Denkmal der roten Fahnen

Vor dem Bürgerhaus Mörfelden fällt dem Besucher eine rote Stahlskulptur auf, die an die Errichtung des Volkshauses 1930 erinnert. Sie stellt im Wind flatternde Fahnen dar und wurde von dem Darmstädter Künstler Gerhard Schweizer gestaltet. Als ich dieser Tage eine Veranstaltung im Bürgerhaus besuchte, fiel mir wieder einmal dieses mächtige Denkmal ins Auge.

Das Denkmal vor dem Bürgerhaus in Mörfelden. (Foto: Erich Stör)

Professor Schweizer hatte das Ehrenmal 2007 im Auftrag der Kommune zur Erinnerung an die Erbauer kreiert, nachdem fünf Jahre zuvor die örtliche Fraktion der DKP/Offene Liste in der Stadtverordneten-Versammlung den Antrag gestellt hatte, ein solches Denkmal zu errichten. Es soll an die Arbeiter, Bauern und Handwerker aus Mörfelden erinnern, die  Ende der Zwanziger Jahre in mehrjähriger, freiwilliger Arbeit das Volkshaus erbaut hatten.

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Ein Reporter, ein Schlosser und der Spionagefall Alfred Redl

Der Spionagefall Alfred Redl erschütterte im Jahr 1913 die österreich-ungarische Monarchie. Der Verrat sollte erst vertuscht werden, doch der in späteren Jahren als „Rasender Reporter“ weltberühmt gewordene Egon Erwin Kisch – damals noch ein „Jungspund“ – machte den Fall öffentlich. Der junge Reporter und ein Schlosser spielten bei der folgenden Aufdeckung des Vertuschungsversuchs durch die Militärkaste eine wichtige Rolle.

Das Ferstel-Palais in Wien, durch dessen Passage Redl zunächst flüchtete. (Foto: Clipdealer)

Ein hochrangiger Offizier betreibt Spionage und erschiesst sich nach seiner Enttarnung, seine Vorgesetzten vertuschen den Verrat, ein Fußballspieler lässt seine Mannschaft im Stich und ein Reporter zieht daraus seine Schlüsse – Ingredienzen eines spannenden Spionagedramas. Der Fall des bekannten Generalstabschefs Alfred Redl, der am 24. Mai 1913 als Spion entlarvt wurde und sich auf massiven Druck der Obrigkeit noch in der Nacht Im damaligen Hotel Klomser in der Herrengasse 19 in Wien in der Nähe des berühmten Ferstel-Palais – durch dessen Passage er zunächst geflohen war – erschoss, ist schon einige Male verfilmt worden, meist etwas schlampig wie auch in dem Streifen „Spionage”, der gelegentlich immer mal wieder im TV zu sehen ist. Weiterlesen

Repressionen gegen Koppel

Trotz ihrer permanent und stolz zur Schau getragenen demokratischen Grundordnung ist die bundesdeutsche Geschichte reich an politischen Repressionen gegen Andersdenkende – wie Berufsverbote in den Siebziger Jahren oder auch verweigerte Bundesbürgschaften belegen. Schon in der Adenauer-Ära gab es diese Repressionen. 1951 geriet zum Beispiel der Hamburger Filmproduzent Walter Koppel ins Visier des Bonner Innenministeriums und wurde dabei an den Rand des Ruins getrieben. Ein skandalöser Vorgang, der ein bezeichnendes Licht auf die politischen Repressionen jener Zeit wirft.

Walter Koppels Antrag auf Bundesbürgschaft wurde abgelehnt. (Foto: Clipdealer/Verlag Unucka)

Hintergrund: Zwischen 1951 und 1955 konnten deutsche Filmemacher Ausfallbürgschaften des Bundes beantragen, um gegen eventuell auftretende finanzielle Verluste gewappnet zu sein. Diese Bürgschaften sollen dazu dienen, die filmkulturelle Entwicklung in Deutschland anzuschieben, sie sind jedoch – wie am Fall von Walter Koppel zu sehen ist – von der Adenauer-Regierung gegen missliebige Personen missbraucht worden.

