Äppelwoi oder Ebbelwei, den „Schoppepetzern“ ist das ganz egal

Für den Apfelwein gibt es viele verschiedene Schreibweisen. Für die „Schoppepetzer“ ist die Bezeichnung indessen völlig egal. Hauptsache ist, dass das ausgeschenkte „Stöffche“ schmeckt.

Wie denn nun? Ebbelwoi (Bezeichnung eines Festes in Langen), Appelwoi (Obst- und Gartenbauverein Niederhöchstadt), Äppelwoi (Lokal „Klaane Sachsehäuser und andere), Ebbelwei (Sonderzug der Frankfurter Straßenbahn), Eppelwei, Äppelwei, Eppewei (drei ganz verschiedene Begriffe aus den Schriften des bekannten Frankfurter Heimatdichters Friedrich Stoltze). Egal und wie auch immer, der Schreibweisen gibt es viele, aber es geht immer um das „Stöffche”, das nicht nur unter „Schoppepetzern” als Nationalgetränk Frankfurts in die Geschichte eingegangen ist. Wer nachforscht, findet bestimmt noch weitere Bezeichnungen, aber ich lasse es dabei bewenden, denn es ist auch unwichtig: Hauptsache der Saft aus den gerippten Gläsern schmeckt.

Allerdings ist das Getränk mit der herben Note für viele Menschen eher gewöhnungsbedürftig. Ob Süßer, Rauscher (Vorsicht, der Name spricht Bände!) oder der ausgegorene Apfelwein mit säuerlichen Charakter, ob süß (mit Zitrone) oder sauer (mit Mineralwasser) gespritzt, in jeder Form muss man sich erst anfreunden mit dem „Gesöff”, das einst wegen einer kleinen Klimaveränderung im Raum Frankfurt als „Nationalgetränk” heimisch wurde. 

Denn während dieser spezielle Wein schon im Mittelalter in Spanien und Frankreich gekeltert wurde, hatte hierzulande die Herstellung von Rebensaft lange Zeit oberste Priorität. Historiker berichten, in den Kellern der Frankfurter Bürgergesellschaft habe im Mittelalter mehr Wein gelagert als Wasser aus städtischen Brunnen geflossen sei. Der Hessische Apfelwein-Verband bestätigt den Wechsel von den Trauben zum Apfel:

„Als im 15. Jahrhundert mit der sogenannten ‚kleinen Eiszeit‘ eine Klimaveränderung einsetzte, ging der Weinanbau durch Missernten dramatisch zurück – um 1900 waren rund um Frankfurt praktisch keine Reben mehr zu finden.”

Die Rebenstöcke seien deshalb durch robuste Apfelbäume ersetzt worden, heisst es weiter, die Winzer hätten sich notgedrungen auf die neue Getränkekultur umgestellt. Das ging nicht von heute auf morgen, aber im Laufe der Jahrzehnte kelterten immer mehr Winzer (aber auch Privatleute) den einfacher herzustellenden Wein. In den Heckenwirtschaften spielte Äppelwoi eine immer größere Rolle, so dass nicht nur Steuer darauf erhoben, sondern per Verordnung von 1836 der Aushang eines Kränzchen mit Fichtenzweigen zur Pflicht erhoben wurde. Das Motto lautet: 

„Wo’s Kränzchen hängt, werd’ Äppelwoi (Ebbelwei), heut’ ausgeschenkt.”

Unter diesen Umständen nahmen die Dinge ihren Lauf. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Frankfurt bereits 12 Großkeltereien sowie unzählige selbstkelternde Apfelweinwirte. Den großen Durchbruch – auch über die Landesgrenzen hinaus – erfolgte jedoch erst in den Fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als erst Otto Höpfner und danach Heinz Schenk in der ARD-Sendung „Zum Blauen Bock” das Stöffche gesellschaftsfähig machten, obwohl beide Spaßmacher keine Frankfurter waren, sondern aus Mainz. stammten. Höpfner trank ohnehin viel lieber „richtigen” Wein.

In Sachsenhausen

In Frankfurter Stadtteilen und umliegenden Orten gibt es zahlreiche Äppelwoi-Wirtschaften. Zentrum aber ist und bleibt Alt-Sachsenhausen, obwohl bekannte Lokale wie der „Hinnerkopp” inzwischen schließen mussten. Es gibt aber noch viele offene „Tankstellen”, wie der Autor bei einem Bummel durch die Straßen feststellen durfte. Im Neuen Wall laden „Klaane Sachsehäuser”, „Affentor-Schänke”, „Dauth-Schneider” und „Struwwelpeter” zum Besuch. Ein paar Schritte weiter in der Wallstraße befinden sich das „Fichtekränzi” und die „Atschel”, nur wenige Meter entfernt residiert im Abtsgäßchen das Lokal „Apfelwein-Unser”. 

An der Haltestelle Römer/Paulskirche in Frankfurt. (Foto: Clipdealer)

Das „Lorsbacher Thal” und der „Graue Bock” bieten in der Großen Rittergasse das „Stöffche” an. In der Dreieichstraße, die das Gebiet nach Osten hin abschließt, sind die Lokale  „Zum Eichkatzerl”, „Zu den drei Steubern” und das „Proletariat” zu finden, biegt der Tourist von dort in die Klappergasse ab, steht er sogleich vor der „Frau Rauscher” und dem „Steinern Haus”. Schräg gegenüber in der Willemer Straße ist das Lokal „Dax” zu finden. Alle Wirtschaften sind auf engstem Raum erreichbar.

Etwas weiter entfernt vom Kern Alt-Sachsenhausens sind in der Textorstraße die „Germania”, der „Kanonesteppel” und das „Feuerrädchen” (Hausnummern 16, 20 und 24.) zu finden. Auch in der Schweizer Straße konkurrieren zwei auch international bekannte Lokale direkt nebeneinander um die Gunst der Gäste, nämlich der „Wagner” und das „Gemalte Haus”. 

Die bekannte Lokalität „Zur Buchscheer” liegt weiter abseits am westlichen Ende von Sachsenhausen im Schwarzsteinkautweg, nahe der S-Bahn-Station Louisa. In der Mörfelden Landstraße 11, nahe des Südbahnhofs, ist noch das Lokal „Schreiber-Heyne” zu finden.

Gerippte Gläser

Wie meine kleine Übersicht zeigt, gibt es viele Möglichkeiten,  im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen Äppelwoi, Ebbelwoi, Äppelwei (und so weiter) an hölzernen Tischen und aus den gerippten Gläsern zu genießen. Warum die Gläser mit den Rauten auf der Außenhaut versehen sind? Dazu gibt es zwei Versionen: Die eine besagt, durch die Lichtbrechung hätten die Wirte den oftmals sehr trüben Saft glänzender, heller und appetitlicher erscheinen lassen können, die andere verweist darauf, in den Lokalen sei früher oft nur mit den Händen (und ohne Besteck) gegessen worden: – die fettigen Finger hätten durch die gerippten Rauten die Gläser besser festhalten können.

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