Fluch von König Laurin verleiht dem Rosengarten goldenen Glanz

Ein Märchen erzählt vom Südtiroler Zwergenkönig Laurin, und warum die Berge in der Dämmerung zu „glühen“ scheinen. Ein unvollständiger Fluch des kleinen Mannes soll die Ursache sein.

Wer in Südtirol Urlaub macht, wird fast immer und irgendwo mit dem Blick auf Dolomiten-Gipfel verwöhnt. Auch vom Ritten-Hochplateau oberhalb von Bozen gibt es faszinierende Ausblicke auf das Latemar-Gebiet, Rosengarten und Schlern. Und wenn auch noch altertümliche Sagen eine Rolle spielen, wird aus dem reinen Naturschauspiel ein „märchenhafter” Erlebnistag.

Vom Ritten schauen wir über Bolzano und das Eisacktal. In südlicher Richtung erblicken wir den Rosengarten, der in der hereinbrechenden Abenddämmerung matt- bis feuerrot schimmert. Faszinierendes Alpenglühen, das von den „Lichtspielen“ bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang hervorgerufen wird. Die Berge wirken bei geeigneten Wetterverhältnissen wie eine Leinwand, auf der das natürliche Abendrot seine Farben wiedergibt. Eine schlichte Erklärung, doch Wahrheiten dieser Art sind bei weitem nicht so auf- und anregend wie geheimnisumwitterte  Sagen, die sich um solche wundersamen Erscheinungen ranken.

Das Märchen über den Zwergenkönig Laurin ist zum Beispiel eines der schönsten, das man sich ausdenken kann, auch wenn es für den „Helden” tragisch endet. Erzählt wird dabei von König Laurin, der als Herrscher eines Zwergenvolkes in den Bergen nach Erzen und Edelsteinen schürfen lässt, und außer Reichtum auch über einen Kraftgürtel und eine Tarnkappe verfügt, die ihm Macht und Anerkennung verschaffen. Laurins größter Schatz ist indessen der Rosengarten vor seinem prachtvollen Palast. Als der benachbarte König aus dem Etschtal seine Tochter Similde vermählen will, lädt er die Adeligen der Umgebung ein, nur König Laurin ist ihm nicht würdig genug, um an der Brautschau teilzunehmen. 

Der Rosengarten bei hellem Tageslicht. (Foto: Oliver Stör)

Diese Missachtung entrüstet Laurin über alle Maßen, und er beschließt, mit Hilfe seiner Tarnkappe als unsichtbarer Gast um Simhilde zu werben. Nachdem er sich unversehens in die schmucke Königstochter verliebt hat, aber doch ein Ausgeschlossener im erlauchten Kreis der Adligen bleibt, entführt er Similde kurz entschlossen in sein Zwergenreich. Die gedemütigten Ritter aber schwingen sich flugs auf ihre Pferde und verfolgen Laurin bis in seinem Rosengarten, wo es zum erbitterten Kampf kommt, wobei Laurin sich seinen Kraftgürtel um den Leib schnürt –, doch vergebens, die Gegnerschaft ist zu übermächtig. Laurin ist verloren, obwohl er sich noch vor der drohenden Niederlage seine Tarnkappe aufsetzt, um unerkannt zu entkommen. An der Bewegung der Rosensträucher erkennen die Ritter indessen seinen Aufenthalt und überwältigen ihn ohne Erbarmen. 

Als Laurin abgeführt und von seinen Bezwingern auch noch verhöhnt wird, ergreift ihn unbändiger Zorn und er verflucht seine geliebten Rosen, die ihn so schnöde im Stich gelassen haben. Kein Auge soll diesen Garten jemals wieder erblicken, so brüllt Laurin, weder bei Tag noch bei Nacht! Laurin aber vergisst in seinem Zorn, die Dämmerung in seinen Fluch mit einzubinden, so dass der Rosengarten bis auf den heutigen Tag bei Sonnenauf- und -untergang den Menschen in strahlend-rötlichem Gewande erscheint.

Doch ob nun die Sage von Laurin, oder die profane Wahrheit über das Alpenglühen: Die Schauspiele, die sich dem Betrachter beim Blick auf den Rosengarten, auf Latemar oder Schlern bieten, bleiben ein Erlebnis der besonderen Art.

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