Viermal in meinem Leben wurde ich nicht nur beiläufig, sondern fast mit der Nase auf die englische Industriestadt Manchester gestossen. Das erste Mal in meinen Kinderjahren, als ich von den Eltern eine Cordhose erhielt, mit der Bemerkung, diese „Manchester-Hose“ sei so robust, das sie wohl meinen „Zerreissproben“ länger standhalten würde, als die bisherigen. Das zweite Mal, als ich 1956 in einer Kino-Wochenschau einen Filmbericht sah, in dem über den deutschen Kriegsgefangenen Bert Trautmann berichtet wurde, der nach dem Zweiten Weltkrieg in England geblieben war und gerade als Torwart von Manchester City zum Fußballer des Jahres gewählt worden war. Das dritte Mal, als ich bei einem gewerkschaftlichen Lehrgang mich längerer Zeit mit dem Begriff des „Manchester-Kapitalismus“ und seiner Schattenseiten beschäftigte, und zum vierten Mal in den vergangenen Jahren, als der Fußballclub Manchester City durch die erfolgreiche Arbeit des Trainers Pep Guardiola reihenweise Titel gewann.
Im Frühsommer 2026 ist dieser Guardiola als Teammanager des englischen Spitzenclubs zurückgetreten. In Zukunft wird er als globaler Botschafter für die City Football Group arbeiten, zu der neben den Citizens noch New York City FC und weitere internationale Klubs gehören. Der aus Katalonien stammende Spanier wurde nach seinem Abgang aus dem Trainergeschäft mit Lobeshymnen überschüttet, eine Tribüne im Stadion wird in Zukunft seinen Namen tragen. Mit Recht wie ich meine, hat er doch den englischen Klub nach seinen Stationen in Barcelona und München zu außergewöhnlichen Erfolgen geführt.
41 Titel gewonnen
Der eher intellektuell wirkende Mann mit lichtem Haar und wachen Augen, war als Trainer und Coach ein Gigant, der sein Metier beherrschte wie kein anderer. Mit 41 Titelgewinnen (FC Barcelona, Bayern München, Manchester City) steht der Katalane unangefochten an der imaginären Tabellenspitze im Ranking seiner Berufskollegen. Seine letzten Erfolge waren der Gewinn des englischen Pokals und des Ligapokals 2026. Erfolgreicher als Guardiola war bisher nur der schottische Trainer Sir Alex Ferguson, der insgesamt 49 Titel in Schottland und England gewann. Alleine mit Manchester United – noch einmal ein Bezug zu dieser Stadt – holte Ferguson 38 Trophäen, darunter zweimal die Champions League und 13 Mal die englische Meisterschaft.
Über Guardiola aber ist alles gesagt. Ob er noch einmal an die Seitenlinie zurückkehren wird, ist offen; er weiß es wohl selbst nicht genau. Ich verkneife mir auch eine Würdigung, das können (und werden) Berufenere tun, zumal ich seine Arbeit nie real kennengelernt habe und nur aus dem Fernsehen kenne. Ich beschränke mich auf eine Zusammenfassung seiner Erfolge. Sie sagen mehr als Tausende schöner Worte.
Außergewöhnliche Liste
Nationale Meistertitel: FC Barcelona (2009, 2010, 2011), FC Bayern München (2014, 2015, 2016), Manchester City (2018, 2019, 2021, 2022, 2023, 2024).
Nationale Pokalsiege: FC Barcelona (2009, 2012), FC Bayern München (2014, 2016), Manchester City (2019, 2020, 2023, 2026; plus englischer Ligapokal 2018, 2019, 2020, 2021, 2026).
Nationale Superpokale: FC Barcelona (2010, 2011, 2012), Manchester City (2019, 2020, 2025).
Internationale Titel, Champions League:, FC Barcelona (2009, 2011), Manchester City (2023). – UEFA-Supercup: FC Barcelona (2010, 2012), FC Bayern München (2014), Manchester City (2024), Klub-WM: FC Barcelona (2010, 2012), FC Bayern München (2014), Manchester City (2024).
Auch Langeweile
Guardiola war und ist ein Besessener seines Berufs, der nicht nur den reinen Erfolg sieht. Er träumt vom „perfekten Fußball“. Als Guardiola nach seinen Antriebskräften befragt wurde, berief er sich nicht auf die gewonnenen Titel, sondern sagte: „Mein Traum ist, mit meinen Spielern neue Ideen zu entwickeln und ganz neue Sachen auszuprobieren.“
Das ist ihm gewiss gelungen. Der von ihm entwickelte und geprägte Tiki-Taka-Fußball war brillant, sehenswert und bereichernd, aber oft genug auch mehr als langweilig. Diese endlosen Ballstafetten, dieses ewige Hin und Her… Da kann ehrlicher Amateurfußball manchmal spannender sein. Trotzdem: Danke Guardiola.