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Am 50. Grad nördlicher Breite

Längen- und Breitengrade ziehen sich rund um die Erde: das Gitternetz, dass für die Navigation unerlässlich ist, bleibt für den Normalbürger unsichtbar, hat aber jenseits der Koordinaten für die Wissenschaftler und die Anwender vielfältige Bedeutung. Kurioserweise sogar für den Weinanbau. Jeder, der vom Stadtteil Walldorf ins nahe gelegene Mörfelden fährt (oder umgekehrt), passiert an der Bushaltestelle Vitrollesring ein kleines Hinweisschild, das den Bewohnern und Besuchern der Stadt erzählt, das just an dieser Stelle der „50. Grad nördlicher Breite” verläuft – tausendfach wird dieser Breitengrad täglich von den Menschen zu Fuß, im Bus oder Auto gequert, ohne das er bewusst bemerkt wird.

Der Hinweis auf den 50. Breitengrad ist im Bürgersteig eingelassen. (Foto: Erich Stör)

Das ist kein Wunder, denn die imaginäre Linie des Breitengrades ist weder sicht-noch spürbar, obwohl der ganze Erdball von der Gitternetz-Einteilung der 180 Breiten- und 360 Längengrade überzogen ist. Für die Luft- und Seefahrt ist die geographische Fixierung der Erde in  Längen- und Breitengrade enorm wichtig. Immerhin hat in Zeiten von GPS, Glosnass und Geocaching ein immer größer werdender Kreis von Interessenten gelernt, mit Koordinaten umzugehen. Und nur der Vollständigkeit halber sei hier angemerkt, dass bei automobilen Orientierungsfahrten bereits in den 60er Jahren Koordinatenpunkte gesucht werden mussten.

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Hans Ruesch schreibt Romane über Rennfahrer und Eskimos

Hans Ruesch, Schweizer Schriftsteller, beschrieb aus eigenem Erleben das aufregende Leben von Autorennfahrern, erhielt viel Lob für einen Roman über Eskimos und widmete sich in seine späten Lebensjahren dem Kampf gegen die Pharma-Industrie. Es ist ja immer wieder faszinierend, in den Bücherregalen auf einen Roman zu stoßen, von dem man in längst vergangenen Tagen höchst gefesselt war. Beim Aufräumen im Keller fand ich dieser Tage das Taschenbuch mit dem Titel „Rennfahrer” von Hans Ruesch – eine dicht geschriebene Erzählung aus der schillernden und hektischen Welt der Autorennfahrer.

Der Schweizer Hans Ruesch schrieb einige bemerkenswerte Romane. (Foto: Swift Publisher/Signale)

Der in Neapel geborene Schweizer Ruesch war selbst Rennfahrer, nahm an über einhundert Wettbewerben teil, gewann 27 Rennen (darunter 13 Bergrennen) sowie die Großen Preise von Finnland, Bukarest und Donington. Als junger Mann hatte er zwei Automobil-Weltrekorde aufgestellt und sich auch als Bobfahrer für die Schweiz betätigt. Seine Gegner hatten klangvolle Namen, zu ihnen zählten Legenden wie Rudolf Caracciola, Achille Varzi, Tazio Nuvolari, Bernd Rosemeyer, Manfred von Brauchitsch, Hans Stuck, Guiseppe Farina – allesamt Männer, die zu ihrer Zeit Automobilsport auf höchsten Niveau betrieben und in den Annalen des Rennsports an vorderster Stelle stehen.

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Landessender Beromünster funkt auf Mittelwelle 531

Radio Beromünster, ein Schweizer Landessender, spielte im Zweiten Weltkrieg als neutrale  und unabhängige Stimme eine wichtige Rolle. Ein Rückblick in eine vergangene Rundfunkwelt, die heute mit modernsten Mitteln der Digitalisierung fortgeführt wird. Eine Ausstellung betagter Radios in Kelsterbach bei Frankfurt am Main – verbunden mit einer großen Sammlerbörse – weckte in diesen Tagen bei mir Erinnerungen an die Frühzeit des Rundfunks, als man das Gefühl hatte, mit den „Dampfradios” ferne und fremde Welten erkunden zu können. Die leuchtenden Skalen mit berühmten Städten wie Tokio, Rom, London, Moskau, Paris oder New York waren damals schon aufregend genug, aber auch Namen wie etwa Sottens, Kalundborg, Bari, Hörby, Hilversum, Sundsvall, Daventry, Monte Ceneri und Beromünster faszinierten.

