Tausend Meilen in alten Kisten

Aus dem legendären Straßenrennen „Mille Miglia“ wurde nach dem Verbot im Jahr 1957 eine Oldtimer-Rallye, die immer noch über 1000 Meilen von Brescia nach Rom und zurück führt. Im Gegensatz zu früher ist nicht Geschwindigkeit, sondern nur noch Gleichmäßigkeit gefragt. Stoppuhren sind die wichtigsten Helfer.

Karawane der Mille Miglia 2014 in der Toskana. (Foto: Clipdealer)

Mitte Mai, Brescia, Italien. Menschen schlendern durch die meist sonnigen Straßen, in den Cafés herrscht reges Treiben, die Stadt ist überfüllt, es ist wieder einmal Mille Miglia-Zeit. Auf Hochglanz polierte Rennwagen, die alle im Originalzustand sein müssen und einst an den höchst gefährlichen Straßenrennen über 1000 Meilen in den Jahren zwischen 1932 und 1957 teilgenommen haben müssen, sind zu bewundern, wenn die historische Oldtimer-Parade, die Fans mit der Zunge schnalzen lässt: Oh ja, Bella Macchina!

Bevor die Teilnehmer zur ersten Etappe aufbrechen, gibt es den ganzen Tag über „Fachgespräche” an allen Ecken und Plätzen… Der Start der „Historic Mille Miglia” ist für Italien jedes Jahr noch immer ein grosses Ereignis, fast so ähnlich wie zu jener Zeit, als es noch im halsbrecherischen Tempo über Stock und Stein ging, dem Wahnsinn nahe und das im wahrsten Sinne des Wortes. In den Fünfziger Jahren wurde immer unverantwortlicher, ein solches Spektakel auf öffentlichen Straßen und in einem Höllentempo auszufahren.

Rekord von Moss

1955 hatte der Engländer Stirling Moss die Strecke in nur 10 Stunden, sieben Minuten und 48 Sekunden zurückgelegt, was neben fahrerischen Können auch auf bessere Straßen und schnellere Autos zurück zu führen war. Unfälle häuften sich, es gab Todesstürze. Doch das Drama ereignete sich zwei Jahre später und in einem Zeitungsbericht hieß es:

„Der spanische Marquis Alfonso de Portaga verlor, nachdem der Reifen seines Wagens geplatzt war, bei etwa 250 km/h die Herrschaft über seinen Ferrari, der Wagen brach nach links aus, riss einen Kilometerstein und einen Telegrafenmast um, prallte über die Straße zurück und in die gedrängt stehenden Zuschauer. Zwölf Tote waren zu beklagen: neben dem spanischen Rennfahrer und seinem Co-Piloten Eddie Nelson weitere zehn Zuschauer, darunter fünf Kinder.“

Piero Taruffi, einer der großen italienische Rennfahrer jener Zeit, der diese Schreckens-Mille im Alter von bereits 52 Jahren gewonnen hatte, trat nach dem Sieg unter dem Eindruck des schrecklichen Dramas zurück, fünf Tage nach dem Unglück verbot die Regierung alle Straßenrennen in Italien.

Stoppuhren sind das Maß der Dinge bei der Mille Miglia. (Foto: Swift Publisher)

Zwanzig Jahre später wurde der Wettbewerb wieder aufgenommen. Jedoch nur noch als Oldtimer-Show, bei der es mehr um die Präsentation alter Automobile ging. Die Sieger werden seitdem nicht mehr nach Bestzeit ermittelt, sondern bei Gleichmäßigkeitsprüfungen der gemächlichen Art. Stoppuhren sind das Maß der Dinge. Geblieben ist freilich bis heute der unverwechselbare Charakter dieser Fahrt, bei sich nah wie vor Hunderttausende an der Strecke für die historischen Fahrzeuge begeistern. Das wird immer wieder so sein im Mai, wenn es durch die malerischen Landschaften Italiens geht.

Reizvolle Landschaften

Die Etappen führen 2018 vom 16.  bis 19. Mai durch einige der schönsten Regionen Italiens. Die Strecke wird von Seen, Bergen und dem Meer geprägt. Nach dem Start in Brescia wird bei Sirmione der Gardasee passiert.  Die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Städte Mantua und Ferrara (an die Adriaküste) werden ebenfalls durchfahren. Weiter geht es über die Hafenstadt Pesaro nach San Marino, der „kleinsten Republik der Welt”.  Arezzo und Cortona in der Toskana, sowie Orvieto (Umbrien) leiten die Fahrer nach Rom. Zurück geht es über Siena und Lucca nach Parma in der Region Emilia Romagna. Die Lombardei mit der Bischofsstadt Lodi und dem Autodrom Monza steht zum Schluss auf dem Etappenplan, ehe es über Bergamo zurück nach Brescia geht.