Rita Falk, der Eberhofer Franz und ein Kaiserschmarrndrama

Der Eberhofer Franz, eigenwilliger Dorfpolizist in Niederbayern, verdankt seine „Existenz” der Schriftstellerin Rita Falk, deren skurrilen Romane (und die daraus resultierenden Filme) Kult sind.

Wenn der Eberhofer Franz (Sebastian Bezzel), Dorfpolizist in Niederkaltenkirchen, den dortigen autoleeren Kreisel umrundet, ohne die nächstmögliche Ausfahrt zu nutzen, beim Nachbarschaftskrach eine Lampe – und Objekt des Streits – einfach zerballert, um seine Ruhe zu haben, oder sich beim Metzger seines Vertrauens mit kräftigen Leberkäs’-Semmeln für den Tag eindeckt, dann ist alles in Ordnung in der niederbayerischen Provinz. Eberhofer hat alles im Griff. Inbegriffen die lärmenden Saufgelage im Wirtshaus, die oft mit „dickem Kopf” enden.

Der phlegmatische Eberhofer, zuvor als Kriminaler in München tätig, und nach Strafversetzung wieder in seinem Heimatort unterwegs, hat sich privat und beruflich gemütlich eingerichtet in Niederkaltenkirchen und löst die Fälle bauernschlau und auf unkonventionelle Art, wobei ihn seine Ermittlungen auch schon mal bis nach Teneriffa führen. Hauptsächlich aber bleibt er in heimischen Gefilden, was schon die Titel der Bücher verraten, die die aus Oberammergau stammende Rita Falk (48) ihren Provinz-Krimis verliehen hat.

Winterkartoffelknödel, Dampfnudelblues, Grießnockerlaffäre, Sauerkrautkoma,  Zwetschgedatschi-Komplott, Schweinskopf Al Dente, Leberkäsjunkie, Weißwurst-Connection, Kaiserschmarrndrama, Gugelhupfgeschwader, Rehragout-Rendezvous: – solche Namen machen Appetit und wecken Lust aufs Lesen, obwohl die Kost für einen Nicht-Bayern nicht leicht zu verdauen ist. Doch die aus den Büchern entstandenen Filme, die zur finanziellen Abschöpfung erst in die Kinos kommen und danach den Weg ins Fernsehen finden, sind ein Erlebnis. 

Die Menschen sind wunderbar eingebettet in das familiäre und berufliche Umfeld des schlitzohrigen Eberhofer. Enzi Fuchs gibt die pfiffige Oma, Eisi Gulp den kiffender Vater, Gerhard Wittmann den unbedarft pingeligen Bruder Leopold. Siggi Zimmerschied agiert als knurriger Dienststellenleiter Moratschek. David Christensen mimt den schrägen Installateur Ignaz Flötzinger, Stephan Zinner den Metzger Simmerl, bei dem es was zu futtern gibt für den hungrigen Eberhofer. Die Rollen sind den Darstellern wie auf den Leib geschrieben und erwecken die Romanfiguren zum Leben.

Als Co-Stars von Bezzel glänzen Lisa Maria Potthoff (Susi) und Simon Schwarz (Birkenberger). Susi ist die Lebensgefährtin von Eberhofer und Mutter ihres gemeinsamen Kindes Paul. Die Susi ist liebenswert, weiß aber auch ihre Krallen auszufahren, wenn es um ihre Beziehung zu Eberhofer geht; ein ewiges Hin und Her. Birkenberger, gescheiterter Kriminalbeamter und „privater Schnüffler”, ist hilfsbereit, aber auch hektisch, und wenn Eberhofer den Freund wieder mal „pflanzt”, ist der Birkenberger Rudi schnell beleidigt, weil seelisch fein gesponnen und höchst empfindsam. Sensibel halt.

Guglhupfgeschwader in Sicht

Die zuletzt verfilmten Bücher sind Kaiserschmarrndrama und Guglhupf-Geschwader. Wegen der Corona-Krise ist das Kaiserschmarrn-Drama 2021 verspätet in die Kinos gekommen, läuft aber erfolgreich. Nach Angaben des Constantin-Filmverleihs wurden im Spätherbst bereits über eine Million Zuschauer gezählt. Im Guglhupf-Geschwader  – im Oktober 2021 abgedreht und in der Postproduktion, geplante Premiere 22. August 2022 – bekommt es der Ortssheriff mit undurchsichtigen Geldeintreibern zu tun, die nicht einmal Hemmungen haben, die frisch gebackenen Guglhupfe der Oma zu zerdeppern. Und als sich das Dorf zu allem Überfluss im Lottofieber befindet, der Herr Flözinger sich schon als Millionär sieht, und dann auch noch der Lottoladen in die Luft fliegt, herrscht Chaos pur in Niederkaltenkirchen. Aber keine Angst… Alles wird gut. Es gibt ja den Eberhofer Franz…