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Spreewaldbilder zeigen Fließen, Gondeln, Gurken

Auf dem heimischen Wochenmarkt habe ich vor einiger Zeit einen Stand mit Spreewald-Gurken erspäht; erst kürzlich habe ich im Fernsehen einen Film der Serie „Spreewald-Krimi“ gesehen. Beides erinnerte mich an einen lange zurückliegenden Besuch in den Städten Lübben (sorbisch: Lubin) und Lübbenau (Lubnjow). Noch zu DDR-Zeiten hatte ich bei einer Reise die Gelegenheit, mich mit einem der stillen Kähne über die engen Wasserstraßen treiben zu lassen und bäuerliche Betriebe zu besichtigen, in denen die schmackhaften Gurken der Region verarbeitet wurden. 

Die zweisprachige Region im südöstlichen Brandenburg – rund 100 Kilometer von Berlin entfernt und mit hohem sorbischen Bevölkerungsanteil – hat jedoch mehr zu bieten, als nur die stillen, engen Wasserstraßen, die als Fließen bezeichnet werden. Nahe von Cottbus (Chosebuz) lässt sich ein einzigartiges Panorama geniessen, eine Landschaft, die sich Naturforschern zufolge aus einer Art Urwald am Ende der letzten Eiszeit herausbildete und die Spree in eine Vielzahl winziger Wasserstraßen aufspaltete: den heutigen Spreewald. 

Begünstigt durch die Kultivierung entwickelte sich neben den Fließen eine Mischung aus Wald, Wiesen und Äckern. Die Auenlandschaft bietet Tier- und Pflanzenwelt günstigen Lebensraum. Weil sich Arten, die bedroht oder bereits ausgestorben waren, im Spreewald wieder erholen konnten, und um für die Zukunft Lebensraum zu erhalten, wurde das Gebiet 1990 zum Biosphärenreservat erklärt, ein Jahr später erhielt es einen entsprechenden UNESCO-Status. 

Kähne unterwegs auf einer der Fließen. (Foto: iStock.com/Kerrick)

Die Fließen, die an die Kanäle und Lagunen in Venedig erinnern, sind die Hauptattraktion des Spreewaldes, genauso wie die Kahnfahrten in gondelähnlichen Booten. Die Kähne dienen allerdings nicht nur dem Tourismus. Sie werden auch als „Frachtschiffe“ eingesetzt. Strohballen, Gurkenfässer, sogar Kühe werden transportiert und seit über 125 Jahren wird im Ort Lehde die Post per Kahn zugestellt. Dabei werden fast 70 Häuser mit Briefen oder Paketen bedient.

Mystische Vorgänge in den Dörfer gehen auf Sagen der Sorben zurück, die ihre Bräuche und kulturellen Gepflogenheiten bewahrt haben. Abgesehen davon zählen Fakten:

Pressemitteilung des Landkreises Spree-Neiße

Ich erinnere mich daran, wie ich auf einem dieser Kähne mit Bekannten durch die Fließen geschippert wurde. Ein Fährmann steuerte und trieb mit kräftigen Stößen der Stake das flache Boot an, blieb wortkarg, erzählte auf Nachfrage gleichwohl von der Entstehung dieser urigen Gegend. Das sanfte Dahingleiten durch die Fließen wechselte ab mit offenen Wiesen und kleinen Weiden. Dazwischen glitten wir vorbei an uralten Häusern mit Schilf- oder Strohdächern. Es war ruhig, die Ufer waren an manchen Stellen mit Steinwerk befestigt, teils mit Holzbalken gesichert, aber meist naturbelassen beastückt mit mächtigen Stämmen verschiedener Baumarten. Die Lokale zum Schmausen waren damals schlicht. Nach der Umwälzung der Gesellschaftsordnung rückten andere Dinge in den Vordergrund. Vieles, was jetzt modern und schön daherkommt, kenne ich nur aus Filmen oder Berichten, was der Korrektheit wegen hier mitgeteilt wird.

Wie die Gurke heimisch wurde

Ein wirtschaftlicher Aspekt war und ist der Anbau und Vertrieb von Gurken. Wie kam gerade dieses Gemüse in den Spreewald? Die Gurkenfabrik Krügermann aus Lübbenau gibt Auskunft: 1505 hatten die in Lübbenau herrschenden Grafen von Schulenburg junge Tuchmacher aus den Niederlanden in den Spreewald gelockt, um Webereien gewinnbringend zu betreiben. In ihrer alten Heimat waren Gurken ein Grundnahrungsmittel, und die Handwerker hatten Samen mitgebracht, um im Spreewald für zusätzliche eigene Nahrung zu sorgen. Als das gräfliche Geschäftsmodell „Weberei“ scheiterte, lebten die Arbeiter in tiefer Armut. Um überleben zu können, bauten sie die Gurken in den fruchtbaren Auen schließlich gewerbsmässig an – erfolgreich wie man heute weiß…

Besucher-Andrang an einer Spreewald-Gaststätte. (Foto: iStock.com / Jürgen Sack)

Doch Gurken sind nur das eine. Der „Kähne“-Tourismus ist ein wichtiges Standbein der Region. Sehenswürdigkeiten oder Museen gibt es auch, Wanderungen und Radtouren werden feilgeboten. Hotels und Pensionen bieten Unterkünfte für jeden Geschmack und Geldbeutel, Gaststätten mit vielfältigem Angebot werben um Kunden, schmucke Neubauten stehen am Rande der Fließen

Attraktionen anderer Art füllen ebenfalls die Reiseprospekte: die Heimatstube Burg erwartet ebenso Gäste wie die Spreewald-Therme in Burg, die Museen in Lübbenau und Lehde sowie die Kräutermanufaktur in Lübbenau. Abwechslung pur samt Erholungsfaktor ist in diesem zauberhaften Naturparadies also garantiert.