Wahnsinn! Die internationalen Fußball-Klubs machen mit unvorstellbaren Summen Jagd auf die vermeintlich besten Spieler der Welt. Die Fußballtreter werden dabei mehr und mehr – und mit ihrem hoch vergütetem Einverständnis – zum handelbaren Gut. Als höchste Summe im Transfergeschäft werden die 222 Millionen Euro notiert, die 2017 beim Wechsel des damals 25jährigen Brasilianers Neymar da Silva Santos Júnior (kurz: Neymar) vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain flossen. Es würde den Rahmen sprengen, die Beträge und Spielernamen aufzulisten, die dem Neymar-Wechsel zuvor gingen oder folgten.
Wenn naive Betrachter glauben, bei den gigantischen Transfersummen könne es sich keinesfalls um real vorhandenes Geld handeln, sondern nur um Monopoly-Spielscheine, irren sie sich. Die Beträge sind keine Fiktion, vielmehr wiederkehrende Nachrichten aus dem kapitalistischen Fußball-Alltag, meist abgetan mit den lapidaren und resignierenden Feststellungen: „So ist das Geschäft“.
Verkürzte Schreibweise
Obwohl sich Fußballfreunde an solche (Un-)Summen gewöhnt haben, ist kaum jemandem bewusst, um welche Beträge es wirklich geht – was vor allem an unserer erlernten, verkürzten Schreibweise von Zahlen liegt. Wenn wir von der Zahl 1000 auf 1.000.000 wechseln, werden entweder nur drei Nullen angehängt oder ganz knapp nur von „1 Mio“ gesprochen. Eine Sache mit fataler Wirkung, müsste doch die Zahl 1000 immerhin eintausend Mal hingeschrieben werden, um auf eine Million zu kommen.
Der Heidelberger Wissenschaftsautor Hoimar von Ditfurth (1921-1989) hat in seinem Buch „Kinder des Weltalls“ ein Beispiel genannt, um die Dimensionen solcher Zahlen zu verdeutlichen:
„Bis tausend kann man, wenn man in jeder Sekunde eine Zahl ausspricht, in rund einer Viertelstunde zählen. Bis zu einer Million braucht man – einen achtstündigen Arbeitstag für das Zählen gerechnet – schon einen ganzen Monat.“
Für die 222 Millionen von Neymar wären 222 Monaten nötig, was immerhin achtzehneinhalb Jahren entspricht. Blickt man unter diesem Aspekt auf die Transfersummen, wird erst klar, um welche Beträge es sich in Wirklichkeit handelt.
Gott des Geldes
Ungeachtet dessen läuft die Geldmaschine Fußball weltweit (und neuerdings besonders in den arabischen Ländern) auf Hochtouren. Christian Streich, ehemaliger Trainer des Bundesligisten SC Freiburg, kommentierte solche Transfersumme seinerzeit: „Der Gott des Geldes wird immer größer, und irgendwann verschlingt er alles.“ Derweil sitzt Neymar – inzwischen in Santos tätig, einer brasilianischen Hafenstadt im Bundesstaat São Paulo – immer noch am Tisch und zählt Geld. Er hat noch einige Jahre zu tun…
