Vertreibung am Reschensee

Ganz in der Nähe des Grenzübergangs zwischen Italien und Österreich liegt der Reschensee. Das künstlich angelegte Gewässer wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in recht rücksichtsloser Manier errichtet, indem Menschen enteignet und vertrieben wurden. Aus dem See ragt das alte Kirchlein St. Katharina heraus.

Das Kirchlein St. Katharina ragt aus dem Reschensee – mal mehr, mal weniger. (Foto: Clipdealer)

Alle Wege führen einer alten Redewendung zufolge nach Rom. So weit wollen wir allerdings nicht, sondern nur von Frankfurt nach Südtirol. Einige Berge der Alpen müssen wir trotzdem passieren, um unser Ziel Meran zu erreichen. Bei unserer Reise wählen wir nicht den schnelleren und bequemeren Weg via Autobahn über München, Kufstein und Brenner, sondern fahren über den Reschenpass, wobei wir auch noch die Autobahn-Maut einsparen.

Über die A 7 rollen wir von Ulm aus bis nach Füssen, passieren auf Landstraßen den Fernpass sowie die Städtchen Landeck, Pfunds und Nauders, queren dann – fast ohne es zu bemerken – die Staatsgrenze zwischen Österreich und Italien und erreichen zuerst die kleine Gemeinde Reschen und gleich darauf das etwas größere Graun. Weiterlesen

Rita Hayworth im Filmpalast

In Zeiten der übergroßen Multiplex-Kinos mit unterschiedlich großen Sälen, werden oftmals Erinnerungen wach an die palastartigen Lichtspielhäuser, die Ende der Vierziger, Anfang der Fünfziger Jahre das Bild in den Großstädten prägten. Eines dieser Häuser war der Filmpalast in Frankfurt am Main. Bedingt durch die Entbehrungen und Leiden des Zweiten Weltkrieges gab es in den drei Westzonen und in der späteren Bundesrepublik Deutschland einen Kinoboom ohnegleichen, denn die Menschen suchten Ablenkung und Unterhaltung. Die Häuser schossen wie Pilze aus dem Boden.

Viele Rita Hayworth-Filme hatten im Filmpalast Premiere. (Montage: Clipdealer/Signale)

Alteingesessene Kinobetreiber und Neueinsteiger balgten sich zu dieser Zeit um den (vermeintlich) großen Kuchen. In dieser „Goldgräber”-Atmosphäre entstand in Frankfurt am Main mit dem Filmpalast in der Großen Friedberger Straße 26-28, nur wenige Meter von der traditionsreichen Konstablerwache entfernt, das bis dahin größte Kino der Stadt: – mit sage und schreibe 1500 Plätzen.

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„Wespe“ aus der Toskana sticht in der ganzen Welt

Als die junge Schauspielerin Audrey Hepburn 1953 in der Filmromanze „Ein Herz und eine Krone” mit Gregory Peck auf einer Vespa durch die nächtlichen Straßen Roms kurvte, war dies der weltweite Durchbruch des schnuckeligen Motorrollers, der 2016 runde siebzig Jahre alt wurde. Die Vespa war im Sommer 1946 von der Firma Piaggio erstmals gebaut und zur Motorroller-Legende gemacht worden.

Glückliches Hochzeitspaar auf einem Motorroller. (Foto: Clipdealer)

Die damals in der Öffentlichkeit eher unbekannte Fabrik zwischen Pisa und Florenz hatte eine lange Vorgeschichte. 1884 hatte ein gewisser Rinaldo Piaggio im zarten Alter von nur 20 Jahren in der Toskana mit Hilfe seines Vaters ein kleines Sägewerk gegründet; das Geschäft florierte so gut, dass Piaggio seine Angebotspalette bald erweiterte. Weiterlesen

Guardiola schwört auf Ballbesitz

Pep Guardiola, katalanischer Fußballtrainer, gilt zur Zeit als Maß der Dinge im Gewerbe der Übungsleiter. Mit immerhin 22 Titelgewinnen (FC Barcelona, Bayern München, Manchester City) innerhalb von nur neun Jahren ist Pep Guardiola der erfolgreichste Trainer der Gegenwart. Es wäre indessen ein falscher Ansatz, Guardiolas Arbeit nur auf Meisterschaften, Pokalsiege und andere Erfolge zu reduzieren.

