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Geschichtsbuch Kinemathek

Das „Metro im Schwan“ zeigt den ersten Cinemascope-Film

Als die Cinemascope-Filme nach Deutschland kamen: Erinnerungen an das Frankfurter Lichtspielhaus „Metro im Schwan” und die Aufführung des Monumentalfilms „Das Gewand” 1953.

Als ich dieser Tage im Steinweg 12, nahe der Frankfurter Hauptwache, in das Bücher-Kaufhaus Hugendubel ging, erinnerte ich mich daran, dass an dieser Stelle einst eines der größten Frankfurter Lichtspielhäuser unterhaltsame Filme abspielte: Das Metro im Schwan (früher: Ufa im Schwan). Wiedereröffnet wurde das Kino mit 1200 Plätzen nach der totalen Zerstörung durch die schweren Bombenangriffe im März 1944 am 21. Dezember 1949 mit dem Unterhaltungsfilm „Die Reise nach Marrakesch”. Wie üblich zu dieser Zeit waren prominente Künstler anwesend, darunter Peter Frankenfeld und Heinz Erhardt. Die musikalische Untermalung lieferte das Tanzorchester Willi Berking. Fast auf den Tag genau 40 Jahre später schloss 1989 diese Frankfurter Kino-Institution für immer ihre Türen.

Das Metro spielte viele interessante Streifen, manchmal auch weniger Gelungenes.  Eine ganz außergewöhnliche Attraktion aber war ab 4. Dezember 1953 die deutsche Uraufführung des Monumentalschinkens „Das Gewand” (Originaltitel: „The Robe”).

Dieser Film der 20th Century-Fox mit Richard Burton, Victor Mature und Jean Simmons wurde erstmals in Deutschland in Cinemascope gezeigt, ein Breitwand-Verfahren, das es mit relativ einfachen Mitteln möglich machte, eine ganz neue Dimension des Filme-Geniessens zu ermöglichen. 

Erster Film in Cinemascope. (Foto: Filmverlag Unucka/Signale):

Sowohl bei Aufnahme als auch bei Wiedergabe des Films wurden spezielle Objektive vor Kamera und Vorführmaschine gesetzt. Die Bilder wurden bei der Aufnahme auf normalem 35-Millimeter-Film „gestaucht” und bei der Wiedergabe entzerrt. Dieses so genannte „anamorphotische Verfahren”, entwickelt von Henri Chretien, bewahrte nicht nur die Filmproduzenten, sondern auch die Kinobesitzer vor der Anschaffung neuer und teurer Maschinen. Leinwände und Tonanlagen der Kinos mussten allerdings angepasst werden. Das Publikum war begeistert vom breiten Bild und dem Hörerlebnis.

Historisches Gebäude 

Das Geschäftsgebäude, in dem schon 1920 ein Kino eingerichtet worden war (U. T., später UFA im Schwan) und das im März 1944 zerstört worden war, hatte einen interessanten historischen Hintergrund, den die Reporterin Margot Felsch in der Tageszeitung „Frankfurter Rundschau” bei der Eröffnung des neuen Metro im Schwan im Dezember 1949 wie folgt beschrieb:

Der „Hof zum Schwanen” ist für Frankfurt historisch bedeutsamer Boden. In den Chroniken wird er bereits 1371 erwähnt.  Zu den Gästen des Hauses gehörten u.a. auch Napoleon I wie auch Blücher. Am 10. Mai 1871 wurde im Gasthof „Zum Schwan”, der Herberge Bismarcks, der „Frankfurter Friede” unterzeichnet, Gegen Ende des Ersten Weltkrieges schloss das Haus seine Pforten und wurde 1920 in ein Geschäftshaus umgewandelt.

Aus den Ruinen entstand also 1949 das prächtige Metro im Schwan. Bald nach der Eröffnung hatten die Wollenberg-Brüder noch die Kleinkunst-Kinos Bambi und Palette eingerichtet. Nach zwei Besitzerwechseln (1969: Forman, Olympia Kinobetriebe, 1978: Olympic Heinz Riech) und der Zerstückelung in Schachtelkinos wurde das einstige Prachtkino, das zwischen Mai 1973 und August 1974 wegen des S-Bahn-Baus in Frankfurt aus Sicherheitsgründen seinen Betrieb unterbrechen musste, 1989 endgültig geschlossen. Eine große Kino-Geschichte ging damit eher ruhmlos zu Ende.

