hessen eine heftige Diskussion darüber, wie das weitläufige Gebiet weiter genutzt werden könnte. Hauptsächliches Problem dabei war, dass einige engagierte Hobby-Archäologen in Laufe der Jahre in Messel höchst interessante Fossilien gefunden hatten, die für großes Aufsehen sorgten.

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Törggelen auf Bergbauernhof

Urlaub in der Nähe von Meran in Südtirol. Nichts Neues, gewiss nicht, wir waren schon häufig in der Gegend. Heute steht – wie könnte es anders sein – ein Wandertag auf dem Programm. Und natürlich darf der Gedanke an eine leckere Brotzeit im Herbst nicht fehlen. Zuerst fahren wir mit dem Sessellift von Algund nach Vellau in 900 Meter Höhe. Dort gibt es sanfte An- und Abstiege, sie laden zu ausgiebigen Spaziergängen, am Nachmittag steigen wir über den Saxner-Weg talwärts. Der Magen knurrt, am Wegesrand wirbt ein rustikaler Bergbauernhof mit dem einladenden Schild: „Heute Törggelen!”. Was bedeutet das?

Beim Törggelen kommen vor allem auch Maronen auf den Tisch. (Foto: Clipdealer)

„Törggelen” ist auf einen alten Brauch der Bauern und Weinhändler zurückzuführen, die den frischen „Süßen“ einst zwischen Oktober und Weihnachten verkosteten, wozu ursprünglich nur die Erntehelfer eingeladen wurden. Heutzutage gehört das Törggelen indessen längst zur einheimischen Esskultur. Für Urlauber im Goldenen Oktober wird in Weinschänken, Hotels, Gasthäusern oder Bauernhöfen „getörggelt”, ist also längt zum folkloristisches Beiwerk (und Umsatzbringer) des modernen Tourismus geworden. 

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Sagenumwobenes Felsenmeer

Der Odenwald ist reich an Sagen und wundersamen Erzählungen. Einer der seltsamen Geschichten rankt sich um die beiden Riesen „Steinbeißer” und „Felshocker”, die sich aus purer Langeweile im nördlichen Odenwald  mit Steinen bewarfen, bis die beiden sich dann höchstselbst unter riesigen Brocken wiederfanden, was gleichzeitig als die Geburt des Felsenmeeres interpretiert wird.

Eine abschüssige Geröllhalde im Odenwälder Felsenmeer bei Lautertal. (Foto: Oliver Stör)

Es liegt einige Jahre zurück, dass ich als Teilnehmer von touristischen Bilder-Suchfahrten des Motorsportclubs Überwald (Wald-Michelbach) diesen von Sagen umwobenen Odenwald intensiv kennenlernte. Sehenswürdigkeiten und Attraktionen gibt es ja genug in der hügeligen Landschaft, die im Norden beim Weinort Groß-Umstadt beginnt und im Süden vom romantischen Neckartal begrenzt wird. Östlich bilden zunächst der Main auf knapp 35 Kilometer und danach die Gemeinden Miltenberg, Buchen und Mosbach eine eher diffuse Linie, im Westen ist die Bergstraße die natürliche Grenze zur oberrheinischen Tiefebene. Als grobe Eckpunkte des Gebietes können auch die Städte Darmstadt, Heidelberg, Aschaffenburg und Heilbronn dienen.

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Jagdszenen um Fensterheber

Wer ein älteres Automobil sein eigen nennt, kann ein Lied davon singen: Ist nämlich die Produktion eines Fahrzeuges erst einmal eingestellt, kann es mit den Ersatzteilen im Laufe der Jahre eng werden – besonders dann, wenn die aufgelegte Produktionszahl ohnehin nicht gerade in die Hunderttausende geht. 

Vergebliche Suche nach dem passenden Ersatzteil für ein betagtes Auto. (Foto: Clipdealer)

Mein Coupe Fiat war eines der letzten von insgesamt nur 72 762 Exemplaren, die in der Autoschmiede Pininfarina bei Turin zwischen 1992 und 2000 vom Band liefen.  Das allerletzte Produktionsjahr war also vor immerhin 18 Jahren. Niedrige Stückzahlen eines Autos bedeuten aber auch verschwindend geringe Mengen an Ersatzteilen. Und alle, die nicht im Zweijahres-Rhythmus den fahrbaren Untersatz wechseln, sind irgendwann die Gelackmeierten.

Als im Oktober 2018 mein elektrischer Fensterheber auf der Fahrerseite (also links) seinen Geist aufgab, und die Scheibe sich nur noch mit roher Gewalt fixieren ließ, schien das zunächst kein wirkliches Problem zu sein. Eile war zwar geboten, der Herbst war schon eingezogen, und wer will schon bei Regengüssen mit offenen Fenster fahren – von der eindringenden Kälte ganz zu schweigen. 

