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Feuerwehrleute rücken aus, um einen Waldbrand zu löschen

Ein Waldbrand zwischen Walldorf (Hessen) und dem Frankfurter Flughafen, der durch Feuerwehr (und Regengüsse) gelöscht wurde, lenkt den Blick auf Großfeuer in anderen Ländern.

Mörfelden-Walldorf, Sonntag, 9. August 2020, 16.15 Uhr. Der Tower des Frankfurter Flughafens entdeckt lodernde Flammen in einem nahe gelegenen Waldstück. Die Rettungsleitstelle des Kreise Groß-Gerau wird informiert, Minuten später rücken massenhaft Feuerwehrleute in das Gebiet zwischen dem Gundhof-Gasthaus und dem Frachtzentrum Cargo City Süd. Es beginnt ein Kampf gegen den Brand, der vier Tage andauern wird und erst am Donnerstagmorgen durch einen Starkregen endgültig gelöscht wird.

Feuerwehr, Polizei, Rettungskräfte, Rotes Kreuz und Forstämter sind rund um die Uhr im Einsatz. Den Helfern wird bis zur totalen Erschöpfung alles abverlangt. Unterstützung kommt aus dem ganzen Umland. Außer den Freiwilligen Feuerwehren aus der betroffenen Stadt Mörfelden-Walldorf rückten Kräfte aus der Kreisstadt Groß-Gerau an, die Kreise Dieburg-Darmstadt, Offenbach, Maintaunus schickten zusätzliche Kräfte. Auch die Feuerwehr des benachbarten Frankfurter Flughafens beteiligt sich an den Arbeiten, zumal das Feuer direkt an der Grenze zur Gemarkung Frankfurt lodert.

Verbrannte Erde: Blick in den Wald bei Walldorf. (Foto: Oliver Stör)

Weil das Wasser aus den normalen Zapfstellen nicht ausreicht, werden vom Walldorfer Badesee Schläuche über eine Strecke von 2,5 Kilometern bis an den Brandherd verlegt, Hubschrauber überfliegen das Gebiet und versuchten mit Wasserbomben dem Feuer beizukommen. Erschwert werden die Löscharbeiten, als plötzliche Explosionen den Verdacht erhärten, dass in dem betroffenen Waldstück noch Munition aus dem Zweiten Weltkrieg hier lagert… 

Der Hessische Kampfmittelräumdienst erklärt das Gebiet zur Gefahrenzone. Um die Feuerwehrleute zu schützen, wird die offensive Brandbekämpfung abgebrochen, die Verantwortlichen lassen das Feuer kontrolliert abbrennen. Starke Rauchentwicklung, begünstigt noch durch aufkommenden Wind, zwingt dazu, in den naheliegenden Häusern die Fenster verschlossen zu halten. Eine Kleingarten-Anlage, ein Campingplatz und eine Gaststätte werden geschlossen. 

Wie sich später herausstellt, sind knapp 20 Hektar Wald (ein Hektar = 10 000 qm) vom Brand betroffen, die Forstämter gegen davon aus, dass 190 000 Pflanzen unterschiedlicher Art neu gesetzt werden müssen. Die Kosten des gesamten Einsatzes sind hoch, aber noch gar nicht abzuschätzen. Viele Feuerwehrschläuche sind verbrannt, Verdienstausfälle und Verpflegung – viele Bürger helfen bei der Versorgung  – und anderen Kosten gar nicht erst zu reden. Doch außer einigen Wespenstichen und einer Fußverletzung bleiben die Einsatzkräfte von Unbill verschont, wenn man vom Rund-um-die-Uhr-Einsatz in drei Schichten absieht, der alles an Kräften abverlangt. So ist es letztlich „nur” ein lokales Ereignis. Aber was heißt das schon?

Ein verkohlter Baum inmitten der Brandstelle. (Foto: Oliver Stör)

Waldbrände kennt der deutsche Mensch eher aus Nachrichtensendungen im Fernsehen. Schauplätze sind dann die USA (vor allem Kalifornien), Australien, Bolivien, Brasilien, Kanada Russland und viele andere waldreiche Länder oder Regionen. Die Betrachter im gemütlichen Wohnzimmer erlebt sekundenlang ein Inferno mit dramatischen Folgen, auch Todesopfer sind nicht selten zu beklagen, doch nach dem Ende der knappen Berichte geht man zur Tagesordnung über.

Ganz anders ist jedoch der Eindruck, wenn man selbst mit solch einem Ereignis   – wenn auch nur auf lokaler Ebene – konfrontiert wird. Was sonst nur in Fernseh-Nachrichten zu sehen ist, war in diesem Fall greifbar nahe an die eigenen Wohnungen herangerückt, und unter diesen Umständen ändert sich auch der Blick auf weltweite Waldbrände, bei denen viele Millionen Hektar Wald vernichtet werden, verstärkt in den vergangenen Jahren durch den Klimawandel mit hohen Temperaturen.