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Kunst

Fischerkoesen beflügelt von
Witz, Fantasie und Raffinesse

Der Leipziger Autor Jens Rübner hat sich mit dem Trickfilmer Fischkoesen beschäftigt und wirft einen Blick auf das Leben und die Arbeit eines großen Animationskünstlers.

Biografien über Persönlichkeiten wie Alfred Hitchcock oder Steve Jobs zu lesen, kann faszinierend sein; ob autorisiert oder nicht. Für meinen Geschmack sind sie oft spannender als Kriminalromane. Auch weniger berühmte Menschen bieten in ihren wechselvollen Lebensgeschichten Stoff für zeitgeschichtliche Erkenntnisse und Spiegelungen der gesellschaftlichen Verhältnisse. Das ist mir dieser Tage bewusst geworden, nachdem ich auf das Buch Herr Fischer aus Bad Kösen von Jens Rübner aufmerksam geworden bin.

Der Leipziger Schriftsteller hat nach intensiven Recherchen ein interessantes Buch vorgelegt. Er beschreibt das Leben des Trickfilmers und Vollblutkünstlers „Fischerkoesen“(1896-1973), dessen Geburtstag sich im Frühjahr 2026 zum 130. Mal gejährt hatte. Ein passenderen Anlass für die Beschreibung eines Lebensweges hätte es kaum geben können. 

Und warum setze ich den Namen „Fischerkoesen“ dreimal in Anführungszeichen? Weil er in Wirklichkeit nur Hans Fischer hieß, aber nach Beginn seiner Karriere seinen schlichten Allerweltsnamen mit seinem Geburtsort (Bad) Kösen kombinierte und zum eleganteren „Fischerkoesen“ aufhübschte, was schon einiges aussagt über den Mann, dessen Werbefilme in Deutschland Geschichte schrieben.

Fischerkoesen, der oft auch als deutscher Walt Disney bezeichnet wurde, verzauberte sein Publikum mit Witz, Fantasie und technischer Raffinesse. Auf dem Buch-Cover ist zu lesen: 

Jens Rübner taucht ein in ein Künstlerleben, dass Höhen hatte und mit Tiefen nicht sparte. Er schreibt,, Fischerkoesen hätte in seiner Karriere Kino-Leinwände zum Leuchten gebracht und Figuren erschaffen, die bis heute lebendig geblieben sind. Dazu gehören gewiss auch seine originellen Zeichnungen für Leipziger und international bekannte Markenprodukte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelte der Künstler in die Bundesrepublik über und gründete in der Nähe von Bonn neue Studios, die nach Etablierung des Fernsehens in den 1950er und 1960er Jahren gut zu tun hatten. Ohne es zu wissen, ahnte man beim Zusehen im Kino oder vor dem TV-Gerät schnell: Das ist von Fischerkoesen! 

HR-Fernseh-Maskottchen „Onkel Otto.“ (© Fischerkoesen)

Pfiffige Texte und originelle Bewegtbilder sprachen für sich. Eine seiner bekanntesten Kreationen war 1957 „Onkel Otto“ (eine Mischung aus Robbe und Seehund), den er als Maskottchen für das Werbeprogramm des Hessischen Rundfunks entwarf. 1959 folgte etwas ähnliches für den NDR in Form des „Sehpferdchens“.

Weitere Details über Hans Fischerkoesens Leben hier mitzuteilen, erspare ich mir. Ich überlasse dem Buchautor das Feld, der den geneigten Leserinnen und Lesern ein Füllhorn von Informationen bietet und auch politisch bedingte Kratzer aus den letzten Kriegstagen samt Enteignung und Inhaftierung 1945 thematisiert. Das Buch ist mit zahlreichen Fotos und Abbildungen garniert – für Freunde des Animationsfilms eine Fundgrube.