Sendemast (Symbolfoto: Swift Publisher)

Und dieses Beromünster ist eine Legende! Den Schweizer Landessender hörte ich selbst erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg, und da war mir noch nicht bewußt, welche Rolle er in den Jahren zuvor gespielt hatte. Das erfuhr ich erst später, als ich mich etwas genauer über die Geschichte der Station informierte. Im Kanton Luzern war 1931 der Betrieb aufgenommen worden. Der Sender galt in der deutschsprachigen Schweiz schnell als Synonym für „guten Rundfunk“ schlechthin. Zuverlässige Nachrichten und interessante Kultur- und Unterhaltungsangebote waren das Kernstück. Das redaktionelle Bemühen um Qualität war stets spürbar. Bald wurde dem Sender jedoch ungewollt eine außergewöhnliche Rolle zuteil.

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Remarque sorgt für Aufsehen

Großes Aufsehen erregt 1928 der Anti-Kriegsroman Im Westen nichts Neues. Die in der berühmten Vossischen Zeitung  (Berlin) abgedruckte Fortsetzungsgeschichte stammt aus der Feder des noch jungen Schriftstellers Erich Maria Remarque und beschreibt in nüchternen, aber klaren Worten die brutalen Schrecken des Ersten Weltkrieges und die damit verbundenen Leiden der Soldaten.

Das Feuer des Ersten Weltkriegs. (Montage: Swift Publisher)

Über 100 Jahre sind vergangen, seit dieser Krieg angezettelt wurde. In Publikationen wird immer wieder die Formulierung vom „Ausbruch” des Weltkrieges verwendet, doch das ist nur eine Verschleierung. Kriege brechen nicht einfach aus wie ein brodelnder Vulkan oder eine Grippe – gewissermaßen als ein unabwendbares „Naturereignis”, gegen das die Menschen machtlos wären. Kriege sind vielmehr schon immer von Menschen gemacht worden, äussere Anlässe – wie etwas das Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914 – werden nur benutzt, um die Kriegsmaschinerie in Gang zu setzen.

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Im Dorf der Heidschnucken

Lüneburger Heide! Eine Landschaft, die geprägt wird von Heidekraut und Heidschnucken. Letztere sorgen mit ihren „Knabbereien“ für den Erhalt der Landschaft. Das Dorf Undeloh ist für die vielen Touristen eine ganz besondere Attraktion. Viele Aspekte spielen in den kargen Heidelandschaften eine Rolle. Von Hermann Löns (1866-1914) will ich hier gar nicht erst reden, ist mir der Journalist und Schriftsteller wegen seiner übertrieben national angehauchten Heimatdichterei rund um die Lüneburger Heide und seiner politischen Vereinnahmung durch die Nazis doch eher suspekt.

Heidelandschaft in der Lüneburger Heide. (Foto: Clipdealer)

Doch abgesehen von Löns ist ein Besuch bei den Heidschnucken gleichwohl lohnenswert. Dazu braucht es nicht die schmalzig-triefenden Filmschnulzen aus den Fünfziger Jahren wie etwa „Rot ist die Liebe” (1956, mit Dieter Borsche, Barbara Rütting, Cornell Borchers) oder „Grün ist die Heide” (1951, mit Sonja Ziemann, Rudolf Prack).

Bei einer Reise nach Ratzeburg ergab sich vor einiger Zeit die Möglichkeit, die Heidelandschaften zu erkunden, die Heidschnucken bei „ihrer Arbeit” zu beobachten, und einige Orte kennenzulernen, die sich aus pekuniären Gründen ganz und gar dem Tourismus zugewandt haben.