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Straßenbahn als Gemüsekarren

Als ich im September 2018 die kurze Meldung las, die Verkehrsgesellschaft der Stadt Frankfurt am Main (VGF) werde in allernächster Zukunft Pakete mit Straßenbahn-Zügen ausliefern, erinnerte ich mich daran, dass die Idee so neu nicht sein konnte. Schon als Schüler hatte ich eine wirklich sonderbare Tram in Frankfurt gesehen. Sie fuhr 1943 durch Sachsenhausen und war vollgeladen mit Kartoffeln, Gemüse und Obst. In der Wallstraße 6 im Äppelwoi-Viertel stoppte sie kurz vor dem Gemüseladen Weyh und ein Mann stellte eilig ein paar Kisten auf den Bürgersteig. 

Straßenbahnen sollen demnächst in speziellen Wagen auch Pakete transportieren. (Foto: Clipdealer)

Der Triebwagen hatte an Stelle der Liniennummer ein rundes Schild mit dem Buchstaben G (wohl für Güterwagen) an der Stirnseite, darunter die Bezeichnung SONDERWAGEN, und noch kleiner prangte etwas tiefer die Aufschrift G 16, was ein Hinweis auf die normale Liniennummer 16 gewesen sein dürfte. Und mir fiel auch wieder ein, vom Gehweg der Deutschherrn-Eisenbahnbrücke  im Frankfurter Osten beim Blick auf die nahe Großmarkthalle Männer und Frauen beobachtet zu haben, die einen dunklen, etwas rustikal aussehenden Straßenbahnzug mit Säcken beluden, wahrscheinlich gefüllt mit Kartoffeln oder Zwiebeln.

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Die Väter der „Eisenmenschen“

Auf dem „Big Island” von Hawaii geht alljährlich im Oktober ein internationaler Wettkampf über die Bühne, der aus 3,8 Kilometer Schwimmen in der Kailua-Bucht, 180 Kilometer Radfahren durch die Lavafelder auf dem Queen K Highway (Wendepunkt in Hawi) und dem abschließenden Marathonlauf über die Distanz von 42,195 Kilometern besteht. Esi handelt sich um den legendären „Ironman”, eine höchst brutale Selbstquälerei all jener Menschen, die als „Eisenmänner” oder „Eisenfrauen” nach Ruhm und Anerkennung suchen. Im Jahr 2018

Ansichtskarten-Idylle von Hawaii, das auch für Triathleten ein Traumparadies ist (Foto: Swift Publisher)

Geboren aus der Bier- und Schnapslaune alkoholseliger US-Offiziere entstand einst dieser Triathlon-Wettkampf. So sagt es jedenfalls die Legende. Ob das wirklich den Tatsachen entspricht? Wer weiß das schon nach so vielen Jahren. Wie auch immer… Ein gewisser John Collins soll 1977 mit einigen Kollegen darüber in Streit geraten sein, welcher der auf Hawaii ausgetragene Wettbewerbe wohl der anstrengendste sei: das 3,8 km lange Waikiki-Schwimmen, das Radrennen in Oahu über 180 km oder der Honolulu-Marathon über die klassische 42,195-km-Distanz.

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Kuckucksuhren in Übergröße

Schon der deutsche Dichter Matthias Claudius (1740-1815) sagte: „Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen”. Das galt zu seiner Zeit mit ihren mehr als beschwerlichen Kutschenfahrten natürlich noch weit mehr als heute, da der Massentourismus das Reisen zur Alltäglichkeit gemacht hat. Gleichwohl habe ich etwas zu erzählen von einer Autofahrt zum Bodensee, einem kurzen Zwischenstopp in Triberg und Schonach sowie zwei Kuckucksuhren in Übergröße…

Die Dold-Uhr im Stile eines Schwarzwald-Hauses ist besonders attraktiv. (Foto: © adelyne/Fotolia)

Der Schwarzwald hat viele reizvolle Flecken, an denen Kultur, Romantik und Urlaubsfreuden gleichermaßen zu ihrem Recht kommen. Seit in den frühen Fünfziger Jahren der Farbfilm Schwarzwaldmädel (nach der gleichnamigen Operette von Leon Jessel) mit Sonja Ziemann und Rudolf Prack in den deutschen Kinos lief, erinnern sich die Menschen gerne an das ausgedehnte Mittelgebirge im Südwesten der Republik. Triberg und Schonach stehen dabei oft im Fokus, denn außer den üblichen touristischen Ingredienzen – wie etwa dem Wasserfall in Triberg –, sowie dem alltäglichen Uhrenverkauf machen sich noch zwei XXL-Kuckucksuhren „Konkurrenz” und die beiden Städtchen zum Anziehungspunkt für zahlreiche Besucher. 

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