Eigenwillige „Tower Bridge“

Es gibt Millionen von Brücken auf der Erde. Sie verbinden getrennte Stadtteile, überqueren Straßen und Eisenbahnlinien, verbinden sogar Inseln mit dem Festland. Für die Mobilität der Menschen sind sie unverzichtbar. Und viele von ihnen haben eine interessante Geschichte. Alleine im Wohnort des Autors mit etwa 15 000 Einwohnern gibt es zwei Brücken über die Autobahn, drei über oder unter der nahen Eisenbahnlinie und fünf über einen kleinen Bach. Obwohl sie immer den reibungslosen Verkehrsablauf gerantieren, sind sie doch eher unbedeutend – ganz anders als bei den berühmten Brücken dieser Welt. Eine davon ist die Tower-Bridge in London. Sie gehört zu den meistfotografierten Bauwerken überhaupt – kein Wunder, zeugt sie doch von außerordentlicher Kühnheit ihrer Erbauer.

Die berühmte „Tower Bridge“ in London (Foto: Oliver Stör)

Es waren die Architekten Jones, Wolfe-Barry und Stevenson sowie Hunderte von Bauleuten. Heutzutage stehen jeden Tag Hunderte von Touristen in der Nähe der Brücke, zücken ihre Fotoapparate, visieren die von 1886 bis 1894 im neugotischen Stil errichtete Hänge- und Klappbrücke an und machen sie damit zu einem der am meistfotografierten Objekte der Welt.

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Ötzi sah nie den See von Vernagt

Von der Staatsstraße 38 im Südtiroler Vinschgau führt der Weg von Naturns aus vorbei an Schloß Juval, in dem Bersteiger-Legende Reinhold Messer lebt und ein Museum eingerichtet hat. Nach kühnen Straßenkehren und hinter den Fraktionen „Karthaus” und „Unsere Frau in Schnals” liegt das Dorf Vernagt am gleichnamigen Stausee, der in den 50er Jahren erbaut wurde, und in dem nach der Inbetriebnahme damals acht uralte Bergbauernhöfe im Wasser versanken.

Sommerlicher Blick auf den Vernagter Stausee. (Foto: Oliver Stör)

Wenn der Pegelstand besonders niedrig ist, ragt – ähnlich wie am Reschensee – die Turmspitze einer versunkenen Kapelle aus dem Wasser, die 65 Meter hohe Staumauer steht wie ein mächtiger Wächter vor dem rund 1,26 Quadratkilometer großen, künstlich angelegten Gewässer, das von den Etschwerken Bozen und Meran betrieben wird. Strom fließt für den Vinschgau, das Etschtal, Meran und Bozen… Weiterlesen

Auf dem Boulevard „La Rambla“

Eine der berühmtesten Stadtstraßen der Welt ist die „La Rambla“ in Barcelona.  Sie führt vom Hafen zum Plaça de Catalunya oder umgekehrt. Der besondere Charakter dieses Boulevards in der katalanischen Metropole besteht in seiner einmaligen Vielfältigkeit. Bei einem beruflichen Informationsbesuch steht eine gedrängte Besichtigungstour auf dem Programm, wobei uns unser Begleiter und Dolmetscher Ramon „sein” Barcelona näher bringt.

Die La Rambla am Columbus-Denkmal, direkt am Hafen. (Foto: Clipdealer)

Erst blicken wir vom Mont Juic, dem Hausberg Barcelonas, auf die Dächer der Stadt; wir schlendern später durch das Gotische Viertel im alten Zentrum; besuchen den Hafen und das Tortre Agbar, ein modernes, 142 Meter hohes Bürogebäude an der Avinguda Diagonal. Im Fußballstadion des FC Barcelona lassen wir – obwohl an diesem Tag kein Fußballspiel im Camp Nou über die Bühne geht –, die Künste von Lionel Messi und Co. bei einer grandiosen Multimedia-Show vor unseren Augen Revue passieren. Und man muss nicht dem christlichen Glauben huldigen, um die berühmte römisch-katholische „Sühnekirche der Heiligen Familie” (Sagrada) als Augenweide zu empfinden.

