Was haben Fritz Walter und Karl-Heinz Körbel gemeinsam? Beide waren – mit unterschiedlichen fußballerischen Begabungen gesegnet – hervorragende Sportler, aber besonders aktiv in der Schlappekicker-Aktion der FR-Sportredaktion. Fritz Walter war lange Schirmherr, Karl-Heinz Körbel, immer noch Bundesliga-Rekordspieler von Eintracht Frankfurt (602 Spiele), ist es aktuell.
Jemand frage mich dieser Tage, um was es bei dieser Schlappekicker-Aktion der Tageszeitung Frankfurter Rundschau geht? Nach ihrer Selbstdarstellung unterstützt sie unverschuldet in Not geratenen Sportler und Sportlerinnen sowie Sportvereine und -initiativen, die sich in besonderer Weise gesellschaftlich engagieren. Die Spendensumme der Sammlung liegt nach 75 Jahren bei 2,8 Millionen Euro. Bescheiden spricht der Verein davon – Vorsitzender ist der ehmalige FR-Chefredakteur Arnd Festerling –, dies sei gewiss keine gigantische Summe im Vergleich zu TV-Spendengalas, aber gleichwohl ein beachtliches Ergebnis. Wie wahr!
Wenn heutzutage die Verleihung des Schlappekicker-Preises ansteht, werden neben den aktuellen Ereignissen jedoch Erinnerungen wach an die vergangenen Jahrzehnte, in denen es nicht nur um die Würdigung sozialpolitisches Engagements im Sport und um Integration junger Menschen in die Gesellschaft ging (heute ein Schwerpunkt), sondern um die direkte Unterstützung älterer, in Not geratener Sportler – und dabei spielte nicht allein finanzielle Hilfe eine Rolle, es ging auch um „moralisch-gesellschaftliche Aspekte“.
Der Anfang und die frühen Jahre
Erich Wick, der damalige Sportchef der FR, hatte Anfang der Fünfziger Jahre eine Geldsammlung ins Leben gerufen, um in Not geratene Sportler, egal ob bekannt oder unbekannt, finanziell zu unterstützen. Als Symbol (und Namen) benutzte er die Karikatur jenes „Schlappekickers“, der in einer samstäglichen Glosse den Sportteil der FR zierte. Wick erkannte jedoch schnell, dass Geldzuwendungen nicht ausreichen würden, um den Betroffenen Freude zu bereiten. Noch wichtiger schien, ihnen das Erlebnis der Gemeinsamkeit zu schenken. Einen Nachmittag im Kreise Gleichgesinnter zu verbringen, über vergangene Erlebnisse im Sport und die alltäglichen Dinge des Lebens zu plaudern – das war für die meisten sogar wichtiger als die materielle Hilfe, zumal es den meisten eher unangenehm war, als „Hilfsbedürftige“ ins Rampenlicht zu rücken. Kontakte zwischen den Bedürftigen und den Prominenten herzustellen, Gespräche zu führen, wurde zu einem zentralen Inhalt der Weihnachtsbegegnungen.

An verschiedenen Orten in Frankfurt wurde gefeiert, darunter im Rathaus-Casino am Römerberg, in der Turnhalle Oederweg, im Haus Dornbusch, im Henninger-Turm und im Titus-Forum Nordweststadt. Am intimsten war es im Henninger-Turm. Es war eng dort, die Plätze waren knapp, alle saßen dicht beieinander, und wenn die Kerzen flackerten und Franz Lambert an der Hammond-Orgel stimmungsvolle Weihnachtlieder spielte, mussten andere Spaßmacher auf der kleinen Bühne dafür sorgen, dass es nicht zu rührselig wurde.
Fußballstars und Trainer
Unter den Fußballern gab es kaum jemanden aus der Region, der nicht wenigstens einmal den Weg zur Schlappekicker-Feier fand, um den Bedürftigen Freude zu machen. Fritz Walter, der Schirmherr der Schlappekicker-Aktion geworden war, kam aus Kaiserslautern. Und es verstand sich von selbst, dass Alfred Pfaff, Richard Kress, Jürgen Grabowski, Bernd Hölzenbein, Bernd Nickel, Thomas Berthold, Dieter Stinka, Dieter Lindner, Andreas Möller, Manfred Binz, Ralf Weber und andere aus den Eintracht-Mannschaften nicht fehlten. Karl-Heinz Körbel lernte hier Fritz Walter kennen.
„Ich erinnere mich noch, wie ich 1973 als 19jähriger bei der Schlappekicker-Feier im Henninger-Turm Fritz Walter kennengelernt habe. Ich habe mich vorgestellt, und er bot mir sofort das DU an und sagte: Ich bin der Fritz.“
Hermann Nuber, Siggi Held und Dieter Müller aus Offenbach waren zu Gast, ebenso wie einmal der Hamburger Uwe Seeler. Die Bundestrainer Sepp Herberger, Helmut Schön, Jupp Derwall und Erich Ribbeck (zuvor auch Eintracht-Coach) saßen an den Tischen, in den Neunziger Jahren machte Franz Beckenbauer seine Aufwartung und plauderte in seiner charmant-witzigen Art über seine Sicht der Fußball-Dinge.