Wir verlassen die Autobahn Nr. 7 nach Hamburg an der Anschlusstelle Egestorf und erreichen nach nur zwei Kilometern die gleichnamige Gemeinde, wo wir in der Lüttringhausener Straße auf den „Egestorfer Hof” stoßen, in dem wir für zwei Tage Quartier beziehen.

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Luxusreise ins Spaghetti-Land

Italien gilt vielen Deutschen als Traum- oder wenigstens Sehnsuchtsland. Nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges stieg anfangs der Fünfziger Jahre die Reiselust in den „Stiefel” sprunghaft an. Deshalb wurden schon bald die ersten interessanten Urlaubsreisen angeboten. Am 3. Juni 1950 offerierte zum Beispiel das „Bayerische Reise – und Verkehrsbüro” in einer Annonce den Lesern der “Frankfurter Rundschau” unter dem Titel „Die große Reise-Sensation” eine exklusive „Großfahrt im Super-Luxus-Autobus” nach Tirol und Großglockner sowie anschließend nach Venedig und an den Gardasee.  Kostenpunkt für die zwölftägige Tour: 286.50 Deutsche Mark. Was aus heutiger Sicht preisgünstig erscheint, war für die damalige Zeit ganz schön happig, denn noch Ende der Vierziger Jahre bildeten Reisen für die 1949 zu Bundesbürgern gewordenen Westdeutschen eher die Ausnahme.

Ein lecker aussehender Teller mit Spaghetti. (Foto: Swift Publisher)

Das durch die Währungsreform 1948 knapp gewordene Geld konnte zunächst nur selten in einen Urlaub gesteckt werden, waren doch die durch den Zweiten Weltkrieg geschlagenen Wunden immer noch deutlich spürbar. Erst im Sommer 1950 konnten sich viele Menschen wieder eine kleine Auszeit gönnen. Oberbayern, Allgäu, die Bodensee-Region und der Schwarzwald sowie Badeorte an Nord- und Ostsee waren die bevorzugten Ziele. Als ab dem 1. Juli das Reisen erleichtert wurde, weil für die Grenzpassagen nur noch ein Pass benötigt wurde, – zuvor war eine Ausreisegenehmigung erforderlich gewesen – eröffnete sich am Horizont auch für die Reisebranche ein neuer Markt: das Ausland!

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Erster deutscher Nachkriegsfilm handelt von Schuld und Sühne

Die Mörder sind unter uns – dieser erste deutsche Spielfilm nach dem Zweiten Weltkrieg stammt von Wolfgang Staudte, wurde von der DEFA gedreht und am 15. Oktober 1946 im sowjetisch besetzten Sektor von Berlin im Admiralspalast uraufgeführt. Das Drama um Schuld und Sühne war und ist auch heute noch – 70 Jahre später – politisch aktuell und begründete den Weltruhm von Hildegard Knef, die in ihrem fünften Film erstmals als Hauptdarstellerin eingesetzt wurde.

Hildegard Knef und Wolfgang Borchert. (Foto: Filmverlag Christian Unucka)

Lange hat sich die Legende gehalten, dieser Film sei im Westen Deutschlands in den Nachkriegsjahren nicht gezeigt worden. Korrekt ist jedoch, dass der Streifen in der französischen Zone bereits im April 1947 in Baden-Baden und danach im Mai auch in Ludwigshafen gezeigt wurde, sogar zwei Monate vor den Starts in der britischen und amerikanischen Zone (darunter auch in Frankfurt).

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An der Südtiroler Weinstraße

Schmackhafte Köstlichkeiten aus der Küche sind immer inbegriffen, wenn die „Südtiroler Weinstraße“ vor den Toren der Stadt Bozen erkundet wird. Dabei lässt die Natur mit ihren eindrucksvollen Wandermöglichkeiten geradezu leuchten, und das besonders im September und natürlich im „Goldenen Oktober”, wenn unter (meist) strahlend blauem Himmel die Äpfel und Trauben geerntet werden.

