Saarburg also. Knapp 8000 Einwohner, Bundesland Rheinland-Pfalz. Eine Kleinstadt, die nicht im Zentrum des Landes sich befindet, sondern im westlichen Hunsrück im Grenzgebiet zu Luxemburg; dort an den Rand der Republik gelehnt, weit entfernt von schillernden Ballungsgebieten mit den mächtigen Metropolen, in denen das Leben zu pulsieren scheint, aber oft nur oberflächlich dahinrast. Immerhin liegt Saarburg nahe bei Trier, jener von den alten Römern geschaffenen ältesten Stadt Deutschlands.
Erst als mich ein beruflicher Termin in den westlichen Hunsrück führte, lernte ich in späten Lebensjahren dieses Kleinod kennen, das eingebettet zwischen Weinhängen mit Riesling-Reben und dichten Wäldern sich zu dieser Zeit zu einem Anziehungspunkt gemausert hatte, dominiert von der Saar und überblickt von Burgruine gleichen Namens – gesegnet mit einem Wasserfall in der Altstadt, der für den Tourismus in Saarburg wahrlich Gold wert ist. Zwanzig Meter tief stürzt das rauschende Wasser über Felskaskaden zwischen Ober- und Unterstadt in die Tiefe.
Löschwasser und Mühlenantrieb
Dieses Spektakel ist keineswegs natürlicher Art, sondern dem profanen Grund geschuldet, die peitschende Kraft des Leukbachs und das Gefälle der Stadt zu nutzen, um sowohl Löschwasser bereit zu halten als auch aus wirtschaftlichen Gründen zwei Mühlen (Hackenberger ubnd Kürfürstliche) dauerhaft antreiben zu können. Touristische Erwägungen spielten beim Bau – genannt wird das 11./12. Jahrhundert – naturgemäß keine Rolle, doch rund um Wasserfall und Buttermarkt enstand damals ein besonderer Altstadt-Charme.

Saarburgs Zentrum mit Wasserfall, Altstadt und Buttermarkt wird von Marketing-Menschen gerne als „Klein-Venedig“ bezeichnet, was mir unnötig erscheint. Saarburg ist Saarburg – und die kleine Stadt spielt hier ihre Erkennungsmelodie, manchmal übermütig, dann wieder leise und zurückhaltend, jedenfalls nicht aufdringlich.
Die Fischer- und Schifferhäuser – auf schweren Eichenpfählen ruhend – sind bunt gestrichen und gepflegt, malerische Gassen machen das Flanieren zum Genuss. Ich sehe eine „Schatztruhe“ voller antiker Waren, eine Boutique mit feinen Gewändern und ein weniger modisches Texilgeschäft. Doch das sind neben einem Hotel eher die Ausnahmen von der Regel. Restaurants und Cafés sind in der Überzahl. Kleine Brücken oder Stege verbinden die beiden Seiten des Leukbachs bevor er nach dem Waserfall in die Saar mündet.
Gnädiger Schatten
Nach längerem Erkundungsgang setze ich mich an einen der Tische und beobachte eine ältere Dame, die an ihrem Kaffee nippt und vom Kuchen nascht, gleichzeitig mit einer hellbraun getigerten Katze palavert, die leise miauend um ihren Tisch herumstreicht. Schlechte Situation für einige Vögel, die am Boden herabgefallene Krümel aufpicken möchten. Ein Mann betagten Alters schmaucht genüsslich sein Pfeifchen. Aus einem der Lokale ertönt leise Musik, eher schnulzig als modern. Es kommt keine Hektik auf, selbst die Bedienenden strahlen Gelassenheit und Ruhe aus. Es ist Nachmittag, die Zeit scheint stillzustehen, es entwickelt sich ein Hang zur Schläfrigkeit. Weit aufgespannte Schirme spenden gnädigen Schatten gegen Sonnenstrahlen.

Ausser dem Wasserfall gibt es weitere Sehenswürdigkeiten wie die Museen Hackenberger Mühle und Amüseum sowie eine Glockengießerei – von der Burgruine die, der Stadt ihren Namen gibt, ganz zu schweigen. Die Veste wurde von Graf Siegfried von Luxemburg errichtet und erstmals 964 n. Christus urkundlich erwähnt. Sie war zeitweise Sitz der Trierer Erzbischöfe und wurde nach kriegerischen Auseinandersetzungen 1705 von französischen Heerscharen gesprengt. Teile der Umfassungsmauern sowie ein Wohnturm sind erhalten. Die Ruine gilt als eine der ältesten Höhenburgen in Südwestdeutschland.
Nicht alles lässt sich bei einem von Arbeit geprägten Kurzbesuch erfassen, dazu braucht es Zeit. Selbst eine halbstündige Informationsfahrt mit der schnuckeligen Saartalbahn reicht nicht aus. Alle Eindrücke von Saarburg sind nur Momentaufnahmen…
