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Mille Miglia: Oldtimer rollen „Tausend Meilen“ durch Italien

Aus dem Straßenrennen „Mille Miglia“ wurde nach schwerem Unglück und dem Verbot von 1957 eine Oldtimer-Rallye, bei der nur die Stoppuhren regieren. Die Begeisterung ist geblieben.

Es gibt sie immer noch: Die „Mille Miglia“ in Italien. Aus dem legendären Straßenrennen von einst wurde nach dem Verbot im Jahr 1957 allerdings eine Oldtimer-Rallye, die zwar wie früher über 1000 Meilen von Brescia nach Rom und zurück führt, aber nicht mehr durch rasende Geschwindigkeit, sondern Gleichmäßigkeit geprägt wird. Stoppuhren sind zu den wichtigsten Hilfsmitteln dieser Motorsport-Ikone geworden. Gleichwohl ist „Historic Mille Miglia” noch immer ein grosses Ereignis, fast so ähnlich wie zu jener Zeit, als es noch im halsbrecherischen Tempo über Stock und Stein ging, dem Wahnsinn nahe und das im wahrsten Sinne des Wortes. In den Fünfziger Jahren wurde es immer unverantwortlicher, ein solches Spektakel auf öffentlichen Straßen auszufahren. Es war unvermeidbar, dass nach einem schweren Unfall mit zwölf Toten das Rennen 1957 von der Regierung gestoppt wurde.

Mitte Mai in Brescia. Menschen schlendern durch die Straßen, in den Cafés herrscht reges Treiben, die Stadt ist überfüllt, es ist wieder einmal Mille Miglia-Zeit. Die auf Hochglanz polierten uralten Rennwagen müssen einige Anforderungen erfüllen, um zum Wettbewerb zugelassen zu werden. Die wichtigste Regel schreibt vor, dass die Automobile im Originalzustand sein und zwischen 1932 und 1957 an dem Straßenrennen teilgenommen haben müssen. Es sind also tatsächlich „Oldtimer“, die da durch Italien gondeln. Die Besitzer sind entweder gut betuchte Menschen, was in Medien gelegentlich zu der Bezeichnung „Millionärsrallye“ geführt hat, oder die Fahrzeuge stammen aus Automobil-Museen und werden prominenten Zeitgenossen zur Verfügung gestellt.

Die Karawane der Mille Miglia im Jahr 2014 in der Toskana. (Foto: Clipdealer)

Wie auch immer. Von den begeisterten Zuschauern werden die „Altertümer“ gebührend bewundert und die Fans schnalzen mit der Zunge, wenn sie diese Parade sehen: Oh ja, Bella Macchina! Den ganzen Tag werden „Fachgespräche” an allen Ecken und Plätzen geführt. Dabei geht es auch um die historischen Ereignisse von einst…

Rekord von Moss

1955 hatte der Engländer Stirling Moss die 1000 Meilen in nur 10 Stunden, sieben Minuten und 48 Sekunden zurückgelegt, was neben fahrerischen Können auch auf bessere Straßen und schnellere Autos zurück zu führen war. Unfälle häuften sich jedoch, es gab Todesfälle. Doch das Drama ereignete sich zwei Jahre später und in einem zeitgenössischen Zeitungsbericht hieß es:

„Der spanische Marquis Alfonso de Portaga verlor, nachdem der Reifen seines Wagens geplatzt war, bei etwa 250 km/h die Herrschaft über seinen Ferrari, der Wagen brach nach links aus, riss Kilometersteine und einen Telegrafenmast um, prallte über die Straße zurück und in die Zuschauer. Zwölf Tote waren zu beklagen: neben dem spanischen Rennfahrer und seinem Co-Piloten Nelson weitere zehn Zuschauer, darunter fünf Kinder.“

Piero Taruffi, einer der großen italienische Rennfahrer jener Zeit, der diese Schreckens-Mille im Alter von bereits 52 Jahren gewonnen hatte, trat nach dem Sieg unter dem Eindruck des Dramas zurück, fünf Tage nach dem Unglück verbot die Regierung alle Straßenrennen in Italien.

Stoppuhren sind heutzutage das Maß der Dinge. (Foto: SP)

Zwanzig Jahre später wurde der Wettbewerb wieder aufgenommen. Jedoch nur noch als Oldtimer-Show, bei der es mehr um die Präsentation alter Automobile ging. Die Sieger werden nicht mehr nach Bestzeit, sondern bei Gleichmäßigkeitsprüfungen der eher gemächlichen Art ermittelt. Geblieben ist freilich bis heute der unverwechselbare Charakter dieser Fahrt, bei sich nach wie vor Hunderttausende für die historischen Fahrzeuge begeistern. Das wird immer wieder so sein im Mai (oder auch einmal coronabedingt im Oktober) wenn es durch die malerischen Landschaften Italiens geht.