Esther Williams verpasst Olympia 1940 und wird eine „Badende Venus“

Wegen des japanisch-chinesischen und des Zweiten Weltkrieges musste Esther Williams auf die Olympischen Spiele in Tokio 1940 verzichten – und wurde bald darauf als Wassernixe weltberühmt.

Die Verschiebung der Olympischen Sommerspiele in Tokio in das Jahr 2021 – ausgelöst vom Corona-Virus – hat auch die Vorbereitungen der Sportler unterbrochen. Aber immerhin besteht für sie ein Jahr später Aussicht auf Medaillen. Anders erging es den Athleten 1940, als die Wettkämpfe wegen des japanisch-chinesischen und des Zweiten Weltkrieges abgesagt wurden. Alle Sportler mussten damals ihre Medaillenträume begraben – aber ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an die Geschichte einer Schwimmerin aus den USA, die trotz ihrer Enttäuschung über den Ausfall der Spiele weltberühmt wurde. Denn für die 19-Jährige Esther Williams begann nach der verpassten Olympia-Chance ein Märchen.

Esther Williams hatte sich für die Olympischen Sommerspiele 1940 qualifiziert, nachdem sie als 16-Jährige drei US-Titel (Brust- und Freistil) gewonnen und mehrere US-Rekorde aufgestellt hatte. Nach der frustrierenden Erfahrung von Tokio blieb die junge Schwimmerin – in einer dominierenden Männerwelt begünstigt von ihrem attraktiven Aussehen – dem Schwimmen auf andere Weise erhalten. Sie wurde schnell von der populären Wassershow „Aquacade” verpflichtet, in der zeitweise auch der legendäre Tarzan-Darsteller Johnny Weissmüller auftrat. 

Esther mit Red Skelton. (Foto: Imago Images/United Archives)

Es dauerte nicht lange, bis Esther Williams von Talentsuchern aus Hollywood entdeckt wurde. 1944 drehte sie als ihren zweiten Film Badende Venus. Der MGM-Film war einer der erfolgreichsten Streifen seiner Zeit und gilt als erstes Wassermusical; Komiker Red Skelton war ihr männlicher Partner. Danach spielte sie noch in mehreren finanziell durchaus erfolgreichen Filmen, wie etwa Flitterwochen zu dritt, Mexikanische Nächte, Auf einer Insel mit Dir, Neptuns Tochter, Die goldene Nixe, Die Wasserprinzessin und Jupiters Liebling. Einen von ihr angestrebten Durchbruch ins Charakterfach schaffte sie freilich nicht – was man ihr wird kaum ankreiden können, schließlich war sie keine Schauspielerin, sondern „nur” Sportlerin. 

Wie üblich wurde ihr schnell ein Stempel  aufgedrückt: „Geeignet für leichte Unterhaltungskost”. Anfang der 60er Jahre gab sie deshalb ihre „Filmkarriere” auf und tummelte sich fortan nicht mehr im filmischen Wasser, sondern höchst erfolgreich im Mode- und Kosmetikbereich, und dabei immer verbunden mit dem nassen Element. 1966 wurde Esther Williams in die Ruhmeshalle des internationalen Schwimmsports aufgenommen, sie starb 2013 im Alter von 91 Jahren.

Wasserrevuen

Esther Williams erfolgreichster Film blieb für alle Zeiten die Badende Venus. Als der MGM-Streifen 1950 – sechs Jahre nach seiner Herstellung 1944 – in die deutschen Kinos kam, wurde er auch in der Bundesrepublik zu einem Riesenerfolg. Bei der Frankfurter Premiere im Metro im Schwan gab es tagelang ein volles Haus. Im Harmonie-Kino in Frankfurt lief der Film wenig später noch einmal längere Zeit und war in den Abendvorstellungen immer ausverkauft; selbst an Nachmittagen war der Saal gut gefüllt. Weil ich damals in meiner Freizeit im Kino  jobbte, hatte ich Gelegenheit, mir immer wieder diesen Film anzusehen – kostenfrei versteht sich!

Zwei Programme zum Film. (Foto: Filmverlag Unucka)

Für den Erfolg trug neben Esther Williams vor allem die Musik bei. Wenn der weltberühmte Trompeter Harry James seinen „Trumpet Blues” spielte, waren die jungen Besucher im Kino völlig hingerissen; Xavier Cugat begeisterte zugleich mit feurigen und rhythmischen Klängen seiner Band. Da spielte die sehr dünne Handlung kaum noch eine Rolle; sie war „amerikanisch-puritanisch” und heute auch kaum noch erinnerlich (und auch unwichtig).