Weintrauben an der Südtiroler Weinstraße. (Foto: Erich Stör)

Der Landstrich zieht sich von Nals bis nach Salurn durch Überetsch und Unterland. Wir kommen von Meran, passieren die Gemeinden Andrian und Eppan, erreichen schließlich Kaltern und danach bald Tramin. Wer am Kalterer See wandert – nebenbei der wärmste See der Alpen –, oder mit dem Auto die schmalen Straßen befährt, wird an den Hängen und unter Lauben neben Apfelsorten vor allem immer wieder viele dunkelblaue Weintrauben an den Pergeln reifen sehen – nicht nur dort übrigens, sondern an vielen anderen Orten auch. Weiterlesen

Straße des Sonnenuntergangs

Billy Wilder war einer der vielseitigsten Regisseure in der amerikanischen Traumfabrik Hollywood. Einer seiner großen Filme war Sunset Boulevard (deutscher Titel: Boulevard der Dämmerung aus dem Jahr 1950, der gelegentlich im Fernsehen zu sehen ist. Der Titel kann sinngemäß auch als „Prachtstraße des Sonnenuntergangs” interpretiert werden.

Dämmerung für eine alternde Filmdiva am Hollywood-Boulevard. (Symbolfoto: Clipdealer)

Der Schwarz-Weiß-Film entlarvt in schonungslosen Bildern das glamouröse Image der mächtigen Hollywood-Konzerne, ist aber letztes Endes doch auch wieder selbst nur ein Produkt dieser im Film bloßgestellten „Traumfabrik”. Die Tragödie um einen alternden Stummfilmstar spielte insofern eine besondere Rolle im Schaffen Wilders, weil erstmals ein zutiefst kritischer Blick auf die Gnadenlosigkeit der Traumfabrik geworfen wurde, ohne jedoch Konsequenzen auszulösen.

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Wallace unter Zelluloidschustern

Der Londoner „Big Ben“ war meistens dabei, als Anfang der 60er Jahre eine Welle von meist sehr kuriosen Filmen nach Vorlagen des britischen Krimi-Schreibers Edgar Wallace in die bundesdeutschen Lichtspielhäuser schwappten. Und die Kino-Kassen klingelten kräftig. Es würde zu weit führen, hier alle Streifen aufzulisten, die in den 60er Jahren gedreht wurden. Neben den Klassikern „Der Zinker” oder „Der Hexer” klingen manche Buch- und späteren Filmtitel allerdings sehr anregend: „Der Frosch mit der Maske”, „Die Bande des Schreckens”, „Die toten Augen von London”, „Das Geheimnis der gelben Narzissen”, „Das Rätsel der roten Orchidee” oder „Die Tür mit den sieben Schlössern”. Das hat was!

Der „Big Ben“ ist wie für einen Wallace-Film gemacht. (Foto: Oliver Stör)

Es gibt – trotz Arthur Conan Doyle, Agatha Christie und vielen anderen – wohl kaum einen ernsthaften Zweifel daran, dass Edgar Horatio Wallace als der berühmteste britische Kriminalschriftsteller in die Geschichte eingehen wird. Wallace lieferte mit seinen Vorlagen auch den Stoff für eine in Deutschland hergestellten Serie von Fließband-Krimis.

Es ist überliefert, dass der am 1. April 1875 geborene und im Februar 1932 verstorbene Vielschreiber Wallace keine literarischen Ambitionen verfolgte, sondern seine Arbeit nur als lukratives Mittel zum täglichen Broterwerb ansah. Denn Geld brauchte Wallace ständig; als notorischer Spieler befand er sich meist in finanziellen Nöten, zumal er oft genug gerade erworbene Pfunde in vollen Zügen ausgab. Gezwungenermaßen musste der britische Autor beträchtliche quantitative Leistungen beim Schreiben erbringen, was der Qualität seiner Bücher eine gewisse Beliebigkeit gab.