Rudi Völler, heute DFB-Direktor, gehört seit seinen Spielerzeiten zu den wichtigen Unterstützern. Dragoslav Stepanovic erklärte den Gästen in launigen Worten, dass „das Lewwe“ weitergeht. Vereinstrainer wie Paul Oßwald, Michael Skibbe, Dietrich Weise, Felix Magath, Klaus Schlappner, Udo Klug, Jörg Berger und Lothar Buchmann plauderten zu unterschiedlichen Zeiten über Fußball aus dem Nähkästchen.
Sylvia Schenk spielte mit
Auch Vereinsvorsitzende wie Waldemar Klein (Kickers Offenbach), Peter Fischer (Eintracht Frankfurt), Heinz Ludwig und Bernd Reisig (FSV Frankfurt), Siegfried Dietrich (1. FFC Frankfurt) machten ihre Aufwartung. Sylvia Schenk, Frankfurts ehemalige Sportdezernentin und der Aktion seit je her eng verbunden, schnürte einst für eine Schlappekicker-Mannschaft, in der neben FR-Redakteuren auch Willi Neuberger und Bernd Hölzenbein kickten, die Fußballstiefel, um Geld „einzuspielen.“
Die Eisstars Marika Kilius und Franz Ningel sind als Gäste zu nennen, aus der Leichtathletik Sprint-Olympiasieger Armin Hary, 800-Meter-Bronzemedaillengewinner Heinz Ulzheimer (Helsinki 1952), 400-Meter-Hürdenkönig Harald Schmid und Geher Bernhard Nermerich, die Radstars Didi Thurau, Rudi Altig und Horst Holzmann, Fecht-Olympiasiegerin Cornelia Hanisch, die Fußballerinnen Birgit Prinz und Steffi Jones, Tennisspielerin Eva Pfaff.
Helfer und Künstler
Wichtig für die Schlappekicker-Aktion und die Weihnachtsfeiern waren die Künstler und Helfer. Willy Groß, seinerzeit ein bekannter Fußball-Schiedrichter, sammelte Mark um Mark bei den Fußballvereinen und in Lokalen. Später übernahm Hans Lankes diese Rolle und füllte sie mit Leidenschaft aus. Die „Altsportlervereinigung“ und der „Club der Altfußballer“ spendeten hohe Summen, ganz zu schweigen von den unzähligen Einzelspendern, die ihr Scherflein beitrugen.
Die Schauspielerin Liesel Christ („Mama Hesselbach“) zählte als Chefin des Frankfurter Volkstheaters über ein Vierteljahrhundert zu den engagierten Künstlern, ebenso ARD-Börsianer Frank Lehmann. Die „Blaue-Bock-Wirtin“ Lia Wöhr mit ihrem „Kellner“ Reno Nonsens, Startrompeter Conny Jackel, „Scherz-Telefonierer“ Bodo Bach (Robert Treutel) waren in Einzelauftritten präsent.
Karl Oertl und Benny Maro
In all den Jahren haben sich noch zwei Mitwirkende um die Weihnachtsfeiern verdient gemacht: Der Zeilsheimer Schlagersänger Benny Maro, der über viele Jahre für gute Stimmung sorgte, und der Altenstädter Karnevalist Karl Oertl, viele Jahre Sitzungspräsident bei „Hesse lacht zur Fassenacht“ des Hessischen Rundfunks. Oertl engagierte sich neben seinen Auftritten auch im organisatorischen Bereich und sorgte mit Sponsoren für Geschenkpakete.

So viele Namen, aber immer neue kehren ins Gedächtnis zurück. Der Sänger Ivan Rebroff sang am Anfang seiner Karriere bei einer Schlappekicker-Feier. Zu Gast waren zahlreiche Frankfurter OBs wie Walter Wallmann, Rudi Arndt und Oberbürgermeisterin Petra Roth. Und Mike Josef, amtierender OB, lief zuletzt bei einem Benefizspiel in Walldorf auf. Die Gespräche und vielfältigen Kontakte zwischen Prominenten und Hilfsbedürftigen – in welcher Form auch immer – waren (und sind) ein Markenzeichen der Schlappekicker-Initiative.
PINNWAND, Spendenkonto: Schlappekicker-Aktion der Frankfurter Rundschau e.V., Frankfurter Volksbank. IBAN: DE64 5019 0000 6700 9870 25. - BIC: FFVBDEFF (ohne Gewähr)
