Mondsüchtige blicken hoffnungsvoll zu Frau Luna

Seit Chinas Landung hinter dem Mond 2019 blicken Business-Männer erwartungsvoll in den Himmel. Viele Nationen haben Interesse an Frau Luna signalisiert.

Wenn vom Mond (männlich) die Rede ist, wird in Anlehnung an die römische Mythologie sowie einer äußerst schmissigen Operette von Paul Lincke gerne auch von Frau Luna (weiblich) gesprochen. Die burlesk-phantastische Geschichte nach einem Libretto von Heinrich Bolten-Baeckers war am 2. Mai 1899 im Berliner Apollo-Theater uraufgeführt, im Laufe der Jahre aber ergänzt worden, ehe 1922 ihre endgültige Fassung feststand. Die bekanntesten Musikstücke sind der Marsch Das macht die Berliner Luft, Luft, Luft, das Duett Schenk mir doch ein kleines bißchen Liebe und die Arie Schlösser, die im Monde liegen…

Wenn ich also hier von Frau Luna schreibe, meine ich jenen „blonden“ Himmelskörper, der als Mond (männlich also) in die Geschichte der Weltraumfahrt eingegangen ist, obwohl in der UdSSR die Flugkörper zum Nachbarn ebenfalls als „Luna“ bezeichnet worden waren. Vor Jahrzehnten war diese Frau Luna von den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion heftig umworben worden, doch kaum hatte sie die USA erhört, verloren diese schnell die Lust an der Liaison. Die Dame war ihnen auf Dauer zu kostspielig. Doch nun fühlen sich die USA bemüßigt, ihre alte Liebe wieder aufzufrischen. Auch China, Russland, Indien und Europa flirten bereits heftig mit der blonden Nachbarin.

Reden wir nun aber nicht mehr von Frau Luna, sondern schlicht vom Mond. Es war am 20. Juli 1969, als um 21.17 Uhr deutscher Zeit eine Landefähre mit den us-amerikanischen Astronauten Neil Armstrong und Edwin Aldrin auf dem Himmelskörper aufsetzte, während Michael Collins in Apollo 11 weiter den Mond umkreiste. Sechs Stunden später betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond und sprach:

„Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit.“

In den Geschichtsbüchern wird genau beschrieben, was ich vor dem Bildschirm miterleben durfte. Noch weitere fünfmal landeten US-Raumfahrer auf dem Erdtrabanten, aber es ist erstaunlich, wie schnell diese weiteren Mondbesuche aus dem Gedächtnis der meisten Menschen verschwunden sind. Erstaunlicherweise scheint der mißglückte Flug von Apollo 13  (durch den gleichnamigen Film beeinflusst) deutlicher im Gedächtnis haften geblieben zu sein als viele der gelungenen Landungen. 

Nach Beendigung des Apollo-Programms 1972 geriet der Mond als Objekt der Begierde in Vergessenheit, weil auch die sowjetischen Konkurrenten aus dem Kalten Krieg ihre Ambitionen einer Landung mit Kosmonauten nicht weiter verfolgten. Neuerdings aber bereiten hauptsächlich die USA, China und Russland neue Flüge zum Erdtrabanten vor. Dabei werden sowohl nationale als auch bilaterale Projekte geplant. Die Aktivitäten haben nicht nur mit wissenschaftlichem Interesse zu tun. Es geht vor allem darum, die natürlichen Ressourcen des Mondes auf kommerzieller Basis auszubeuten. Milliardenschwere, private Investoren wittern das große Geschäft. Und es geht auch um große Politik.

Das Gateway-Projekt

Am vielversprechendsten ist das von den USA verfolgte Projekt Gateway. Dafür werden aus Kostengründen weitere Partner gesucht. Die russische Weltraum-Organisation Roskosmos hatte einst bekräftigt, trotz gewisser Irritationen bei der Zusammenarbeit mit der NASA, sich an Gateway zu beteiligen. Ob das wegen des Ukraine-Krieges noch gilt, ist eine anderer Frage. Japan, Kanada und die Europäische Weltraumorganisation ESA haben ebenfalls signalisiert, das Projekt finanziell (und auch mit wissenschaftlichen Beiträgen) zu unterstützen.

Gateway soll ab 2023 zwischen Erde und Mond am so genannten Lagrange-Punkt L1 posiioniert werden, wo sie zusammen mit dem Mond die Erde umkreisen würde, wobei sie sich jahrelang nahezu antriebslos aufhalten kann. Es werden allerdings auch noch andere Optionen geprüft. Fest steht allerdings bereits, dass die Station im Gegensatz zur ISS nicht ständig besetzt sein soll, sondern als Zwischenstation für Flüge zum Mond oder Mars dient. Amerikanische Astronauten, darunter eine Frau, sollen bereits 2024 im Artemis-Programm wieder auf dem Mond landen, finanziert durch radikale Kürzungen im Bildungsbereich.

Superrakete aus China

China, das sein Raumfahrt-Programm sehr zielstrebig, gleichwohl aber sehr behutsam verfolgt, macht keinen Hehl daraus, dass man innerhalb des nächsten Jahrzehnts den Mond erreichen möchte, und zwar mit einem bemannten Raumschiff. Diesem Zweck dienten auch der experimentelle Flug mit der Raumstation Tiangong-2 im Jahr 2016 sowie die erstmalige Landung eines Roboters auf der Rückseite des Mondes am 3. Januar 2019. Die Landung auf der Mond-Rückseite war ein Husarenstück und zeigt die hohe Qualität der chinesischen Raumfahrt.

Auch Indien schielt zum Mond. Und Russland plant im Zeitraum von 2036 bis 2040 einen vollwertigen Mond-Stützpunkt zu errichten. Diese Mondbasis soll Module mit Lebensunterhaltungs- und Strahlenschutz-Systemen, Zentren zur Überwachung der Erde, Energieversorgungs- und Kommunikationsmittel sowie Stände für Experimente zur Verarbeitung und Nutzung von Mondmaterie und natürlichen Ressourcen sowie zur Entwicklung und Erprobung neuer Weltraummittel und -technologien umfassen.

Wer sich die Zeitpläne aller Nationen genauer ansieht, wird unschwer erkennen, dass noch viel Zukunftsmusik in all diesen Plänen mitschwingt. Aber gewiss ist auch, dass gegenwärtig von den großen Nationen intensiv mit „Frau Luna“ geflirtet wird.