Deutsche Fernsehsender jagen Verbrecher am Bodensee

Der Bodensee hat eine beschauliche Umgebung. Großes Gewässer, Fischer, Winzer, Künstler, Obstbauern und die Blumeninsel Mainau. Dazu die Zeppelinstadt Friedrichshafen, das heimelige Lindau, die österreichische Festspielstadt Bregenz. Kriminalstatistisch gesehen eine normale Region. Größte Stadt am südlichen Ufer ist das ehrwürdige Konstanz, die örtliche Zeitung nennt sich „Südkurier“. Große Ausflugsdampfer pflügen durch das Wasser, Auto- und andere Fähren verbinden die gegenüberliegenden Ufer, an denen mediterranes Klima herrscht und Palmen gedeihen.

Wenn ich den Fernsehmachern Glauben schenke, gibt es am Bodensee jedoch keine heile Welt. Wie mir scheint, lauert das Verbrechen allerorten. 31 Tatort-Folgen, die Serien Die Toten vom Bodensee, Der Kommissar und der See, WaPo Bodensee und Einzelfilme zeichnen ein Bild des Schreckens. Wegen der drei Anrainerstaaten Deutschland, Schweiz und Österreich ist Kompetenzgerangel unter den Ermittlerinnen und Ermittlern (Motto: „Der Fall gehört mir!“) programmiert. 

Matthes und Bezzel

Von 2002 bis 2016 drehte der Südwestrundfunk 31 Tatort-Folgen für die ARD, Protagonisten waren die großartige Eva Matthes und der junge Sebastian Bezzel (ab 2004). Matthes gab als Klara Blum eine Kommissarin mit Witz und Intelligenz, gleichzeitig verbindlich, aber zäh bei der Arbeit. Von äusserlicher Erscheinung anders als andere Tatort-Ermittlerinnen; Bezzel (Kai Perlmann) war ihr aufgeweckter Kollege, noch nicht ausgereift, aber mit Potenzial.

Matthias Köberlin erlebe ich als rustikalen deutscher Kommissar Micha Oberländer, wegen familiärer Probleme in einem VW-Bus lebend, in der Serie Die Toten vom Bodensee (ZDF/ORF). Seine österreichische Kollegin Nora Waldstätten fährt als Hannah Zeiler fast ausschließlich Motorrad, ist ernst-verbissen und wegen eines Schicksalsschlages in der Kindheit seelisch angeschlagen. Von den Charakteren her unterschiedlich, ist die Grenzen überschreitende Ermittlungsarbeit der beiden Figuren jedoch immer erfolgreich. Seit 2014 wurden 15 Folgen produziert, weitere sind in Arbeit.

Der Kommissar und der See

Walter Sittler hatte ich 14 Jahre lang als Robert Anders auf der schwedischen Insel Gotland als  Polizist werkeln und sein turbulentes Familienleben goutieren dürfen, ehe die Serie Der Kommissar und das Meer vom ZDF nicht weitergeführt wurde. Weil es immer noch gute Quoten gab, wurde Sittler schnell zum Kommissar am Bodensee befördert. Es ergab sich ein fast nahtloser Übergang, die erste Folge der neuen Reihe (Liebeswahn) wurde bereits gesendet und nimmt dank der Autoren und der Regie Elemente der Gotland-Szenerie mit an den Bodensee. Auch den Filmnamen Robert Anders durfte Sittler behalten. Weitere Filme der Serie Der Kommissar und der See werden folgen.

WaPo Bodensee (ARD) ist  eine Mischung aus Krimi- und Familienfilm. Nicht so spektakulär wie bei der Konkurrenz, aber mit viel Herz. Im Mittelpunkt steht Nele Fehrenbach (Floriane Daniel), die aus Hamburg in ihre Heimat am Bodensee zurückkehrt ist, um sich eine neue Existenz aufzubauen. Als erfahrene Kommissarin ist sie dem Ermittler Andreas Rambach (Ole Puppe) als Leiterin der Wasserschutzpolizei vor die Nase gesetzt worden. Konflikte inbegriffen.

Hayal Kaya (rechts) und Julian Bayer in Seeland. (Foto: SWR/Maria Wiesler)

Im Dezember 2022 sehe ich Seeland – Ein Krimi vom Bodensee in der ARD. Die türkischstämmige Hayal Kaye (Kommissarin Elena Barin) und Julian Bayer (Kommissar Achim Schatz) geben die Konstanzer Ermittler und haben es mit einem Ausbrecher zu tun, der die Passagiere eines Ausflugsdampfers als Geiseln nimmt. Wie so oft sehe ich einen Mann aus den eigenen Reihen, einen Schweizer Staatsanwalt, der im Hintergrund die kriminellen Fäden zieht. Ein Klischee, das sich durch viele Krimis zieht. Das Böse ist überall zu Hause, und besonders am lieblichen Bodensee. Jedenfalls televisionsmäßig.