Meistertrainer Pep Guardiola. (Foto: Clipdealer)

Als der Trainer einmal nach seinen Antriebskräften gefragt wurde, berief er sich nicht auf die vielen gewonnenen Trophäen, sondern sagte:

„Mein Traum ist, mit meinen Spielern neue Ideen zu entwickeln und ganz neue Sachen auszuprobieren.”

Das klingt, und da sind wir der Wahrheit wahrscheinlich ganz nahe, nach dem Traum vom perfektem Fußball. Den wird es natürlich nie geben, weil die Unwägbarkeiten des Spiels dem entgegenstehen. Das trifft auch auf den Guardiola-Stil zu, der bei aller Faszination wegen der nicht enden wollenden Ballstafetten schnell langweilig wirkt.

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Brixener Dom mit zwei Türmen

Die Stadt Brixen (Bressanone) gilt als das religiöse Zentrum Südtirols und hat viele Sehenswürdigkeiten zu bieten. Der Dom mit seinen zwei Türmen ist besonders ansehenswert und gilt deshalb als Schmuckstück der von unzähligen Touristen besuchten Stadt an der Eisack. Wer via Brenner-Autobahn von Innsbruck nach Bozen (Bolzano) fährt, passiert Sterzing (Vipiteno) und Franzensfeste (Fortezza) und erreicht dann Brixen (Bressanone) – eine über tausendjährige Stadt, die mit dem prächtigen Dom und seinen zwei Türmen auf sich aufmerksam macht. 

Blick auf den zweitürmigen Dom in Brixen. (Foto: Clipdealer)

Bei einer Reise nach Meran ergab sich für mich die Gelegenheit zu einer Stippvisite in der alten Stadt. Nach der Abfahrt von der Autostrada gelange ich nach etwa sechs Kilometern via Staatsstraße 12 in das Stadtzentrum. Parkplatznot natürlich auch in dieser überlaufenen Stadt am Zusammenfluss von Eisack und Rienz.

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Proteste gegen Regisseur Harlan

Vor über 65 Jahren, im Frühjahr 1951, hagelte es in Frankfurt Proteste gegen den Filmregisseur Veit Harlan, der 1940 den antisemitischen Hetzfilm „Jud Süß” gedreht hatte und dessen erstes Nachkriegsmelodram („Unsterbliche Geliebte”) im Metro im Schwan gezeigt werden sollte. Die Schlagzeilen der Tageszeitung „Frankfurter Rundschau“ spiegeln das wider. Harlan – „eine der Galionsfiguren des Nazifilms“, wie der Filmhistoriker Rudolf Worschech in einem Beitrag über das Nachkriegskino vermerkt – war nach 1945 zunächst nur mit einem Berufsverbot belegt worden. Die „Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes“ (VVN) und auch die „Notgemeinschaft der durch die Nürnberger Gesetze Betroffenen“ hatten den Regisseur wegen „Verbrechens gegen die Menschlichkeit“ angezeigt, doch im April 1949 sprach ihn das Hamburger Landgericht mangels Beweises frei.

