Nach der erfolgreichen Umrundung der us-amerikanischen Artemis-Expedition im April 2026 will China mit seinem „Traumschiff” nachlegen und ebenfalls „den Mond umarmen”. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange, aber mehr als Ende der 60er Jahre beim Wettlauf zwischen den USA und der UdSSR geht es diesmal neben politischer Machtdemonstration und Prestige um wirtschaftliche Aspekte.
Wenn vom Mond (männlich) die Rede ist, wird in Anlehnung an die römische Mythologie sowie einer äußerst schmissigen Operette von Paul Lincke gerne auch von Frau Luna (weiblich) gesprochen. Die burlesk-phantastische Geschichte nach einem Libretto von Heinrich Bolten-Baeckers war am 2. Mai 1899 im Berliner Apollo-Theater uraufgeführt, im Laufe der Jahre aber ergänzt worden, ehe 1922 ihre endgültige Fassung feststand. Die bekanntesten Musikstücke sind der Marsch Das macht die Berliner Luft, Luft, Luft, das Duett Schenk mir doch ein kleines bißchen Liebe und die Arie Schlösser, die im Monde liegen…
Wenn ich von Frau Luna schreibe, meine ich jenen „blonden“ Himmelskörper, der als Mond (männlich also) in die Geschichte der Weltraumfahrt eingegangen ist, obwohl in der UdSSR die Flugkörper zum Nachbarn ebenfalls als „Luna“ bezeichnet worden waren. Vor Jahrzehnten war diese Frau Luna von den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion heftig umworben worden, doch kaum hatte sie die USA erhört, verloren diese schnell die Lust an der Liaison. Die Dame war ihnen auf Dauer zu kostspielig. Doch nun haben die USA ihre alte Liebe wieder aufgefrischt. Auch andere flirten heftig mit der blonden Nachbarin. Reden wir nun aber nicht mehr von Frau Luna, sondern schlicht vom Mond.
Kleiner großer Schritt
Es war am 20. Juli 1969, als um 21.17 Uhr deutscher Zeit eine Landefähre mit den us-amerikanischen Astronauten Neil Armstrong und Edwin Aldrin auf dem Himmelskörper aufsetzte, während Michael Collins in Apollo 11 weiter den Mond umkreiste. Sechs Stunden später betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond und sprach die legendären Worte: „Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit.“

Nach Beendigung des Apollo-Programms 1972 geriet der Mond als Objekt der Begierde in Vergessenheit, weil auch die sowjetischen Konkurrenten aus dem Kalten Krieg ihre Ambitionen einer Landung mit Kosmonauten nicht weiter verfolgten. Neuerdings aber sind Flüge zum Erdtrabanten wieder „in“. Dabei werden sowohl nationale als auch bilaterale Projekte verfolgt. Die Aktivitäten haben nicht nur mit wissenschaftlichem Interesse zu tun. Es geht vor allem darum, die natürlichen Ressourcen des Mondes auf kommerzieller Basis auszubeuten. Milliardenschwere, private Investoren wittern das große Geschäft. Und es geht um große Politik.
China macht Dampf
Nun haben amerikanische und kanadische Astronauten (Victor Glover, Reid Wiseman und Jeremy Hansen) sowie die Amerikanerin (Christina Koch) im Artemis-Programm den Mond umflogen, eine Landung auf dem Mond soll baldmöglichst erfolgen. Doch die Volksrepublik China macht keinen Hehl daraus, nach erfolgreichen automatischen Landungen auf dem Erdtrabanten 2030 auch Menschen dorthin zu entsenden.
Die chinesische Mission sieht den Start zweier Raketen des Typs „Langer Marsch 10” vor. Mit ihnen werden die Landefähre „Lanyue“ (deutsch: den Mond umarmen) und das bemannte Raumschiff „Mengzhou“ (Traumschiff) im Abstand mehrerer Wochen in eine Mondumlaufbahn befördert. Erst wenn sich „Lanyue” in einer zuvor genau berechneten und stabilen Mondumlaufbahn befindet, werden die Raumfahrer folgen, um dort zu koppeln. Zwei werden in die Landefähre umsteigen und auf der Mondoberfläche landen. Nach Abschluss ihrer Aufgaben sollen sie zu ihrem „geparkten” Raumschiff zurückkehren, ankoppeln, umsteigen und zur Erde zurückkehren.
Erfolgreiche Tests
Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Die Behörde für bemannte Raumfahrt informierte in einer Pressemitteilung über den Stand der Vorbereitungen. Demnach wird in 2026 der Bau aller notwendigen Anlagen und Ausrüstungen am Startplatz Wenchang fortgesetzt, darunter Telemetrie-, Ortungs- und Kommunikationssysteme. Die Tests der Schwerlastrakete „Langer Marsch 10”, des Raumschiffs „Mengzhou“ und der Mondlandefähre „Lanyue“ werden fortgesetzt; Landungen sowohl im Wasser als auch auf dem Festland wurden erprobt.

Es steht außer Frage, das „Frau Luna” in den nächsten Jahren wieder Menschen wird begrüssen können, egal aus welchen Nationen sie auch kommen mögen.
