Trainer Guardiola und sein Traum vom perfekten Spiel

Auch wenn der spanische Fußballtrainer Pep Guardiola 2021 den Gewinn der Champions League verpasste, bleibt er mit sage und schreibe 31 Titelgewinnen der erfolgreichste Coach der Gegenwart.

Obwohl 1,80 Meter lang, ist er kein Kerl wie ein Baum. Eher intellektuell wirkend mit lichtem Haar und wachen Augen. Gleichwohl ein Gigant, der sein Metier erfolgreich beherrscht wie kein anderer: Pep Guardiola. Der spanischer Fußballtrainer ist zur Zeit das Maß der Dinge im Gewerbe der Übungsleiter. Mit immerhin 31 Titelgewinnen (FC Barcelona, Bayern München, Manchester City) innerhalb von nur zwölf Jahren steht der Katalane an der imaginären Tabellenspitze im Ranking seiner Berufskollegen. Sein letzter Triumph war die Meisterschaft von Manchester City in der englischen Premier League 2021.

Ein Titelsammler also, aber gleichwohl wäre es ein falscher Ansatz, die Arbeit des Trainers nur auf das Sammeln von Pokalen und Meisterschaften zu reduzieren. Guardiola ist ein Besessener seines Berufs, der nicht nur den reinen Erfolg sieht. Seine Motivation liegt woanders. Er träumt vom „perfekten Fußball“, den es auf dem Rasen freilich nie geben wird, weil die Unwägbarkeiten des Spiels zu groß sind. Als Guardiola nach seinen Antriebskräften befragt wurde, berief er sich nicht auf die gewonnenen Titel, sondern sagte:

„Mein Traum ist, mit meinen Spielern neue Ideen zu entwickeln und ganz neue Sachen auszuprobieren.”

Der Spanier, der als Spieler elf Jahre erfolgreich beim FC Barcelona agierte und durch seine schon damals hohe Spielintelligenz als verlängerter Arm von Trainer Johan Cruyff galt und später auch bei AS Rom und Brescia Calcio spielte, feilt an einem System, das von vielen Bewunderern als Guardiola-Stil bezeichnet wird. Dazu gehören hohes Tempo und das frühe Attackieren des Gegners. Voraussetzung ist die hohe, technische Qualität der eingesetzten Spieler – und vor allem der „Besitz des Balles“. Zwar haben die Ballstafetten im von Guardiola bevorzugten 4-3-3-System auch Nachteile, weil das schnelle und direkte Zuspiel mit seinen ausgetüftelten Laufwegen gegen extrem defensiv eingestellte Gegner schnell ermüdend werden kann, doch Guardiolas Philosophie bleibt davon unberührt. Sein Credo:

 „Um gut zu spielen, muss man den Ball haben. Ohne Ballbesitz geht es nicht.”

In der konsequenter Anwendung des „Ballbesitz-Fußballs” sieht Guardiola den wesentlichen Schlüssel zum Erfolg, was sich bei den von ihm bisher trainierten Klubs eindrucksvoll bestätigt hat. Um dauerhaft Spitzenleistungen abrufen zu können, braucht es allerdings auch so etwas Profanes wie „glückliche Umstände“. Die hatte Guardiola am Beginn seiner Trainerkarriere im Übermaß, als er auf seiner ersten Arbeitsstelle am Camp Nou in Barcelona auf eine Heerschar der begabtesten Zauberkünstler der Welt traf.

FC Barcelona

Welche großartigen Fußballspieler da versammelt waren! Neben den Jungspunden Lionel Messi und Andrés Iniesta gehörten in den Jahren zwischen 2009 und 2013 neben anderen Victor Valdez, Dani Alves, Carles Puyol, Gerard Pique, Xavi Hernandez, Xavi Torres, Samuel Eto’o, Thierry Henry, Zlatan Ibrahimovic, David Villa, Thiago Alcàntara und Javier Mascherano zum Team. Beim FC Barcelona mit überlegenem Ballbesitz den „Tiki-Taka”-Stil des direkten, schnellen Kurzpassspiels zu zelebrieren, schien fast spielerisch leicht – dabei war es harte Arbeit – und für die Zuschauer immer „großes Kino”. Die Belohnung für den Trainer (und natürlich den Klub) waren 14 nationale und internationale Titel.