Schlagzeilen der „Frankfurter Rundschau“. (Montage: Signale)

Das Urteil wurde ein Jahr später in einer Revisionsverhandlung bestätigt; und immerhin erklärte das Gericht, der Film erfülle sowohl objektiv als auch subjektiv den Tatbestand eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit. Für Harlan war gleichwohl der Weg frei, um in sein altes Metier zurückzukehren.Als ersten Film nahm er das Melodram Unsterbliche Geliebte in Angriff und dieser Streifen sollte am 24. Februar 1951 im „Metro in Schwan” in Frankfurt anlaufen. Viele Menschen in Deutschland wollten die jüngste Vergangenheit schnell vergessen, gleichwohl gab es viele politisch Engagierte, die sich gegen das Comeback von Harlan aussprachen. Weiterlesen

Rätsel um den Sechsfachmord auf dem Einödhof Hinterkaifeck

Auf dem Einöd-Bauernhof Hinterkaifeck in der Nähe von Schrobenhausen wurden am Abend des 31. März 1922 sechs Menschen brutal ermordet, darunter waren zwei Kinder. Bis auf den heutigen Tag steckt dieses Verbrechen voller Rätsel. Obwohl es zahlreiche Verdächtige gab, konnte dieser brutale Massenmord nicht aufgeklärt werden. Eine entscheidende Rolle bei der Nichtaufklärung dürfte gespielt haben, dass viele der technischen Hilfsmittel fehlten, die heute zum täglichen Handwerkszeug der Polizei gehören.

Scheune auf dem Land (Symbolfoto: Swift Publisher)

Die Mordopfer waren der 63 Jahre Bauer Andreas Gruber, seine Ehefrau Cäzilia Gruber, die 35 Jahre alte verwitwete Tochter Viktoria Gabriel, deren Kinder Cäzilia (sieben Jahre alt) und Josef (zweieinhalb Jahre alt) sowie die ledige Dienstmagd Maria Baumgartner, die gerade erst ihren Dienst angetreten hatte.

Über den Fall und die Hintergründe der Morde gibt es zahlreiche Spekulationen und Veröffentlichungen. Inzwischen hat sich die Meinung verfestigt, dass es sich keineswegs – wie anfangs vermutet – um einen Raubmord gehandelt hat, sondern persönliche Rachemotive eine Rolle spielten. Nach heutigem Verständnis wurden die Untersuchungen nicht mit letzter Konsequenz geführt.

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Gespräch mit Albert Matterstock

Eine Erinnerung an den 1960 in Hamburg verstorbenen Filmschauspieler Albert Matterstock. Der Star der 30er und 40er Jahre wurde nur 49 Jahre alt und hatte nach dem Zweiten Weltkrieg im Filmgeschäft nicht mehr Fuß fassen können. Beim Suchen nach historischen Filmprogrammen war ich bei „ebay“ auf den Titel „Drei Birken auf der Heide” gestoßen. Für 3,99 Euro wurde das dünne Heftchen aus der Reihe „Das Neue Filmprogramm” feilgeboten, der Titel weckte Gedanken an eine persönliche Begegnung mit dem Schauspieler in Frankfurt am Main.

Matterstock in „Ziel in den Wolken“. (Foto: Verlag Unucka)

Als im November  des Jahres 1956 diese fade Heimatschnulze in den Harmonie-Lichtspielen in Frankfurt-Sachsenhausen gezeigt wurde, war als Gast eben jener  Albert Matterstock anwesend, immerhin ein Top-Star des deutschen Films der Dreissiger und Vierziger Jahre, der im Nachkriegsdeutschland kaum noch auf den Besetzungslisten aufgetaucht war. Dagegen hatte der Schauspieler vor und auch während des Krieges in Berlin bei verschiedenen Gesellschaften Filme wie am Fließband abgeliefert, alleine in den Jahren 1937 bis 1939 zwölf Streifen. Die meisten wurden vom Publikum goutiert, obwohl es meistens nur Massenware gewesen war.

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Dimensionen des Weltalls

Im deutlich geschrumpften Maßstab – es ist nur ein Beispiel von vielen Möglichkeiten – kann unsere Mutter Erde nur so groß (oder klein) wie eine Apfelsine sein, was die kosmischen Dimensionen  überaus beeindruckend veranschaulicht. Der Heidelberger Wissenschaftsautor Hoimar von Ditfurth hat das in einem seiner Sachbücher  genau beschrieben. 

