Der Anfang vom Ende! Die Internationale Raumstation (ISS), deren russischer Zentralblock Sarja (Morgenröte) 1998 gestartet worden war, und die seit 2000 ständig von Menschen besetzt ist, wird bald nicht mehr um die Erde kreisen. Die Vorbereitungen für ihr Ende 2030 sind angelaufen.
Der gezielte Absturz war zunächst im Oktober 2025 in einem Absichtsprotokoll zwischen der russischen und amerikanischen Seite festgelegt worden, im Februar 2026 wurde die konkrete Ausarbeitung eines entsprechenden Programms beschlossen. Weil die NASA die Hauptlast bei Finanzierung und Infrastruktur trägt und Roskosmos für Antrieb, Lagestabilisierung und Versorgungsmodule zuständig ist, fällt in ihre Verantwortung auch die Organisation der Stationsentsorgung.

Wie soll das im Detail aussehen? 2028 wird das russische Verbindungsteil Pritschal (UM) zusammen mit einem Progress–Frachter von der Station abgekoppelt und zum Absturz gebracht. An seine Stelle treten zwei von Roskosmos zu startende Bauteile: das Universelle Verbindungsmodul (UUM) sowie das Wissenschaftlich-Energetischen Modul (NEM). Sie werden mit dem an der ISS befindlichen, noch gut erhaltenen und intakten russischen Forschungslabor Nauka verbunden. Dieser Komplex wird danach von der ISS abgetrennt und setzt den Flug als Anfangsformation der geplanten Russischen Raumstation (ROS) fort.
Die abschließende Etappe der restlichen ISS-Vernichtung fällt in die Verantwortung der USA. Dafür wird gegenwärtig das Raumschiff USDV (United States Deorbit Vehicle) entwickelt, eigens zu dem Zweck, die US-Komponenten der Station aus der Umlaufbahn zu eliminieren. Bei der Rückführung dieser Teile kommen zwei russische Progress-Raumschiffe zum Einsatz. Bis es soweit ist, werden weitere Raumfahrer und Raumfahrerinnen verschiedener Nationen noch dreieinhalb Jahre ihre Arbeit auf der Station verrichten.
Deshalb haben sowohl us-amerikanische als auch russische Spezialisten damit begonnen (Sommer 2026), alle Schlüsselsysteme in ihren Segmenten zu analysieren, damit das Ende der Station eingeleitet werden kann. Teile werden demnach in der Umlaufbahn bleiben, andere im „Raumschiff-Friedhof” im Südpazifik, 3000 Kilometer östlich von Neuseeland, „begraben”.

Oleg Kononenko, russischer Rekord-Raumflieger auf der ISS (bei fünf Aufenthalten insgesamt 1.110 Tage), Kommandeur der russischen Kosmonauten sowie Chef des „Ausbildungszentrums Juri Gagarin” („Sternenstädtchen”) bei Moskau, sagte Anfang August 2026 in einem TASS-Interview, die Mission zum Ende der ISS sei eine der wichtigsten der internationalen Raumfahrt. Die technisch, organisatorisch und juristisch beispiellose Operation zur Beendigung der Nutzung des größten von Menschenhand je geschaffenen Objektes auf der Erdumlaufbahn werde in ihrer Geschichte einen besonderen Platz einnehmen.
PINNWAND: Die ISS umkreist die Erde in 90 Minuten in einer Höhe von etwa 400 Kilometern in östlicher Richtung und ist ein gemeinsames Projekt der NASA (USA), Roskosmos (Russland), der ESA (Europa) sowie Kanadas und Japans. In Europa sind Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Norwegen, Schweden, die Schweiz, Spanien und Großbritannien beteiligt.