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Naturparadies Mönchbruch

Ganz in der Nähe von Mörfelden-Walldorf liegt das Naturschutzgebiet Mönchbruch. Es erstreckt sich vom nördlichen Ende Walldorfs bis hin zur Bundesstraße 486 zwischen Mörfelden und Rüsselsheim. Ein Spaziergang im Frühjahr oder Sommer lohnt sich immer… 

Wer in der morgendlichen Dämmerung unterwegs ist, kann auf den Wiesen bei guten Licht  oft Rehe beobachten; auch Dam- und Schwarzwild tummelt sich hier. Tagsüber sind viele Besucher mit Fotoapparaten oder auch mit Feldstechern ausgerüstet, um die verschiedenen Vögel im Bild festzuhalten oder auch nur zu beobachten.

Blick in die Mönchbruch-Landschaft (Foto: Oliver Stör)

Für Foto-Liebhaber bietet der Mönchbruch unglaublich interessante Motive, denn Schwarzmilane, Eisvögel, Waldohreulen, Reiher und Störche bewegen sich in dem weitläufigen Gelände, sogar Kanadagänse mit Küken sind hier zu Hause. Erlen, Wassergräben, alte Eichen und Sumpfwald prägen das Bild der Landschaft. Als ich an diesem schönen Tag im Frühling den Weg entlang wandere, erlebe ich als nur stiller Beobachter immer wieder diese einzigartige Vielfalt.

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Zehn Spronser Wasserpfützen

Im Grunde genommen sind es ja nur Pfützen, aber zusammen doch eine beeindruckende Gruppe von zehn Gewässern: Das sind die Spronser Seen nordwestlich von Meran in Südtirol gelegen, und zugleich die bedeutendste und größte hochalpinen Seeplatte Europas. In einer Höhe zwischen 2100 und 2500 Metern befindet sie sich im Herzen der Texelgruppe, dem südlichen Teil Ötztaler Alpen.

Der Langsee ist die größte „Pfütze“ der Seenplatte (Foto: © MGM/Alex Filz)

In dieser Höhe gibt es reichlich Schnee im Winter und manchmal finden sich selbst im Hochsommer noch Reste der weißen Pracht an den Ufern, was ein wahrer Glücksfall für das im Tal liegende Meran ist, werden doch die Kurstadt und einige der umliegenden Gemeinden von hier aus mit Trinkwasser versorgt.

Interessante Wandertouren gehen an den Seen vorbei und sind ein abenteuerliches Erlebnis, wobei Schwindelfreiheit und Trittsicherheit Voraussetzung sind, geht es gelegentlich doch auch über haarige Pfade und Kanten, die mit Stahlseilen gesichert sind. Diese Bergtour erfordert auf jeden Fall Ausdauer und Durchhaltevermögen, ist sie doch mit rund neun Stunden Auf- und Abstieg (einschließlich Rast) kein Pappenstiel. Weniger Geübte sollten das berücksichtigen.

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Mit der Linie 5 zum Prater

Nein, ich rede hier nicht – wie ja vielleicht zu erwarten wäre – von den bedeutenden Sehenswürdigkeiten der Stadt; die lasse ich heute eher links liegen, habe ich sie doch im Wiener Zentrum zum größten Teil auf Schusters Rappen erkundet. Die Alte Hofburg ebenso wie das Rathaus, natürlich das weltberühmte Burgtheater, die Spanische Hofreitschule, die Staatsoper, das Parlamentsgebäude ebenso wie den Stephansdom. Das legendäre Hotel Sacher habe ich auch nur von außen besichtigt, eine Übernachtung verbietet sich (für mich) aus einleuchtenden, pekuniären Gründen.

