Mit der Gornergratbahn in den siebten Himmel

Nach einigen Tagen Anwesenheit in der Walliser Gemeinde Zermatt stellt sich allen Gästen die Frage, ob sie mit der Zahnradbahn auf den Gornergrat fahren sollen, um von dort einen Blick in die schweizerisch-italienische Bergwelt zu werfen. Wer sich sich dazu entschließt – und das tun fast alle –, sollte auf beständiges Wetter und gute Sicht achten. Außerdem ist ein Platz auf der rechten Waggonseite der Gornergrat-Bahn „Pflicht“, denn von dort lässt sich das Prachtexemplar „Matterhorn“ aus wechselnden Perspektiven am besten betrachten.

Anfangs rollt die Bahn zwischen Kiefern und Lärchen aufwärts. Die Fahrt führt über offene Flächen, schmale Brücken, durch Galerien und Tunnels. Die Augen erblicken kleine Bergseen, Steinschluchten und Wiesen. Wenn die Baumgrenze in etwa 2400 Meter Höhe passiert ist, wird es felsig, Vegetation ist kaum noch vorhanden, kahle Abschnitte überwiegen.  Im Winter ist alles mit dichtem Schnee bedeckt. 

Die Gleise und Strommasten sind der Natur angepasst. Haltepunkte gibt es an Findelbach, Riffelalp, Riffelberg und Rotenboden, Die 9,4 Kilometer lange Strecke wird in 33 Minuten  bewältigt. Die maximale Steigung der Trasse beträgt 20 Prozent. Von Zermatt (1605 Meter) bis zum Gornergrat (3089 Meter) werden 1484 Höhenmeter überwunden, dann wird der höchste im Freien angelegte Bahnhof Europas erreicht.

Hotel Kulm, Sternwarte und Matterhorn im Winter. (Foto: Imago Images/Robert Harding)

Nach der Ankunft am Gornergrat fällt sofort das wuchtige „Kulm“ ins Auge, höchst gelegenes Hotel der Schweizer Alpen. Festgemauert und eher an eine Kaserne erinnernd, bieten Restaurant, Terrasse, Shopping-Meile und integrierte Sternwarte reichlich Abwechslung. Die nahe Aussichtsplattform bietet einen wundervollen Blick in die Bergwelt. Doch Vorsicht. Die Höhenluft ist dünn. Ein unter Bluthochdruck leidender Mitfahrer wird gleich mit Nasenbluten bestraft, aber die fantastischen Sicht auf 29 Bergriesen, allesamt über 4.000 Meter hoch, lässt er sich nicht nehmen. 

Das Panorama ist von einmaliger Schönheit. Gefühlt ist es der „siebte Himmel“. Das Matterhorn scheint zum Greifen nahe; der Blick auf das Monte Rosa-Massiv mit der 4.634 Meter hohen Dufourspitze, dem höchsten Berg der Schweiz, erzeugt Demut gegenüber der Natur. Ebenso beeindruckend der Liskamm (4527 m), Castor (4228 m), Pollux (4092 m), Breithorn (4164 m) und die vielen anderen Bergriesen.

Blick vom Gornergrat in die winterliche Bergwelt. (Foto: A. Rochau/stock.adobe.com)

Ein Viertausender reiht sich an den anderen. Dazwischen die kunstvolle Welt der Gletscher. In der Multimedialen Erlebniswelt „Zooom the Matterhorn“ lässt sich mit dreidimensionalen Brillen sogar über das Matterhorn „fliegen“.

Noch zu D-Mark-Zeiten fuhr ich zum Gornergrat hinauf, erinnere mich allerdings nicht mehr daran, was ich damals zahlte. Aber als ich 2022 bei einer Recherche die Preisliste der „Gornergrat-Bahn AG“ sah, dachte ich an einen Irrtum. Selbst wenn man sich vor Augen führt, dass die private Gornergratbahn AG hohe Betriebskosten hat, verursacht die aufgerufene Summe Magenschmerzen.

126 Schweizer Franken (in etwa identisch mit dem Euro) kostet im Sommer eine Einzelticket für Hin-und Rückfahrt. Zu anderen Jahreszeiten ist die Fahrt günstiger, aber immer noch teuer genug. Ermässigungen gibt es für Kinder oder Gruppenfahrten.

Happige Preise für die Fahrten zum Gornergrat. (Grafik: Signale)

Alleinreisende brauchen auf jeden Fall einen gut gefüllten Geldbeutel und viel Enthusiasmus, um ihre eigenen finanzielle Skrupel beiseite zu schieben. Als Möglichkeit bietet sich an, nur eine Hinfahrt zum Gornergrat zu buchen und von dort wieder per pedes abzusteigen. Das halbiert den aufgerufenen Preis.

ZUSATZINFORMATION: Die höchste im Freien existierende  Zahnradbahn Europas ist jeden Tag in Betrieb und gilt als nachhaltig, weil mit Hilfe eines Rückkoppelungssystems Strom gewonnen wird. Mit diesem Verfahren wird bei drei Talfahrten die Energie für eine bis zwei Bergfahrten erzeugt.