Am Partschinser Wasserfall lässt sich gut Luft holen…

Am Partschinser Wasserfall in Südtirol stürzen während der Schneeschmelze zehntausend Liter Wasser pro Sekunde über die Klippen ins Tal. Es ist ein Schauspiel, das Wanderer und Besucher immer wieder fasziniert.

Herbstliche Tage in Südtirol locken zu immer neuen Spaziergängen oder Wandertouren. Täglich werden andere Ziele anvisiert, um das Land zu erkunden. Von unserem westlich von Meran gelegenen Quartier in Algund führt uns unser Weg an diesem sonnenreichen Tag zuerst zum Wasserfall nach Partschins und von dort über den Wanderweg 39a in Richtung Naturns. Das erste Teilstück legen wir mit dem Bus von Algund bis zum alten Ortskern von Partschins zurück, dann geht es auf Schusters Rappen weiter.

Partschins ist, von Osten kommend, der erste Ort im Vinschgau, gewissermaßen das Tor in dieses obstreiche Tal, das sich von Meran bis zum Reschensee hinzieht. An der Via Claudius Augusta – heute Staatsstraße 38 – liegt nicht nur das Etschkraftwerk Töll, das die Region mit Strom versorgt, sondern im alten Ortskern befindet sich auch das „Museum Peter Mitterhofer”, das an den einst hier lebenden Erfinder der Schreibmaschine erinnert. (Wo werden heutzutage eigentlich noch Schreibmaschinen benutzt?). Partschins mit den Fraktionen Rabland, Tabland, Quadrat, Sonnenberg, Töll und Vertigen ist aber vor allem bekannt durch den nordwestlich des Ortskerns gelegenen Wasserfall, der im Italienischen als „Cascata di Parcines” bezeichnet wird und als einer der schönsten in Südtirol gilt.

Von der Bushaltestelle wandern wir auf dem Wasserfallweg bergwärts. Da wir langsam gehen, dauert es fast eine Stunde, um die eineinhalb Kilometer zu bewältigen. Bald schon atmen wir frische Luft, die vom Zielbach herrührt, der über einen Abgrund von 97 Meter hinunter ins Tal stürzt. Das Wasser soll gesund sein und reichert die ganze Umgebung mit wohltuenden Wirkstoffen an, darunter in hoher Konzentration vorkommenden Sauerstoff-Ionen, die sowohl Feinstaub als auch Abgase binden sollen. Diese Aussagen von Wissenschaftlern, sind wohl wahr, denn wir spüren am eigenen Leib, wie sich die Atemschleimhäute wie von selbst reinigen.

Der Wasserfall aus einem anderen Blickwinkel. (Foto: Oliver Stör)

Da wir im Herbst (nach einem trockenen Sommer) in Südtirol sind, ist der Eindruck des Wasserfalls zwar beeindruckend, gleichwohl aber nicht so überwältigend, wie ich es mir vorgestellt habe. Ganz anders ist im Frühsommer oder bei starken Regenfällen. Ein Obstpflücker am Wegesrand erzählt uns, dass der Zielbach – er entspringt  am 3220 Meter hohen Lodner in der Texelgruppe – während der Schneeschmelze im Frühsommer bis zu 10 000 Liter Wasser pro Sekunde über die Klippen ableitet.

Nach dem Wasserfall machen wir uns über die Partschinser Hängebrücke in Richtung Westen auf den Weg in den Vinschgau. Durch Wälder, kleine Geröllhaden und Obstplantagen zieht sich der Pfad 39a in Richtung Naturns. Im Westen erblicken wir die schneebedeckten Gipfel des Ortlermassivs, im Osten ist von manchen Rastpunkten aus der Meraner Talkessel zu sehen. 

Kurz vor Naturns brechen wir aus Zeitgründen die Tour ab, steigen auf engen Trampelpfaden durch Apfelfelder ins Tal, überqueren die Straße 38 und die Etsch und wandern entlang des Flusses und über Wanderwege nach Töll, wo wir den Bus nach Algund nehmen. Ein ereignisreicher Tag neigt sich wieder einmal dem Ende entgegen..