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Grinsekuh in der Skulpturenstadt

Mörfelden-Walldorf, eine Doppelstadt nahe des Frankfurter Flughafens, hat sich in den vergangenen Jahren einen außerordentlich guten Ruf als „Stadt der Skulpturen” erworben. In jedem Jahr gibt es im August im Bürgerpark eine interessante Ausstellung. Vor einigen Jahren gefiel einer der Veranstaltungen besonders die grinsende Kuh Marsha, geschaffen von der Frankfurter Künstlerin Pia Grambart.

Marsha, die freche Kuh der Frankfurter Künstlerin Pia Grambart. (Foto: Erich Stör)

Außerdem sind in jüngster Vergangenheit in den beiden Ortsteilen schon über 30 verschiedene Werke namhafter Künstler aufgestellt worden – auch mehrere Verkehrskreisel wurden mit Skulpturen bestückt. Einige Kunstwerke in der Stadt sind Leihgaben von jenen Künstlern, die bei der Veranstaltung „Skulpturen im Park” ausstellten. Andere wurden von der Gemeinde im Anschluss an diese alljährliche Freiluft-Ausstellung günstig erworben oder „geleast”.

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Goethe turtelt mit Frau Willemer

Johann Wolfgang Goethe hielt sich 1815 mehrere Monate in Frankfurt in der Gerbermühle und am Mühlberg auf. Dabei entwickelte sich zwischen dem Dichterfürsten und der Bankiersgattin Marianne Willemer eine lange geheim gehaltene, tiefe Zuneigung.  Frankfurter Mädchen und Buben erfuhren in den Schulen den Dichter aus dem Großen Hirschgraben gewiss viel mehr als etwa gleichaltrige Münchener. Denn Johann Wolfgang war in der Stadt überall präsent: dabei hatte er tatsächlich nur die ersten 26 Jahre seines Lebens in Frankfurt am Main verbracht. Von späteren Kurzbesuchen abgesehen war sein Lebensmittelpunkt Weimar.

Das renovierte Willemer-Häuschen in Frankfurt am Main. (Foto: Erich Stör)

Wer außerdem aus dem südlichen Stadtteil Sachsenhausen kam, wurde (und wird) allerdings noch häufiger als andere mit Goethe konfrontiert, denn am gleichnamigen Berg gibt es den hölzernen Goetheturm, der allerdings erst 1931 errichtet wurde, den kleinen Hügel Goetheruh’  – ob der Dichter hier wirklich verweilte, ist nicht belegt – , und natürlich am Mühlberg das Willemer-Häuschen, in dem sich der Herr Geheimrat auch mit der Bankiersfamilie Willemer getroffen hat. Die Zeit in diesem klassizistischen Gartenhaus behielt Goethe immer in guter Erinnerung, sprach sogar von den „schönsten Stunden seines Lebens”. 

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Herzöge verordnen giftfreies Bier

Wer heutzutage durch die Getränkeabteilung eines Supermarkts schlendert, wird förmlich erschlagen von der Vielzahl der dort feilgebotenen Biere. Doch das Angebot umfasst nur einen Bruchteil der vorhandenen Sorten, denn insgesamt wird die Anzahl allein der deutschen Biere auf rund 5000 veranschlagt. Obwohl in Deutschland gebrautes Bier nur drei Zutaten plus Hefe enthalten darf, nämlich Wasser, Hopfen und Malz aus Gerste oder Weizen, ist diese Vielfalt sehr beachtenswert. Sie kommt vor allem zustande, weil neben der fachlichen Kompetenz des Braumeisters die Qualität des Wassers und die verwendeten Hopfensorten eine entscheidende Rolle spielen. Heutzutage reift aus den vier vorgegebenen Ingredienzen Bier von hoher Qualität. Das war freilich nicht immer so.

Zwei kühle „Blonde“ bitte… (Fotos: Erich Stör/Swift Publisher)

Vor über 500 Jahren, am 23. April 1516, sahen sich die bayerischen Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. in Ingolstadt jedenfalls veranlasst, dem Wildwuchs beim Brauen mit einem so genannten „Reinheitsgebot“ Einhalt zu gebieten. Weil allenthalben kräftig gepanscht wurde, schwebte so mancher passionierte Biertrinker in Lebensgefahr, ohne es auch nur zu ahnen.

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