Blick in den fernen Weltraum. (Foto: Arttext)

Wer sich vor Augen führt, was seit dem Start von Sputnik 1 am 4. Oktober 1957 an bemannten Reisen zum Mond (oder auch im erdnahen Raum zu den Raumstationen Salut, Mir oder ISS) sowie unbemannten „Raumflügen” zu einigen Planeten durchgeführt wurde (und noch geplant ist), erliegt natürlich nur allzu leicht der Formulierung von der „Eroberung des Universums”. Doch trotz atemberaubendem Tempo in Forschung und Technik handelt es sich in der Realität bisher nur um winzige Schritte ins nahe Weltall. Selbst der zuletzt spektakuläre und wissenschaftlich beklatschte Flug der ESA-Sonde „Rosetta” zum Kometen „Tschurjumow-Gerassimenko” erscheint nur als Katzensprung, wenn die Größenverhältnisse im Universum genauer betrachtet.

Der Heidelberger Neurologe Hoimar v. Ditfurth (1921-1989) hat in seinem Buch „Kinder des Weltalls” (Hoffmann und Campe Verlag, 1970) über die enormen Entfernungen referiert und mit simplen Beispielen versucht, dem Laien die Dimensionen, um die es geht, verständlicher zu machen. Der Wissenschaftler „verkleinerte” die Himmelsobjekte im Maßstab 1:100 Millionen. Nur mit dieser „Krücke” lässt sich einigermaßen begreiflich machen, um welche Proportionen es sich in Wirklichkeit handelt.

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„Drei Kameraden“ im fiebrigen Berlin der Zwanziger Jahre

Fiebriges Berlin der Zwanziger Jahre! Schriftsteller Erich Maria Remarque beschreibt in dem beeindruckenden Roman Drei Kameraden das hektische Leben in der Hauptstadt und verbindet gesellschaftliche als auch private Ereignisse zu einem dichten Geschehen, wobei die verwirrende politische Situation in der Stadt den Hintergrund plastisch darstellt.. Remarque hat ja einige weltberühmte Bücher geschrieben. „Im Westen nichts Neues” dürfte das bekannteste sein.

Lesende Frau (Foto: Clipdealer)

Weitere Romane sind „Der Funke Leben”, der seiner von den Nazis hingerichteten Schwester Scholz gewidmet ist, sowie „Zeit zu leben und Zeit zu sterben”, „Der schwarze Obelisk”, „Liebe deinen Nächsten”, „Arc de Triomphe“, „Die Nacht von Lissabon”, „Der Himmel kennt keine Günstlinge” und „Der Weg zurück”. Doch mein Lieblingsroman ist „Drei Kameraden“, in dem von einer verlorenen Generation  erzählt wird, verbunden mit einer zartbitteren Liebesgeschichte. Weiterlesen

„Illustrierte Filmbühne“ als ein Stück deutscher Kulturgeschichte

Die „Illustrierte Filmbühne“ aus München war nach dem Zweiten Weltkrieg die bekannteste Programmreihe zur Begleitung von Filmen im Deutschland der Nachkriegszeit. Zweifellos ist die „IFB“ damit auch ein Stück deutscher Kulturgeschichte.  Programmhefte der „Illustrierten Filmbühne“ begleiteten viele Menschen über Jahrzehnte hinweg bei ihren Kinobesuchen, was einen ganz persönlichen Rückblick rechtfertigt.

Erfolgreichste Filmbühne. (Foto: © Verlag Unucka)

Der Preis für die kleinen Hefte betrug im Frühjahr 1947 „nur” 10 Pfennige, was jedoch nicht wenig war, denn ein Billett für die „Rasierstühle” in den ersten drei Reihen der Kinos war immerhin schon für 80 Pfennige zu haben. Zu vielen Filmen erwarb ich diese kleinen Illustrierten, die zu ständigen Begleitern meiner Jugend wurden. Manche dieser Hefte hob ich auf, andere warf ich weg oder sie gingen anderweitig verloren. Diese Nachlässigkeit war ein Versäumnis, das ich noch bereuen sollte, vor allem, als die „Illustrierte Filmbühne” (und andere Serien) zu begehrten Sammelobjekten wurden.