Die Wiener Straßenbahnlinie 5 (Foto: Clipdealer)

Wien, Wien, nur du allein… Alles Wichtige ist abgehakt, wie es sich für einen Stadtfremden gehört, und nebenbei den Fiakern bei ihren Rundfahrten mit den Touristen zugeschaut. Auch jener östlichen Teil der Mariahilfer Straße, die vom Westbahnhof in die belebte Innenstadt führt, ist gründlich „erforscht”. Laut Wiener Tourismusbranche ist dieser „Boulevard der Superlative”, in dem sich Geschäft an Geschäft reiht, die Einkaufsstraße Nr. 1 der österreichischen Metropole. Na, ja! Klappern gehört für die Werbeleute auch hier zum Handwerk…

Im Café Westend, einem jener typischen alten Wiener Cafés, habe ich eine Melange bestellt, aber beim Trinken dieses cappuccino-ähnlichen Milchkaffees wohl nicht jene Gelassenheit gezeigt, die ein Kaffeehausbesucher in Wien an den Tag zu legen hat. „Nur nicht so hektisch, der Herr…!” Die Eile hat indessen ihren Grund, möchte ich doch noch in den Prater, denn dort „blühn wieder die Bäume”, wie schon vor Ewigkeiten Robert Stolz komponierte. Der Tag ist schön, wie komme ich also am schnellsten hin?

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Nürnberger Spezialitäten

Nürnberg, die fränkische Metropole mit ihrem mittelalterlichem Charme, glänzt nicht nur mit der Kaiserburg als Touristenattraktion, sondern hat auch noch viel anderes zu bieten. Kulinarisch gesehen sind die Rostbratwürstchen im Weck ebenso beliebt wie zur Weihnachtszeit die schmackhaften Lebkuchen samt Christstollen auf dem Christkindlesmarkt.

Die Kaiserburg in Nürnberg ist eine touristische Attraktion. (Foto: Clipdealer)

Einige bekannte Spielzeug-Manufakturen peppen das Image der Stadt auf, das wegen der Vergangenheit mit den „Rassegesetzen” und diversen Nazi-Massenaufmärschen auf dem  „Reichsparteitagsgelände” lange Zeit schwer angeschlagen war. Mit einem Dokumentationszentrum und informativen Führungen wird dieser Teil einer unrühmlichen Stadtgeschichte intensiv aufgearbeitet.

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Törggelen beim Bergbauern

Urlaub in der Nähe von Meran. Heute ein Wandertag. Wir fahren mit dem Sessellift von Algund nach Vellau, 900 Meter Höhe. Anstiege, Abstiege, ausgiebige Spaziergänge, am Nachmittag über den Saxner-Weg talwärts. Der Magen knurrt, am Wegesrand ein großer Bergbauernhof mit dem einladenden Schild: „Heute Törggelen!”.

Kastanien sind beim Törgellen unverzichtbar. (Foto: Clipdealer)

Auf der engen Terrasse knarrende Dielen und rustikale Holzbänke. Wir bestellen und genießen – von strahlender Sonne beschienen – einladend aussehende Köstlichkeiten. Ein leichter, frischer Rotwein, ein herzhaft schmeckendes Stück Speck, geröstete Esskastanien. „Guten Appetit!” sagt der Mann, der uns bedient hat. Danke. Es mundet eine halbe Stunde lang.

Das also ist Törggelen. Weinverkostung mit kräftigen Zutaten. Beim Bezahlen erklärt uns der Mann, wohl der Bauer selbst, was er zum Törggelen alles anbietet:

„Süßen oder jungen Wein, dazu Schlutzkrapfen, Kaminwurzen oder Speck. Manchmal serviere ich auch eine Schlachtplatte mit Knödel und Sauerkraut. Geröstete Kastanien gehören auf jeden Fall dazu. Als Nachtisch biete ich meinen Gästen meist und je nach Wunsch Bauernkrapfen mit Marillen-, Mohn- oder Kastanienfüllung an.”

