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Celles malerische Altstadt mit fünf Sternen geadelt

Das Vergnügen, habe die Ehre, lag ganz auf meiner Seite. Dreimal durfte ich mich im Lauf der vergangenen Jahre für einige Tage in der niedersächsischen Stadt Celle aufhalten, und das waren immer angenehme Stunden oder Tage. Die Anlässe der Besuche an der Aller waren unterschiedlicher Art. Vor vielen Jahren verschlug es mich zuerst aus journalistischen Gründen in das Justizgebäude zu einem Gespräch mit dem Gerichtspräsidenten und kurz darauf in eine örtliche Druckerei, später hielt ich mich als Mitglied eines hessischen Sportteams zu einem Auswahlkampf mehrere Tage in der Stadt auf. Jedes Mal erlebte ich Celle als lebendige Stadt. Ein Kleinod, strotzend vor mittelalterlicher Baukunst, geprägt von Tradition, aber aufgeschlossen für die Moderne.

Hunderte aufwändig restaurierte und denkmalgeschützte Bauten prägen das Bild im Zentrum und bilden zugleich das größte geschlossene Ensemble von Fachwerkhäusern in Europa, was auch dem Umstand zu verdanken ist, dass Celle im Zweiten Weltkrieg von Bombenangriffen verschont blieb. Das unbeschädigte Schloss, Turnierplatz und Markt sowie die Kirche St. Marien diesen dem Wochenmarkt, Stadtfesten und dem Weihnachtsmarkt als Heimstatt.

Blumenmarkt in der Celler Altstadt. (Foto: Sina Ettmer/stock.adobe.com)

Der Hauch des Mittelalters umweht mich, als ich durch die malerischen Gassen spaziere. An vielen Häuserwänden lese ich geschnitzte oder gemalte Inschriften. Sie geben in meist Aufschluss über Beruf und sozialen Stand der früheren Bewohnerinnen und Bewohner. Es lässt sich unschwer erkennen, dass, wer in so einem Haus lebte, zu den gut betuchten Handwerkern, Kaufleuten oder Adligen zählte. Das gilt auch für das Hoppenerhaus an der Ecke von Runde- und Poststraße, das laut Infotafel 1532 im Auftrag von „Herzog Ernst dem Bekenner” für seinen Rentmeister Simon Hoppener gebaut worden ist, von 1725 bis 1759 dem Hofmediziner Dr. Johann Daniel Traube gehörte und 1932 durch einen Brand teilweise beschädigt worden ist.

Dieses Hoppenerhaus ist wahrlich prächtig, umfasst sechs Geschosse und ist mit künstlerisch verzierten Schnitzereien versehen. Ich erkenne Fratzen und Reptilien, Planetengötter und Fabelwesen sowie närrische Gestalten und Brustbilder, die Handwerkergilden und andere Stände zeigen. Das Gebäude ist bewundernswert gewiss, stellt aber andere Häuser nicht unbedingt in den Schatten. Viele erlauben durch ihre schlichte Schönheit und ihre Historie ein Eintauchen in die Baukunst der Vergangenheit, die sich an diesem Flecken Erde über Jahrhunderte erhalten hat. Auch die nahen Parks und Gärten vermittelten ein angenehmes Gefühl, zumal viele in den vergangenen Jahren neu angelegt oder aufgehübscht wurden. 

Das berühmte Hoffenerhaus in der Altstadt von Celle. (Foto: pecos / stock.adobe.com)

Das gastronomische Angebot im Stadtkern ist umfangreich. Ich schlendere durch die Straßen und Gässchen, komme vorbei an Restaurants, Cafés, Bäckereien, Pizzerien und Eissalons. An diesem sonnigen Herbsttag sind alle gut besucht, hier lässt sich gut leben wie es scheint. In fast jedem Haus befindet sich im Erdgeschoss ein Geschäft. Kleinere Läden, Banken und Sparkassen, Hotels, Drogerien Optiker wechseln sich ab. Das sorgt für Vielfalt und lebhaftes Treiben. Beinahe hätte ich jetzt geschrieben: Celle ist eine Reise wert! Aber das wäre dann doch ein zu abgedroschenes Klischee. Ich gebe der Stadt stattdessen fünf Sterne!