Die vier-, sechs- oder später sogar achtseitigen Programmhefte boten viele Informationen, vor allem die Fotos gaben einen recht guten Eindruck von den Filmen, obwohl die Druckqualität häufig zu wünschen übrig ließ. Die Grafiker des Verlages in München, wo der Verleger Paul Franke die Tradition des alten Berliner „Illustrierten Filmkuriers” nach dem Ende des Krieges fortsetzte, bemühten sich redlich, um mit dem von den Verleihern zur Verfügung gestellten Fotos, Inhaltsangaben und Besetzungslisten attraktive Hefte zu gestalten; gedruckt wurde überwiegend in Braun, aber auch Blau, Grün und Rot kamen zum Zug. Das lag oft einfach daran, welche Farben in der Nachkriegszeit in den beauftragten Tiefdruckereien gerade vorrätig waren. Weiterlesen

Tragödie am Matterhorn 1865

Im Jahr 1865 wurde der legendäre Bergriese Matterhorn in der Nähe der schweizerischen Gemeinde Zermatt erstmals von einer Bergsteiger-Gruppe  bezwungen. Was am 14. Juli 1865 zunächst wie ein ganz großer Triumph aussah, endete beim Abstieg mit einer Tragödie. Vier der sieben Bergsteiger verloren ihr Leben, als sie nach einem plötzlichen Seilriss in die Tiefe stürzten. Das erbitterte Wettrennen um die Erstbesteigung des Matterhorns hatte seine ersten Opfer gefordert, denen freilich noch unzählige folgen sollten. In den Jahren seit der Erstbesteigung wurden über 500 tödliche Unfälle gezählt…

Wald, Wiesen, Hütten – und der Berg! (Foto: Clipdealer)

Das Matterhorn steht in den Walliser Alpen zwischen Zermatt und Breuil-Cervinia. Die Ost-, Nord- und Westwand liegen auf schweizerischem Gebiet, die Südwand in Italien. Weil eine italienische Gruppe um den Bergführer Jean-Antoine Carrel über die italienische Seite aufzusteigen versuchte, wurde der Engländer Edward Whymper, der schon lange vom „Sieg” am Matterhorn träumte, zur überhasteten Eile angetrieben. Überhastet bildete er im schweizerischen Zermatt eine illustre Siebener-Seilschaft mit ihm selbst, dem Bergführer Michel Croz aus Chamonix, den Briten Charles Hudson, Lord Francis Douglas und Robert Hadow sowie den einheimischen Bergführern Peter Taugwalder (Vater) und Peter Taugwalder (Sohn). Weiterlesen

Hauptstadt der Filmverleiher

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Frankfurt/Main aufgrund der Teilung Deutschlands und der gespannten politischen Lage zur „Hauptstadt der Filmverleiher“.  Natürlich ist (und war) Frankfurt keine Filmmetropole im üblichen Sinne, auch wenn die imposant wirkende Hochhaus-Skyline in den modernen TV-Produktionen immer wieder als Kulisse für „Mainhattan” dient. Allerdings sind große Produktionsfirmen bis heute ebensowenig vorhanden wie Ateliers. Aber es waren die so genannten „Major Companies“ der USA, die sich hier nach dem Ende des Krieges niederließen.

In Frankfurt am Main stapelten sich bei den Verleihern Filmrollen aller Coleur… (Symbolfoto: Swift Publisher)

In den 30er Jahren waren die ausländischen Verleihfirmen in Berlin beheimatet gewesen, ehe ihnen von den Nazis 1941 die Tätigkeit untersagt wurde. Noch ehe der Krieg am 8. Mai 1945 zu Ende war, hatten die Amerikaner in den von ihnen besetzten Gebieten mit dem Aufbau „demokratischer Strukturen” begonnen; Priorität hatten neue Zeitungen und Filme, die nach Meinung der Alliierten geeignet erschienen, zur erfolgreichen „Umerziehung” der deutschen Bevölkerung beizutragen.

