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Musik

Der Donauwalzer von Strauss untermalt Odyssee im Weltraum

Eine Raumstation scheint um die Erde zu tänzeln. Der berühmte Donauwalzer von Johann Strauss (Sohn) erzeugt diesen eigenartigen Effekt im Kubrick-Film „2001 – Odyssee im Weltraum“.

Bei meinem letzten, schon länger zurück liegenden Besuch in Wien, war es angenehme Pflicht, außer den „üblichen verdächtigen” Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt wie Stephansdom, Rathaus, Hofburg, Burgtheater, Staatsoper und verschiedene Museen auch den Stadtpark aufzusuchen. Dort stehen Denkmäler von Komponisten, die in der Walzer- und Musikstadt eine wichtige Rolle gespielt haben: Franz Lehár, Franz Schubert, Anton Bruckner, Robert Stolz. In den Blick gerät beim Spaziergang allerdings in besonderem Maße die goldfarbene Bronzestatue von Johann Strauss (Sohn) – ganz nahe der U-Bahn-Station –, der als Walzerkönig von Wien vor allem durch die Operette Die Fledermaus Weltrum erlangt hat, aber auch mit seinen unzähligen anderen leichtfüßigen Kompositionen die Herzen der Menschen eroberte. 

Als ich vor seiner Statue stehe, erinnere ich mich an zwei Dinge, die mir beim Namen Johann Strauss immer wieder einfallen. Zum einen die Verwendung seiner Komposition An der schönen blauen Donau (Donauwalzer) in Stanley Kubricks Science Fiction-Klassiker 2001 – Odyssee im Weltraum, zum anderen aber auch an eine Geschichte, die sich um die Verfilmung seiner Operette Die Fledermaus gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zugetragen hatte.

Die Sache mit Kubrick

Stanley Kubrick hatte bereits einen anderen Komponisten mit der Musik zum Odyssee-Film beauftragt (Alex North), doch der eigenwillige Regisseur entschloss sich kurzfristig, auf bereits vorhandene Stücke bekannter Komponisten zurückzugreifen. So wurde Also sprach Zarathrusta von Richard Strauss am Anfang und Ende eingesetzt, als geradezu genial erwies sich jedoch der Einfall Kubricks, den Donauwalzer von Johann Strauss im Soundtrack zu verwenden. Und die Komposition passte haargenau, denn zu den Walzerklängen von Strauss scheinen Raumschiff und Raumstation im Dreivierteltakt um die Erde und durch das Weltall zu tänzeln. 

Diese Untermalung zählt zweifellos zu den Meilensteinen der Filmgeschichte. Johann Strauss hatte den Ohrwurm An der schönen blauen Donau 1866 geschrieben, im Februar 1867 war er von einem Wiener Gesangsverein erstmals aufgeführt worden, womit eine bis heute nicht enden wollende Musikgeschichte begann.

Die Sache mit der Fledermaus

Und die Fledermaus? Die feurige Operette war schon 1923, 1931, 1933 und 1937 in verschiedenen Ländern verfilmt worden. 1944 adaptierte die Terra-Produktion den Erfolg noch einmal, diesmal mit Johannes Heesters und Marte Harell in den Hauptrollen. Doch der Farbfilm kam nicht mehr in die Lichtspielhäuser, das Kriegsende ließ auch diesen Film, wie so vieles andere, in Schutt und Asche versinken. Als die Filmoperette im Februar 1950 dann doch in der Bundesrepublik gestartet werden konnte, erzählte Hauptdarsteller Johannes Heesters auf einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main den neugierigen Journalisten im Rahmen einer Pressevorführung wie der Film doch noch gerettet worden war.

Das Johann-Strauß-Denkmal im Wiener Stadtpark. (Foto: Clipdealer)

Nach zahlreichen Bombenangriffen auf die Ateliers in Babelsberg war der halb fertige Film zunächst nicht auffindbar gewesen. Im Winter 1945/46 entdeckte jedoch Alice Ludwig bei Aufräumungsarbeiten in den verschneiten Trümmerbergen fast alle Teile des Negativmaterials. Die Schnittmeisterin, die den Film bereits während der Dreharbeiten als Cutterin betreut hatte, erhielt daraufhin von der sowjetischen Film-Kontrollbehörde sowie der gerade im Aufbau befindlichen ostdeutschen DEFA den Auftrag, das Material neu zu bearbeiten und die Operette endlich fertigzustellten. 

Umweg über New York

Das geschah unverzüglich, und deshalb konnte der Film – unter der Regie von Geza von Bolvary spielen neben Heesters und Marte Harell noch Willy Fritsch und Siegfried Breuer – am 16. August 1946 in Ost-Berlin uraufgeführt werden. Einen Monat später wurde die Operette in West-Berlin gezeigt, verschwand dann aber wieder von den Leinwänden, weil die sowjetrussische Verleihorganisation „Sovexport” den Film in die USA transferierte, wo er längere Zeit und überaus erfolgreich am Broadway in New York lief. Deshalb begann die Vermarktung in der Bundesrepublik erst am 24. Februar 1950 mit der westdeutschen Uraufführung im Frankfurter Filmpalast.