Die Marktgemeinde St. Leonhard in Südtirol – Geburtsort von Andreas Hofer – ist ein Paradies für Fun-Sportler. Besonders Rafting, das wilde Fahren mit dem Schlauchboot hat es vielen Besuchern angetan. 

In Sankt Leonhard steppt also der Bär, und in Maßen auch ein gewisser Andreas Hofer. Der Rebell und aufmüpfige Sandwirt ist allgegenwärtig und lebt irgendwie noch immer… Die Marktgemeinde liegt in Südtirol im Naturpark Texelgruppe und zu ihr gehören die Fraktionen Schweinsteg, Mörre, Prantach, Schlattach, Walten und Gomion, doch das ist eher nebensächlich. Wichtig sind vielmehr die Wiesen, Wälder und Bergwelten, die das Landschaftsbild in einer Höhe zwischen 693 und 1262 Metern prägen, was den zahlreichen Touristen und Wanderern das Leben täglich au’s Neue schmackhaft macht.

Es gibt kaum eine Gemeinde im Meraner Land, die den Urlaubern so vielfältige Möglichkeiten bietet, sich die Zeit zu vertreiben. Da ist sommers die Möglichkeit, die gesamte Gegend auf Schusters Rappen zu erkunden; im Winter werden im nahen Skigebiet Pfelders Langlauf, Eislaufen, Rodeln, Eisklettern und Pferdeschlittenfahrten angeboten.

Die Sommermonate sind wie gemalt für das Wandern und so genannten Fun, wozu Klettern, Reiten und Golfspielen gehören. Im Blickpunkt stehen besonders Kajakfahren, Rafting und Canyoing. Wenn Familien oder Gruppen beim Rafting im Schlauchboot durch Stromschnellen und Wasserfälle der wilden Passer steuern, ist das besonderen reizvoll, aber auch gefährlich, erfordert harte Muskelarbeit und Mut. Es gibt auch ideale Bedingungen für Canyoning, bei dem durch Felsschluchten und Wasserfälle geklettert wird.

Der Weg ist das Ziel

Ein Aufenthalt, selbst für wenige Tage, kann also sehr verlockend sein. Die Anfahrt nach St. Leonhard ist auf verschiedenen Routen möglich. Entweder führt der Weg von Österreich kommend über das Ötztal und das Timmelsjoch, was jedoch nur im Hochsommer möglich ist, denn je nach Wetterlage ist die Straße zwischen Oktober und Juni in der Regel gesperrt. Ich komme indessen über den Brenner, verlasse bei Sterzing die Autobahn und quäle mich über den an diesem Tag übervollen, kurvenreichen Jaufenpass.

Besser wäre gewesen, bis Bozen die Autobahn zu nehmen, über die Meran-Bozener Schnellstraße (MeBo) bis Meran zu fahren und dann die Staatsstraße 44 bis St. Leonhard zu nehmen, was natürlich Maut kostet. Auch kilometermäßig ist das länger, aber die Fahrt über den Jaufenpass ist weit nerviger. Wer aus westlichen Regionen anreist, wird ohnehin besser den Reschenpass nehmen und danach durch Vinschgau und Meran fahren.

Hofer-Museum im Geburtshaus

Wer St. Leonhard Blick hat (oder auch nur durchfährt), wird – ob er will oder nicht – um diesen schon erwähnten Andreas Hofer nicht herumkommen. Aus diesem Bergdorf stammt der Mann, der von vielen Österreichern und Südtirolern noch heute – über 200 Jahre nach seinem Tod – als großer Volksheld gefeiert wird. Der Wirt und Viehhändler wurde am 22. November 1767 auf dem Sandhof geboren und agierte 1809 als Anführer der Tiroler Aufstandsbewegung gegen bayerische und französische Besetzung.

Nach der endgültigen Niederlage bei den Schlachten am Bergisel bei Innsbruck tauchte Hofer auf der Pfandleralm in der Nähe von St. Leonhard unter, wurde aber von seinem früheren Mitkämpfer Franz Raffl für 1500 Gulden an Napoleons Truppen verraten und schließlich am 20. Februar 1810 in Mantua hingerichtet.

Bewertungen Hofers und seiner Vereinnahmung durch politische Kräfte aller Art, überlasse ich den Historikern, die sich seit langem die Köpfe über Hofers Bedeutung und Rolle zerbrechen. Unterdessen lebt der berühmteste Sohn der kleinen Gemeinde noch immer als gefeierter Volksheld Südtirols.

In Pfelders ist im Winter eine herrliche Schneelandschaft zu finden. (Foto: Swift Publisher)

Das ist auch gut für das Geschäft.  Deshalb gehört Klappern auch für die heutige Hotelbranche in St. Leonhard zum Handwerk. Ob Hofers Geburtshaus mit Museum, die Pfandleralm oder andere Sehenswürdigkeiten: – alles gut und schön, doch am Ende zählt auch hier, was nach den Mühen des Tages in den Kassen klingelt. Und da sind die wildverwegenen Abenteurer wie Bergsteiger, Kajakfahrer oder die doch eher beschaulicheren Golfer und Wanderer allemal Sieger gegen den inzwischen etwas museal anmutenden Andreas Hofer. Denn die Jahre gehen dahin…

Auch ich fahre  an seinem großen Geburtshaus vorbei, verkneife mir aber einen Besuch im dort untergebrachten Museum. Trotz der verklärenden Haltung der meisten Südtiroler zu Hofer ist der Sandwirt möglicherweise doch ein „auslaufendes Geschäftsmodell”.