Durch Torremonilos zur „weißen Stadt“ Mijas an der Costa del Sol

Mijas ist einer der vielen „weißen Städte” im südlichen Andalusien, einer bezaubernden Region zwischen Sevilla und Malaga. In der Nähe liegt der Badeort Torremonilos an der Costa del Sol.

Mit der bei Deutschen so beliebten Insel Mallorca samt Ballermann kann der Autor nicht dienen, aber vielleicht tut es ja auch die „weiße Stadt” Mijas an der Costa del Sol im oft als märchenhaft schön beschriebenen Andalusien. Tief im Süden Spaniens, dort, wo sich Strände kilometerlang hinziehen, ist noch Vorsaison, gleichwohl scheint die Sonne schon wärmend vom blauen Himmel. Beruflich habe ich in Malaga zu tun, vor dem Landeanflug habe ich die noch schneebedeckten Berge der Sierra Nevada erblickt, ehe der Flieger sanft auf der Piste des Flughafens aufsetzt. 

Der Arbeitsbesuch in Malaga bietet mir Gelegenheit, eines der vielen „weißen Dörfer” Südspaniens zu besuchen. Mijas, nur 30 Kilometer entfernt vom Airport, liegt im Mittel rund 425 Meter über dem Meer: Die eigenständige Kommune besteht aus den vier Ortschaften Mijas Pueblo (Dorf am Berg), La Cala de Mijas (Dorf am Meer), Las Lagunas (Vorstadt bei Fuengirola) und Mijas Costa (Stadt an der Bucht).

Auf dem Weg nach Mijas lasse ich mich im Taxi durch Torremolinos fahren, den vielleicht bekanntesten Badeort Europas. Mit seinen unschön und hoch gewachsenen Bettenburgen erinnert kaum noch etwas an das ursprüngliche Fischerdorf, das einst hier Charakter und Charme versprüht haben soll. Neben der Erholung wird am Strand von Torremolinos jedoch der Begriff „Freiheit” groß geschrieben. Der Badeort – Teil der gleichnamigen, größeren Stadt  – hat in dieser Hinsicht schließlich einen Ruf zu verlieren. 

Kinder von Torremonilos

Nicht erst seit der us-amerikanische Schriftsteller James A. Michener 1971 seinen Roman „Die Kinder von Torremonilos“ veröffentlichte, war der in den Fünfziger und Sechziger Jahren (noch unter dem Franco-Regime) aus dem Boden gestampfte Urlaubsort zur Heimat von Aussteigern, Künstlern und Hippies geworden, was in gemäßigter und anderer Form heute noch gilt. 

Immer noch zieht es junge Menschen aus aller Welt nach Torremonilos, um dort ein Leben zu führen, das nicht durch bürgerliche Konventionen eingeengt oder beeinflusst wird. Deshalb ist der Badeort inzwischen auch längst zur Heimat von Schwulen und Lesben vieler Länder geworden, während die Urlaubsreisenden meist aus Nordeuropa kommen.

Straßenszene im Zentrum von Mijas. (Foto: Clipdealer)

Nach der Taxi-Stippvisite Torremonilos freue ich mich auf die „weiße Stadt” Mijas, einer wahren Perle im Süden Andalusiens, nicht direkt an der Sonnenküste liegend, aber doch zum Greifen nahe. Das Zentrum von Mijas (Mijas Pueblo) liegt am Fuß des gleichnamigen Berges. Vom Aussichtspunkt Compás ist das Mittelmeer besonders gut zu sehen, wobei der Blick über einen Golfplatz hinweg auf das blau schimmernde Wasser gleitet. Es ist einer der spektakulärsten Aussichten auf die Costa de Sol. An klaren Tagen soll man sogar bis nach Marokko sehen können, was mir allerdings nicht vergönnt ist… 

Blumenschmuck

Eine Erkundung der Stadt nimmt wohl jeden Besucher gefangen. So auch mich. Die malerischen Gassen sind kleine Schönheiten, was den unzähligen mit Blumen geschmückten, weiß gekalkten Häusern zu danken ist, die der strahlenden Sonne widerstehen müssen. Mit ihren liebevoll hergerichteten Innenhöfen und den roten Ziegeldächern sind sie Zeugen ihrer maurischen Vergangenheit. Wer mag, kann sich vor dem Tourismusbüro ein „Esel-Taxi” mieten, um selbst darauf zu reiten oder sich von den bunt geschmückten Grautieren mit kleinen Wägelchen durch die Gassen und Straßen kutschieren zu lassen, vorbei am historischen Bauwerken und schönen Parkanlagen. 

Eine der schönen Straßen in Mijas. (Foto: Clipdealer)

Die Entscheidung, auf die Dienste der müde wirkenden Tiere zu verzichten, fällt mir leicht, und so mache mich auf Schusters Rappen auf den Weg. Es gibt so viel zu sehen, so viel zu erzählen. Auch dass es in Mijas noch eine kleine Stierkampfarena gibt, die trotz einiger verbaler Scharmützeln mit Tierschützern gelegentlich noch benutzt wird. Im Tourismusbüro ist mir außerdem das „Museum der Miniaturen” als die kurioseste Ausstellung der Welt ans Herz gelegt worden. 

Es ist  tatsächlich frappierend, was an winzigen Skulpturen zu sehen ist, wenn man scharfe Adleraugen hat oder eine Lupe benutzt. Auf einem Stecknadelkopf sehe ich das Porträt des ersten US-Präsidenten, Abraham Lincoln; Leonardo da Vincis „Abendmahl” findet sich auf einem Reiskorn, das Gemälde “El Cristo de San Juan de la Cruz” von Salvatore Dalí ziert eine Reisszwecke.

Häuser mit Blumen geschmückt. (Foto: stock.adobe.com/Raquel Pedrosa)

Abgesehen von solchen Spezialitäten sind reichlich Restaurants, Bars oder Cafés vorhanden, in denen vielerlei andalusischen Spezialitäten verzehrt werden können. Die Flamenco Show, die immer mittwochs auf dem Plaza Virgen de la Peña geboten wird, kann ich allerdings nicht geniessen, da ich an einem Freitag in dem Städtchen bin. Nach den Mauren, einem nordafrikanischen Berbervolk, haben in Mijas schon Griechen, Römer und Phönizier gelebt. Sie alle haben in diesem beschaulichen Ort Spuren hinterlassen. 

Vor allem die maurische Wohn- und Baukultur prägt das Bild der Stadt. Heute sind es neben den einheimischen Spaniern vor allem Engländer, Skandinavier und auch Deutsche, die sich vermehrt in Mijas niederlassen oder Ferienwohnungen kaufen. Es muss sich also offenbar lohnen, länger als einen Tag in dieser „weißen Stadt” zu sein…