Bruchpilot Quax mit Rühmann alias Otto Groschenbügel

Das Filmlustspiel „Quax, der Bruchpilot” ist 80 Jahre alt und aus 1941. In der Hauptrolle ist Heinz Rühmann zu sehen, der in dieser Fliegerklamotte eine seiner populärsten Rollen abliefert.

Zufällig stieß der Autor auf der Plattform eines internationalen Versandhändlers auf das Angebot, den alten Spielfilm Quax, der Bruchpilot auf DVD für knapp 37 Euro zu erwerben. Bei diesem Preis keine Option für einen Kauf, aber Grund für einen Blick zurück auf einen Streifen, der harmlos scheint, aber doch mit einer „Botschaft” daherkommt und „erzieherische Werte” auf sein Panier geschrieben hat.

Rühmann gibt den unbedarften, aber schlitzohrigen Büroangestellten Otto Groschenbügel, der bei einem Preisausschreiben eine Ausbildung zum Sportflieger gewinnt. Der undisziplinierte Bursche schafft es trotz diverser Schwierigkeiten und für seine Umwelt unerwartet, die Pilotenlizenz zu ergattern – angespornt, weil er seiner Heimatstadt und seiner heimlich Angebeteten Marianne Bredow (Karin Himboldt) imponieren will. Von den Fluglehrern werden Tugenden wie Kameradschaft und soziale Anpassung gefordert und belobigt. Solche wirft Groschenbügel nach ersten Irritationen in die Waagschale, was der Ideologie der Machtheber des „Dritten Reiches” in die Hände spielt. In der Online-Enzyklopädie Wikipedia wird das so geschildert:

„Besonderheit dieses Films ist die Hauptfigur, ein Anti-Held, anhand welchem gezeigt wird, wie durch Disziplin und Gehorsam selbst aus einem offensichtlichen Versager ein ‚deutscher Held‘ werden kann – wenn man ihn nur streng genug erzieht.” 

Der Film unterstützt die Ideologie der Machthaber auf subtile Weise, ohne den Holzhammer zu benutzen. Gleichwohl war den Alliierten Besatzungsmächten die unterschwellige Propaganda zu offensichtlich. Sie untersagten 1945 alle Kino-Aufführungen. Das änderte sich allerdings schnell. Nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde der Streifen von der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) wieder freigegeben, wie viele andere zunächst verbotene Filme aus der Nazizeit.

Zwiespältig

Schaut man sich den Film über 80 Jahre nach seiner Herstellung an, so kommt er als ein harmloser Spaß daher (FSK-Freigabe ab 6 Jahren), wer sich die Einbettung in die damaligen Machtstrukturen vor Augen führt, sieht hinter der vergnüglichen Unterhaltung allerdings den subtilen, ideologischen Ansatz.

Regisseur des Films war Kurt Hoffmann, das Drehbuch verfasste Robert A. Stemmle nach Verserzählungen von Hermann Grote, neben den Hauptdarstellern Heinz Rühmann und Karin Himboldt waren noch Lothar Firmans, Harry Liedtke, Hilde Sessak und Beppo Brem zu sehen. Kamera: Heinz von Jarworsky, Schnitt: Walter Fredersdorf, Musik: Werner Bochmann, Text zum Lied „Heimat deine Sterne”: Erich Knauf, über dessen tödliches Schicksal auf dieser Website in einem anderen Beitrag berichtet wird.

Die Karriere von Regisseur Kurt Hoffmann nahm indessen erst nach dem Krieg richtig Fahrt auf. Er war verantwortlich für zahlreiche erfolgreiche Komödien, darunter Fanfaren der Liebe, Drei Männer im Schnee, Ich denke oft an Piroschka, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull, Wir Wunderkinder und Das Wirtshaus im Spessart.

https://stoersignale.stoer.de/heimat-deine-sterne-eine-erinnerung-an-erich-knauf/