Schöne Jahre

Was bleibt? Es bleibt die Erinnerung an eine Zeit, in der die so genannten Blockbuster noch nicht in der jetzigen Form existierten, aber doch schon Filme über die Leinwände flimmerten, die zu genau so großen Kassenerfolgen wurden und oft mehrere Wochen liefen. Bei der Programmauswahl wurde leichte Unterhaltung groß geschrieben. Das entsprach dem damaligen Zeitgeist, vor allem, weil die Menschen die Schrecken des Krieges und der Bombennächte schnell verdrängen wollten (und es auch taten). 

Das beginnende „Wirtschaftswunder” war ein weiterer Grund, um die Kinopaläste zu füllen, obwohl sich am Horizont bereits die Gefahren des noch in den Kinderschuhen steckenden Fernsehens abzeichneten.Als Besitzer kurbelten die Brüder Friedrich und Helmut Wollenberg in den Fünfziger Jahren mit außergewöhnlichen Ideen das Geschäft an. Sie ließen Lastwagen und Straßenbahnen mit Werbeschildern durch die Stadt fahren, um Publikum anzulocken, und machten auch auf vielfältig andere Weise Reklame für ihre Programme.

Das funktionierte gut, die Menschen strömten in den von den Architekten Alois Giefer und Hermann Mäckler weichrund gestalteten  Saal, der auch über einen großen  geschwungenen Balkon verfügte. Die Seitenwände waren mit warm wirkenden Holzplatten verkleidet, die Decke ähnelte einer Kuppel, unterhalb der Leinwand befand sich eine versenkbare Bühne, die in 40 Sekunden nach oben gehievt werden konnte und bei besonderen Anlässen einem mittleren Orchester Platz bot. Auf dieser Bühne gab auch der bekannte Don-Kosaken-Chor unter Leitung von Serge Jaroff ein Konzert.

Das Metro hatte als einziges Frankfurter Lichtspielhaus jener Jahre eine ausgeklügelte Klimaanlage, die für angenehme Atmosphäre sorgte. Wer sich eine Eintrittskarte kaufte, hatte auch im Sommer das angenehme Gefühl, in einen wohl temperierten Palast einzutreten. Friedrich Wollenberg selbst wollte das Kino „zu einem Festspielhaus des Films für die Stadt und ganz Westdeutschland machen.” (Werbebroschüre zur Eröffnung).

Interessante Filme

Das waren starke Worte. Wollenbergs Prognose erfüllte sich nur zum Teil, denn schon der Eröffnungsfilm „Die Reise nach Marrakesch” (mit Luise Ullrich und Maria Holst) bekam keine guten Kritiken, aber es gab auch zahlreiche Höhepunkte. Die Revuefilme „Die Dritte von rechts” (Vera Molnar) und „Badende Venus” (Esther Williams) mussten prolongiert werden, aber auch andere Streifen lockten viel Publikum an. Ich erinnere mich gut an einige aus den Anfangsjahren des Metro im Schwan. 

Vergilbte Anzeige des Metro vom 22. Dezember 1950. (Repro. Signale)

Bei Erstaufführungen gesehen habe ich „Hoffmanns Erzählungen” (Moira Shearer), „Ich war eine männliche Kriegsbraut” (Cary Grant), „Heidelberger Romanze” (Liselotte Pulver, O. W. Fischer), „Abenteuer im Roten Meer” (Hans Hass), „Mein Freund Harvey„ (James Stewart), „Sklavin des Herzens” (Ingrid Bergman), „Rebecca” (Joan Fontaine, Laurence Olivier). „Boulevard der Dämmerung” (Gloria Swanson, William Holden) „Hochzeitsnacht im Paradies” (Johannes Heesters), „Gabriela” (Zarah Leander) „Die Liebesabenteuer des Don Juan” (Errol Flynn), „Vulcano” (Anna Magnani), „Das Haus in Montevideo” (Heinz Rühmann, Ruth Leuwerik). 

Dort, wo alle diese Filme liefen und die Menschen für Stunden aus ihrem Alltag gerissen wurden, werden heute Bücher verkauft. Das Kino ist seit über 30 Jahren Vergangenheit: – geblieben sind nostalgische Erinnerungen, aber auch diese verwehen wie Spuren im Sand…

Quellen: Eigenes Material sowie Frankfurter Rundschau (21. Dezember 1949) und „Lebende Bilder einer Stadt – Kino und Film in Frankfurt” (Hrsg. Deutsches Filmmuseum).