Ende des Jahres 1947, Anfang 1948 ist die Frankfurter Öffentlichkeit aufgewühlt. Der im Ostend gelegene Zoo wird von einer mysteriösen Serie von Tötungsdelikten heimgesucht. Die Zeitungen berichten ausführlich über die Details des Kriminalfall, aber er hat einige Jahre später dann indirekte politische Begleiterscheinungen, wobei die Bonner Regierung und der Filmregisseur Wolfgang Staudte eine Rolle spielen. 

Auch Biber zählten zu den Opfern im Frankfurter Zoo. (Foto: Oliver Stör)

Was den Frankfurter Zoo anbelangt, so werden dort am 29. Dezember 1947 mehrere Fasane und ein Riesenpapagei tot in ihren Käfigen aufgefunden. Zunächst denkt niemand an was Böses, die Zoo-Verwaltung glaubt an einen Unfall, doch die genaue Untersuchung ergibt , dass die Tiere mit Natriumfluorid vergiftet worden sind.

In der ersten Januarwoche sterben dann fünf Biber sowie ein Rehbock am gleichen Gift, am 12. Januar folgen eine afrikanische Zibetkatze und ein Pavian. Bis zum 22. Februar werden insgesamt 46 tote Tiere gezählt. Danach hören die Todesfälle plötzlich auf. Die Stadtverwaltung ist gleichwohl aufs höchste beunruhigt und fordert in einer Presseerklärung die Bevölkerung zur Mithilfe bei der Suche nach dem Täter auf.

In der offiziellen Verlautbarung wird auf den hohen finanziellen Schaden hingewiesen, gleichzeitig der verwerfliche Aspekt der Taten hervorgehoben und zudem eine Belohnung ausgesetzt. Im Klartext heißt es:

„Seit 29. Dezember sind 44 wertvolle Tiere des Frankfurter Zoologischen Gartens von unbekannten Tätern vergiftet worden. Hierdurch ist nicht nur ein erheblicher finanzieller Schaden für die Stadt entstanden, auch alle Tierfreunde sind über diese Untaten bekümmert. Der Frankfurter Magistrat […] hat für Angaben, die zur Ermittlung des Täters und seiner Helfershelfer führen, eine Belohnung von 30 000 Mark ausgesetzt.”

30 000 Mark! Das ist die höchste Summe, die bis zu diesem Zeitpunkt in Deutschland für die Aufklärung eines Kriminalfalles ausgelobt wird, allerdings kurz vor der Währungsreform kein Riesenbetrag, weil der Wert der Reichsmark täglich mehr verfällt. Die Vermutung, die Höhe der Summe könne damit zusammenhängen, dass der Deutsche Tierschutzbund in Frankfurt ansässig, und Oberbürgermeister Dr. Walter Kolb dessen Vorsitzender ist, erweist sich freilich bald als pure Spekulation.

Obwohl es einige Verdächtige aus dem Zoo und dessen Umfeld gibt, wird der Fall nie aufgeklärt. Ein verhafteter Tierwärter kann nicht überführt werden, ein in diesem Zusammenhang durchgeführtes Gerichtsverfahren endet mit Freispruch für den Angeklagten. Verdachtsmomente gegen einige andere Personen können nicht aufrechterhalten werden.

Eklat um Filmfinanzierung

Die Frankfurter Giftmorde erhalten etwas später erhebliche Brisanz, denn von den Vorgängen lassen sich die „camera-Film” und ihr Produzent Joachim Matthes zu dem Film „Gift im Zoo” inspirieren, der im Tierpark Hagenbeck in Hamburg gedreht wird. Als es um die Finanzierung des Streifens geht, kommt es zum politischen Eklat.

Wolfgang Staudte, der bereits für die DEFA in der sowjetischen Besatzungszone die beachteten Filme „Die Mörder sind unter uns” (mit Hildegard Knef), „Rotation” und „Der Untertan” gemacht hat, ist als Spielleiter vorgesehen und hat auch schon mit der Arbeit begonnen, als jene Bonner Behörde, die über Bundesbürgschaften zu entscheiden pflegt, dem Produzenten die Ausfallbürgschaft verweigert – es sei denn, Staudte würde einen Erklärung unterzeichnen, in der er sich verpflichtet, in Zukunft nicht mehr für die DEFA zu arbeiten.

Verfassungsschutz fabriziert Falschmeldung 

Begründet wird die Forderung damit, Staudte habe am 1. Mai 1951 in Ost-Berlin eine Lobeshymne auf Stalin gehalten – eine dubiose Information, die das Hamburger Nachrichtenmagazin „Spiegel” als eine mehr als schlampige Recherche des wenige Monate zuvor gegründeten „Amtes für Verfassungsschutz” bezeichnet.

Schnell stellt sich nämlich heraus, das Staudte am 1. Mai Gast bei einer französischen Kulturveranstaltung in Bacharach gewesen war und bei dieser Gelegenheit am Tisch des damaligen französischen Hochkommissars André François-Poncet am Tisch gesessen hatte. Kein Grund für Bonn, in der Angelegenheit einzulenken, was darauf hindeutet, dass es in Wahrheit tatsächlich nur um das politische Schaffen des Regisseurs gegangen war.

Wolfgang Staudte winkt ab

Staude beugt sich dieser auch im Rückblick unglaublichen, politischen Erpressung jedenfalls nicht und verzichtet auf die Regiearbeit. Seine Arbeit übernimmt ein gewisser Hans Müller, der ebenso wie Staudte bereits einige DEFA-Filme gedreht hat – allerdings anders als Staudte eher leichte unpolitische Kost.

Gleichwohl siedelt Staudte 1955 doch in die Bundesrepublik über, weniger aber aus politischern Motiven, sondern in erster Linie wegen eines künstlerischen Streits mit Bert Brecht und Helene Weigel, die mit Einsprüchen bei der filmischen Umsetzung des DEFA-Films „Mutter Courage und ihre Kinder” für den Abbruch der Dreharbeiten gesorgt hatten. Wolfgang Staudte sah sich in der Auseinandersetzung von der DEFA-Leitung im Stich gelassen. 

Mitbenutzte Quellen: „Frankfurter Neue Presse”, „Frankfurter Rundschau”, „Der Spiegel” sowie „Frankfurt und die drei wilden Jahre” (Kirn/Lorei), Societäts-Verlag.