Frecher Kavalier Errol Flynn in Filmen und Rätseln

Der Filmstar Errol Flynn „lebt weiter“, obwohl der Darsteller von Abenteurern aller Art 1959 im Alter von nur 50 Jahren gestorben ist. Auch als Tänzer und Sänger hatte er Talente. (Imago-Foto).

Fast alle Filme des Draufgängers Errol Flynn habe ich in den Frankfurter Kinos gesehen. Dass der junge Wilde von einst noch nicht vergessen ist, zeigte mir jüngst ein Blick in das Kreuzworträtsel meiner Tageszeitung, in dem innerhalb weniger Tage dreimal nach dem Vornamen des Filmstars Flynn gefragt wurde. Wer das schafft, hat wahrlich Geschichte geschrieben, wie etwa auch Deutschlands erster Reichspräsident Friedrich Ebert oder Arbeiterführer August Bebel, die mit Wladimir Iljitsch Lenin zu den „Stammgästen“ in den gedruckten Ratespielen zählen.

Errol Leslie Thompson Flynn (geboren am 20. Juni 1909 in Australien, gestorben am 14. Oktober 1950 in Kanada, Herzinfarkt) war als verwegener Darsteller in zahlreichen Western, Seeräuberdramen sowie Mantel- und Degenfilmen der Dreissiger und Vierziger Jahren zu sehen, hatte allerdings in seinen letzten Lebensjahren mit Alkoholsucht, Drogenmissbrauch und anderen diversen Erkrankungen zu kämpfen. Ein Vergewaltigungsprozess (Freispruch) und etliche Steuervergehen (Vermögensverlust) machten Schlagzeilen. In seinen besten Zeiten prägte Flynn jedoch wie kein anderer nach Douglas Fairbanks jr. das Genre der Abenteuerfilme, in denen er locker und charmant agierte. In Charakterrollen hingegen blieb er meist blass, abgesehen vom Boxer-Streifen Der freche Kavalier (Gentleman Jim). 

Wie am Fließband

Seinen Durchbruch hatte Flynn als 26-Jähriger 1935 mit Captain Blood (Unter Piratenflagge) geschafft, danach folgten allesamt bei Warner ähnliche Filme wie am Fließband. Der Prinz und der Bettelknabe, Der Verrat des Surat Khan, Günstling einer Königin, Herr des Wilden Westens, Kim – Geheimdienst in Indien, Goldschmuggel nach Virginia, San Antonio (Ein Mann der Tat), Die Liebesabenteuer des Don Juan, Gegen alle Flaggen, Der Herr der Silberminen, Der Herr der rauhen Berge, Das Schicksal der Irene Forsyte, um nur die wichtigsten zu nennen. Drei Filme von Flynn sind mir in guter Erinnerung geblieben, zumal sie zu den Klassikern Hollywoods gehören: Robin Hood, König der Vagabunden (1938), Der Herr der sieben Meere (1940) und Der freche Kavalier (1942).

Robin Hood, König der Vagabunden ist eine erfundene britische Ballade, denn die Existenz von Robin Hood und sein Feldzug für soziale Gerechtigkeit, die ihm zugeschrieben werden, sind historisch nicht belegt. Doch ist das nicht egal? Flynn erdrückt die Leinwand mit seinem Charme, begeistert sein zufriedenes Publikum, weil wenigstens im Kino alles gut ausgeht für die Unterdrückten des Landes. Mit beeindruckender Präsenz agiert Flynn auch im Seeräuber-Drama Der Herr der sieben Meere (1940), in dem es um die Beherrschung der Weltmeere durch Spanien und England geht. Ob als königlicher Kapitän, Seeräuber oder Galeeren-Sklave: Flynn bleibt Flynn in jeder Szene. 

Drei Flynn-Klassiker: (Signale-Collage von 2020 / © Filmverlag Unucka)

Der freche Kavalier  (Gentleman Jim) erzählt phantasievoll die Lebensgeschichte des Boxers James J. Corbett, der als junger Bankkaufmann von einer Karriere als Boxer träumt und Weltmeister im Schwergewicht wird, als er 1892 den seit zehn Jahre amtierenden Champion James L. Sullivan schlägt. Flynn glänzt als Corbett mit umwerfendem Charme und Chuzpe. Weil die Rolle wohl Ähnlichkeit mit seinem eigenen Leben hatte, war es seine Lieblingsrolle.

Um der jüngeren Generation die Beliebtheit Flynns als Filmstar vor Augen zu führen, erscheint mir ein Zitat aus dem Buch des Biografen George Morris (Heyne Film-Bibliothek) nützlich:

„Wenn er sich im Sherwood Forest von Baum zu Baum schwingt, wenn er im Boxring gegen John L. Sullivan antritt, verkörpert er den typischen Leinwandhelden, der einfach zu tapfer, zu mutig und zu naiv ist, um die Folgen seines Tuns abzusehen und zu begreifen. Seine Verwegenheit und seine galante Ritterlichkeit in Verbindung mit einer ironischen Respektlosigkeit, welche die meisten seiner Vorstellungen auszeichnet, sind die Hinterlassenschaft für weiteren Generationen begeisterter Filmfans.“

Das war Errol Flynn mit allen Stärken und Schwächen. Dass Flynn auch andere Talente hatte als nur zu raufen, schiessen, fechten oder den Abenteurer zu geben, bewies er in dem 1943 produzierten Streifen Thank Your Lucky Stars, einem für Warner untypischen Revuefilm, der dazu diente, den amerikanischen Truppen im Ausland moralische Unterstützung zu gewähren. Zahlreiche Warner-Stars spielten sich selbst und spendeten ihre Gagen, darunter Humphrey Bogart, Bette Davis, Olivia de Havilland, Jack Carson, Ida Lupino, Ann Sheridan, John Garfield und Alexis Smith. Errol Flynn trat mit dem Song „That’s What You Jolly well get“ von Arthur Schwartz (Text) und Frank Loesser (Komposition) auf (siehe Titelbild), und Flynns Darbietung in einem Pub zeigte seine ganze Leidenschaft für dieses Genre. Wer sich den Auftritt via Youtube aus dem Warner-Archiv anschaut, wird sehen (und hören) was ich meine.

Hollywood-Produkte

Die meisten Filme von Flynn zwischen 1935 und 1945 hatten hohen Unterhaltungswert, aber in ihrer klischeehaften Machart kaum Tiefgang. Es waren die typischen, kommerziellen Hollywood-Produkte jener Jahre; hergestellt von Warner Bros., bei denen der in einem Rollentyp gefesselte Flynn 18 Jahre unter Vertrag stand. Dort ging sein Stern auf und dort begann er auch zu verglühen…