Rudi Schuricke, Schnulzensänger, machte den Schlager von den ehrsamen und braven Capri-Fischern Ende der Vierziger Jahre nicht nur berühmt, sondern zum Dauerbrenner bei den Radiosendern. Der einschmeiçhelte Ohrwurm traf das Lebensgefühl der Deutschen nach dem Krieg.

Als ich dieser Tage auf einen Youtube-Beitrag dieses Uralt-Schlagers stieß, weckte das nicht nur wieder Erinnerungen an das Lied selbst, sondern auch an die Nachkriegsjahre in Westdeutschland. Die Zeit war geprägt war von Währungsreform, Wiederaufbau und ersten wirtschaftlichen Erfolgen. Und auch die Reiselust stieg ja zu dieser Zeit. Wohin des Weges? – so fragen sich viele. Dorthin, wo die Sonne im Meer versinkt…? Italien scheint alle Träume zu erfüllen, und wird bald neben Österreich das beliebteste Urlaubsziel der Deutschen.

Als die Käfer die Landstraßen zu erobern beginnen, tuckern bald immer mehr VW-Besitzer über die Alpenpässe nach Südtirol, bevorzugt auch an Gardasee und Adria-Strände. Die Lust auf Italien wird zu dieser Zeit vor allem durch einen Schlager befeuert, der Ende der Vierziger, Anfang der Fünfziger Jahre überall aus den Radios plärrt oder als Schallplatte strapaziert wird: Die Capri-Fischer…, eben jene, bei denen die Sonne im Meer versinkt.

Der Schlager war schon 1943 entstanden. Die Melodie war von Gerhard Winkler komponiert worden, der Text stammte von einem gewissen Ralph Maria Siegel, Vater des bekannten Musikers, Komponisten und Produzenten Ralph Siegel, der – so viel Zeit muss sein –, kürzlich 70 Jahre alt wurde.

Als erste hatte die Sängerin Magda Hain das Lied 1943 auf einer Odeon-Platte gesungen, es wurde aber bald darauf im Reichsrundfunk nicht mehr gespielt, nachdem die Westalliierten Neapel und Capri besetzten und sich Italien von Hitler-Deutschland gelöst und am 13. Oktober 1943 dem ehemaligen Verbündeten Deutschland den Krieg erklärt hatte.

In Vergessenheit geraten, dann ein Hit

Wegen dieser „Zurückhaltung” der deutschen Radiostationen gingen auch die Verkaufszahlen der Schallplatte zurück und das Lied geriet zunächst in Vergessenheit, zumal die Menschen in den bitteren Kriegs- und ersten Nachkriegsjahren ganz andere Sorgen hatten.

In der sowjetisch besetzten Zone kam dann im Jahr 1947 eine Schelleck-Platte der Firma Amiga heraus, auf der Kurt Reimann das Lied vortrug. Doch der wirkliche Durchbruch erfolgte ab 1949 in den Westzonen und der Bundesrepublik durch Rudi Schuricke (Polydor), der zum auffälligsten Interpret des Schlagers wurde.

Das Lied beschreibt das „romantische” Leben der ehrsamen Fischer auf der im Golf von Neapel liegenden Insel Capri, die Nacht für Nacht hinausfahren müssen, um mit harter Arbeit ihren kargen Lebensunterhalt zu verdienen. Gleichwohl haben sie nach Ralph Maria Siegel ausreichend Zeit, um im gemeinsamen Gesang eine unbekannte „Bella, bella, bella Marie” anzuhimmeln. Alle wollen eine, oder was?

Die Lust auf Bella Italia

Ob dass Lied damals tatsächlich gewisse Auswirkungen auf den bald einsetzten Reiseboom nach Italien hatte, ist eine eher hypothetische Frage, die Melodie und der Text trafen aber Anfang der Fünfziger Jahre durchaus die Stimmung urlaubswilliger Deutscher, denen ja schon seit jeher und seit Goethes Zeiten („Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn“) eine Italien-Affinität nachgesagt wird.

Die Eingangszeilen dürften auch heute noch vielen älteren Menschen geläufig sein, kennen sie doch die Worte gewiss aus ihrer Jugendzeit, aber auch jüngere blieben nicht verschont, denn nach Schuricke gab es noch unzählige Interpreten, die Melodie und Text vortrugen, darunter Vico Torriani, Peter Kraus, Max Raabe, G. G. Anderson und die Flippers

„Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt,
Und vom Himmel die bleiche Sichel des Mondes blinkt,
Zieh’n die Fischer mit ihren Booten aufs Meer hinaus,
Und sie legen in weitem Bogen die Netze aus…“

Und so weiter und so fort, den vollständigen Texten erspare ich mir an dieser Stelle, wer ihn mag oder noch einmal nachlesen will, wird ihn unschwer im Internet finden.