Nürnberger Lebkuchen, gebadet in Honig und tausend Gewürzen

In der Zeit vor Weihnachten werden überall im Land Lebkuchen aus Nürnberger Betrieben angeboten. Das schmackhafte Gebäck verspricht den Menschen außerordentliche Gaumenfreuden.

Wenn ich im Oktober oder im November in Supermärkten einkaufe, haben Lebkuchen aller Art Einzug gehalten in die Regale. Aha, denke ich, Weihnachten steht vor der Tür, und schon alleine des feinen Gebäckes wegen, freue ich mich, auch wenn man am tieferen Sinn des Festes seine berechtigten Zweifel haben mag. Doch die feinen Spezialitäten, vor allem aus den Nürnberger Fabriken, drängen solche ketzerischen Gedanken in den Hintergrund.

Und nicht nur in den großen Ladenketten locken mit den Gebäcken. Auch im Internet oder per normaler Briefpost flattern die Angebote ins Haus. Eine bekannte Firma schickt mir gar einen Katalog mit Abbildungen voller Köstlichkeiten, wundervoll verpackt in hübschen Truhen und Dosen mit Alt-Nürnberger Motiven, verlockend gestaltet von namhaften Künstlern und Designern. Was Lebkuchen so schmackhaft macht, sind die Zutaten. Außer dem üblichen Honig, Sirup und Mehl sind meist Hasel- und Walnüsse in Lebkuchen verarbeitet, weitere Zutaten aller Art runden das Bild ab. Wegen der gefühlt tausend Gewürzarten – darunter Anis, Fenchel, Muskat, Nelken, Zimt und andere – kräftigt der Genuss auch noch Magen und Darm, fördert die Verdauung und stärkt außerdem die Nerven.

Weniger Kalorien

Ein relativ erfreulicher Aspekt macht das Gebäck noch angenehmer. Im Gegensatz zu anderen Kuchenarten, hüftaufbauenden Torten und vielen Kekssorten haben Lebkuchen weniger Kalorien (im Schnitt etwa 300 bis 400 pro 100 Gramm), was nicht heisst, sie bedenkenlos zu verzehren. Weniger ist auch hier mehr, schließlich geht es um Gaumenfreuden und nicht um Sättigung oder Völlerei.

Lebkuchen-Herzen auf allen Jahrmärkten im Angebot. (Foto: Clipdealer)

Obwohl Lebkuchen also hauptsächlich in der Weihnachtszeit verkauft werden, sind sie – auch wegen ihrer Haltbarkeit – das ganze Jahr über im Angebot. Insbesondere auf Volksfesten und Jahrmärkten aller Art sind sie zu finden, und jeder von uns kennt bestimmt die Riesen-Lebkuchen mit den eher unwitzigen Aufschriften wie: „Du bist mein größter Hit”, „Ich bin total verrückt nach Dir” oder der eher schlichten Mitteilung „Alles Gute zum Geburtstag”. Das freilich ist nur Massenware, die in manchen Wohnzimmer „altert”. und mit der Nürnberger Lebkuchenwelt so gut wie gar nichts zu tun hat. Kirmes-Lebkuchen sind ohnehin eher als sinnloses Geschenk als zum Verzehr geeignet.

Geschütztes Gebäck

Qualität dagegen kommt vor allem aus Nürnberg. Zwar gibt es im ganzen Land Betriebe, die Lebkuchen produzieren. Doch die „Nürnberger” sind seit 1996 als „geographische Angabe” geschützt. Nach EU-Recht dürfen dem zufolge nur solche Waren als „Nürnberger Lebkuchen“ verkauft werden, die tatsächlich auf dem Gebiet der fränkischen Großstadt hergestellt worden sind. Ich will in diesem Zusammenhang für niemanden Werbung betreiben, aber die Chronistenpflicht macht es manchmal doch notwendig, die Dinge beim Namen zu nennen – ohne jede Wertung versteht sich.

Bekannteste Lebkuchen-Bäckereien in Nürnberg sind laut Wikipedia-Enzyklopädie die Lambertz-Gruppe mit den Marken Haeberlein-Metzger, Weiss und Wolff sowie die alteingesessene Firma Lebkuchen-Schmidt mit ihren „Schmidt” oder „Wicklein”-Produkten. Die Firma Schuhmann produziert auch für Supermärkte. Die Hersteller vertreiben ihre Produkte freilich nicht nur in eigenen Fachgeschäften in Nürnberg, sondern auch über Online-Handel und Katalog-Angebote.

Auch einige kleinere Betriebe wie die Gebrüder Frauenholz, Peter Eckstein und die Burg-Bäckerei Düll stellen schmackhafte Lebkuchen her. Sie liegen im Preis etwas über den Fließbandprodukten, aber es ist auch Handarbeit… Und so etwas ist zu spüren in der Nürnberger Lebkuchenwelt.

 

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