Im realen Gespräch bezeichnet der Mann den Süßen natürlich als Siaßen, den neuen Wein als Nuier, die Kastanien als Ketschn. Wieder was gelernt. Später im Hotel will ich mehr über das Törggelen erfahren, das vor allem im Etschtal, Vinschgau, an der Südlichen Weinstrasse und im Eisacktal gepflegt wird.

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Dorf der Heidschnucken

Von Hermann Löns (1866-1914) will ich hier garnicht erst reden, ist mir der Journalist und Schriftsteller wegen seiner übertrieben national angehauchten Heimatdichterei rund um die Lüneburger Heide und seiner politischen Vereinnahmung durch die Nazis doch eher suspekt. Doch abgesehen von Löns ist ein Besuch bei den Heidschnucken gleichwohl lohnenswert. Dazu braucht es nicht die schmalzig-triefenden Filmschnulzen aus den Fünfziger Jahren wie etwa „Rot ist die Liebe” (1956, mit Dieter Borsche, Barbara Rütting, Cornell Borchers) oder „Grün ist die Heide” (1951, mit Sonja Ziemann, Rudolf Prack).

Ein typisches Bild aus der Lüneburger Heide. (Foto: Clipdealer).

Bei einer Reise nach Ratzeburg ergab sich vor einiger Zeit die Möglichkeit, die Heidelandschaften zu erkunden, die Heidschnucken bei „ihrer Arbeit” zu beobachten, und einige Orte kennenzulernen, die sich aus pekuniären Grunden ganz und gar dem Tourismus zugewandt haben.

Wir verlassen die Autobahn Nr. 7 nach Hamburg an der Anschlusstelle Egestorf und erreichen nach nur zwei Kilometern die gleichnamige Gemeinde, wo wir in der Lüttringhausener Straße auf den „Egestorfer Hof” stoßen, in dem wir für zwei Tage Quartier beziehen.

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Sensationsfahrt zum Gardasee

Italien gilt vielen Deutschen als Traum- oder Sehnsuchtsland. Besonders nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges stieg anfangs der Fünfziger Jahre die Reiselust in den „Stiefel” sprunghaft an. Dementsprechend wurden die ersten interessanten Urlaubsreisen angeboten. Am 3. Juni 1950 offerierte zum Beispiel das „Bayerische Reise – und Verkehrsbüro” in einer Annonce den Lesern der “Frankfurter Rundschau” unter dem Titel „Die große Reise-Sensation” eine „Großfahrt im Super-Luxus-Autobus” nach Tirol und Großglockner sowie anschließend auch nach Venedig und an den Gardasee. Kostenpunkt für die zwölftägige Tour: 286.50 Deutsche Mark. Was aus heutiger Sicht preisgünstig erscheint, war für die damalige Zeit ganz schön happig, denn noch Ende der Vierziger Jahre bildeten Reisen für die 1949 zu Bundesbürgern gewordenen Westdeutschen eher die Ausnahme.

Das Klischee vom Spaghetti-Land… (Foto: Swift Publisher)

Das durch die Währungsreform 1948 knapp gewordene Geld konnte zunächst nur selten in einen Urlaub gesteckt werden, waren doch die durch den Zweiten Weltkrieg geschlagenen Wunden immer noch deutlich spürbar. Erst im Sommer 1950 konnten sich viele Menschen wieder eine kleine Auszeit gönnen. Oberbayern, Allgäu, die Bodensee-Region und der Schwarzwald sowie Badeorte an Nord- und Ostsee waren die bevorzugten Ziele. Als ab dem 1. Juli das Reisen erleichtert wurde, weil für die Grenzpassagen nur noch ein Pass benötigt wurde, – zuvor war eine Ausreisegenehmigung erforderlich gewesen – eröffnete sich am Horizont auch für die Reisebranche ein neuer Markt: das Ausland!

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