Auf den Jahrmärkten aller Art sind an den Buden oder Verkaufsständen eine Vielzahl von Äppelwoi-Bembeln und Krügen in ihrer typischen grau-blauen Farbe zu entdecken. In Baumärkten finden sich neben Blumenkübeln aus Plastik auch bessere (und teurere) Exemplare aus Ton. In vielen anderen Geschäften und Supermärkten werden schön gestaltete „Römertöpfe” und diverse Gefäße in allen möglichen Farben feilgeboten.

Auf der Dippemess’ in Frankfurt frage ich einen Händler nach der Herkunft seiner Waren. „Einiges stammt aus dem Kannenbäckerland”, sagt der Mann, „das meiste aber wird inzwischen an verschiedenen anderen Standorten industriell hergestellt.” Aus diesem Grund hat das „Kannenbäckerland” an Bedeutung verloren.

Dieses Kannenbäckerland zog sich (und zieht sich natürlich auch noch heute) in Rheinland-Pfalz vom Rheintal – ausgehend von der Stadt Bendorf – über Vallendar, Höhr-Grenzhausen, Ransbach-Baumbach bis Montabaur und Wirges. Wie oft in der Geschichte, war es auch hier purer Zufall, dass Tonmaterial in besonders guter Qualität entdeckt wurde.

Über Jahrhunderte wurde das kostbare Material ausgebuddelt, geformt und gebrannt – und heraus kamen vielfältige Produkte aus weißer, blau-grauer oder rötlicher Keramik.

Überall im südwestlichen Westerwald, über dessen Höhen einem populären Marschlied zufolge der Wind stets recht kalt zu wehen pflegt (was natürlich gar nicht stimmt), tummelten sich Familienbetriebe, kleinere Manufakturen oder größere Firmen. Die Konkurrenz war groß, aber die Regionalität der Waren war lange ein Wert an sich. Über Generationen hinweg waren die „Kannenbäcker” ein angesehener Berufsstand.

Obwohl auch heutzutage noch überall Steingut aus dem Westerwald angeboten wird, ist die Goldgräberzeit der Kannenbäcker vorbei. Auch einige noch vorhandene Betriebe, in denen vor allem auch das Kunsthandwerk gepflegt wird, können darüber kaum hinwegtäuschen.

Fünfziger Jahre

Der Wandel begann Ende der Fünfziger Jahre, als von der Industrie immer mehr Kunststoffe und Metalle zu Töpfen, Pfannen, Krügen oder Kübeln verarbeitet wurden. Weil diese Massenware erheblich preisgünstiger war, mussten viele Handwerksbetriebe im Westerwald ihre Töpfereien und Brennöfen schließen.

Aus dem Westerwald kommen auch Äppelwoi-Bembel jeder Art. (Foto: Clipdealer)

Der Absatz stagnierte, und weil es immer weniger Möglichkeiten gab, den Beruf auszuüben, wurden auch kaum noch „Kannenbäcker” ausgebildet. Immerhin werden in dem Dörfchen Mogendorf und in Ransbach-Baumbach immer noch erhebliche Mengen von Steinkrügen produziert. Auch in Höhr-Grenzhausen gibt es noch Kannenbäckereien.

In vielen Haushalten sind immer noch die Produkte aus der Region zu finden, ausnahmslos versehen mit dem Etikett „Made in Germany“ oder genauer gesagt: „Made in Westerwald”. Denn die Erzeugnisse übertreffen die als Massenware hergestellten Töpfe und Pfannen aus Plastik oder Metall in der Qualität bei weitem. Doch der Wandel der Zeit ist auch am Kannenbäckerland nicht spurlos vorübergegangen.