Bayern München

Als Guardiola nach einem Jahr Pause 2013 zu Bayern München wechselte, traf er an der Säbener Straße andere Voraussetzungen an als in Barcelona. Großartige Spieler standen auch auf dem Platz, aber sie waren doch anders gestrickt als in Barcelona. Gleichwohl setzte Guardiola seine Ballbesitz-Besessenheit auch in München um. Mit den spanischen Fußballern Javi Martinez, Juan Bernat, Xabi Alonso und Thiago Alcantara blieb er im Verbund mit den anderen Spielern seiner Grundphilosophie treu und gewann in den Jahren zwischen 2013 und 2016 sieben Titel. In der Champions League scheiterte Guardiola allerdings dreimal im Halbfinale – pikanterweise jeweils an spanischen Mannschaften. Erst an Real Madrid, dann am FC Barcelona und zuletzt an Atletico Madrid.

Manchester City

Guardiolas Vater hatte nach dem Wechsel zu Manchester City 2017 geäussert, sein Sohn werde den englischen Fußball revolutionieren. Das lässt sich so nicht ganz bestätigen, obwohl Guardiola mit Manchester City in den vier Jahren seiner Tätigkeit insgesamt neun Titel gewann. Ein Wermutstropfen ist, dass Guardiola mit Manchester City in der Champions League dreimal vorzeitig auschied und auch das Finale 2021 gegen Chelsea London verlor. Selbstkritisch meinte der Übungsleiter, in dieser Königsdisziplin habe er seine Aufgabe nicht befriedigend erfüllt. Was allerdings auch der Tatsache geschuldet sein dürfte, dass der internationale Fußball in den vergangenen Jahren nicht nur stärker, sondern auch ausgeglichener geworden ist.

Schwindelerregend

Guardiolas Bilanz als Trainer ist geradezu schwindelerregend. In den vergangenen 12 Jahren (seit 2009) gewann Guardiola 31 Titel unterschiedlicher Qualität, davon alleine neun nationale Meisterschaften. Mit dem FC Barcelona war er 2009, 2010 und 2011 erfolgreich, mit Bayern München holte er 2014, 2015 und 2016 ebenfalls drei Titel, was ihm dann bei Manchester City 2018, 2019 und 2021 gelang.

Den spanischen Pokal gewann Guardiola zweimal (2009, 2012), den spanischen Supercup dreimal (2009, 2010 und 2011). Als Trainer von Bayern München war er in dieser Disziplin 2014 und 2016 erfolgreich, als Coach von Manchester holte er mit seinem Team den Pokal 2019 und den Ligapokal 2018, 2019 und 2021. Dazu gewann er den englischen Supercup 2018 und 2019.

Auf internationaler Ebene führte er den FC Barcelona 2009 und 2011 in der Champions League zum Sieg. Er gewann 2009 und 2011 (mit Barcelona) und 2013 (mit Bayern München) die Klub-WM der FIFA. Der Supercup der UEFA 2009 und 2011 mit Barcelona und 2013 mit Bayern München geht ebenfalls auf sein Konto.

Ausländisches Kapital

Ohne das reichlich fließende Geld bei allen drei Vereinen sähe diese wahrhaft eindrucksvolle Serie von Erfolgen allerdings bescheidener aus. Es war Guardiola immer vergönnt, jene Spieler verpflichten zu können, die seiner Anschauung von Fußball am ehesten entsprachen. Das gilt vor allem für Manchester City, weil die Gelder aus der Schatulle der Investoren ihm den Zugriff auf jene Spieler ermöglicht, die am ehesten in sein Konzept passen.

Laut Wikipedia werden alle Anteile an Manchester City von der so genannten „City Football Group“ gehalten, an der die Abu Dhabi United Group Investment & Development Limited zu 86,21 Prozent und die China Media Capital Football Holdings Limited zu 13,79 Prozent beteiligt sind. Eine ausländische Kapitalgesellschaft reinsten Wassers also, was die Qualität Guardiolas Arbeit natürlich positiv beeinflusst.