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Ingrid Bergman am Stromboli

Ein Fischerboot fährt die  Besatzung zur harten Arbeit, im Hintergrund ist der Vulkan Stromboli zu sehen; einsam verharrt er dort, so als hätte er nicht einst einem Drama mit Ingrid Bergman den Titel gegeben. Stromboli war ein Film, der – wie die Werbung schrieb – der Schwedin „zum Schicksal wurde“. War das wirklich so?

Der Vulkan Stromboli im Dämmerlicht. (Foto: Clipdealer)

Ganz gewiss nicht.  Dazu war ihr künstlerisches Schaffen zu umfangreich und vielfältig.  Anlässlich des 100. Geburtstages der schwedischen Schauspielerin Ingrid Bergman am 29. August  2015 gab es deshalb zahlreiche Würdigungen von Kritikern und Filmhistorikern. Auch für den Autor ein guter Grund, aus Sicht des Zuschauers einen Blick auf ihr filmisches Lebenswerk zu werfen, ihr zu applaudieren und ihr ein Dankeschön nachzurufen. Weiterlesen

Auf dem Marlinger Waalweg

Einer der schönsten und „gemütlichsten” Wanderwege in Südtirol ist nahe der Kurstadt Meran zu finden. Es ist der rund zwölf Kilometer lange Marlinger Waalweg zwischen dem kleinen Partschinser Ortsteil Töll und dem Obstanbau-Zentrum Lana. Der Blick in das obstreiche Etschtal ist für den Wanderer faszinierend. Für alle, die in dieser Gegend Urlaub machen, ist ein Spaziergang dort ein Muss. Es ist eine Route für die vielen „Otto Normalverbraucher“, die auf Schusters Rappen unterwegs sind.

Blick vom Marlinger Waalweg ins Etschtal. (Foto: MGM-Meraner Land / Frieder Blickle)

Natürlich auch für uns. Von Meran fahren wir mit dem Partschinser Bus nach Töll, einem Ortsteil von Partschins, wo die Wanderung direkt neben dem Wasserkraftwerk der Etschbetriebe beginnt. Anfangs ist der Ausblick ins Etschtal noch eher dürftig, denn der Weg ist felsig, es geht über künstliche Holzbrücken, die mit Stahlseilen an den Felswänden verankert sind, direkt darunter läuft das Wasser durch ein Rohr.

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Eigenartige Frühlingstage 1945

Die Monate zwischen März 1944 und Sommer 1946 erscheinen mir im Rückblick höchst verwirrend. Die Zeit vor und nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges wirkt in der Erinnerung eigenartig, fast seltsam. Besonders der Frühling 1945 hat im Gedächtnis Spuren hinterlassen. In Reichenborn, einen kleinen Westerwald-Dorf – heute zur Gemeinde Merenberg zählend –, erlebte ich das Ende des Krieges an schönen, lauwarmen Frühlingstagen. Der Himmel strahlte azurblau, während am Haus der Zwergschule ein Forsythien-Strauch seine gelbe Pracht entfaltete, hinter dem Hof von Bauer Riebel blühten Gänseblümchen, Sumpfdotterblumen und armenische Traubenhyazinthen.

Im Garten bei Bauer Riebel: Armenische Gartenhyazinthen. (Foto: Erich Stör)

Erinnerungen. Die Alliierten sind bereits im Sommer zuvor in der Normandie gelandet, rücken stetig vor, aber aus den Volksempfängern tönt nach den Wehrmachtsberichten vor allem reichlich Schlagermusik, so als sei die Welt durchaus noch in Ordnung – obwohl schon vor Monaten die Stadt Aachen besetzt worden ist. Kriegstage sind nicht gerade die heitersten – weder für die alteingesessenen Dorfbewohner, noch für die aus der Großstadt nach hier evakuierten Kinder und Erwachsenen, die sich nur schwer zurechtfinden im Leben der wortkargen Landleute.  Weiterlesen

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