Bei der 103 Minuten andauernden Mondfinsternis trat der Vollmond vollständig in den Kernschatten der Erde ein. Das Sonnenlicht wurde auf eine besondere Art gebrochen, wobei die langwelligen roten Anteile dem verdunkelten Erdtrabanten ein düster-dunkelrotes Aussehen gaben. Vor dem Haus, in dem ich lebe, nahe des Frankfurter Flughafens, war diese Mondfinsternis freilich nur schwerlich zu geniessen. Intensiver Flugbetrieb am leicht verhangenen Himmel und eine grelle Straßenlaterne versperrten den Blick auf das Jahrhundert-Ereignis, dazu kamen mittelhohe Häuser und eine Gruppe dichter, hochragender Bäume, die die Sicht einengten.
Erst spät erhob sich dann der „Blutmond”, fast ein wenig schüchtern ob seiner ihm zugemessenen Bedeutung, über diese Hindernisse hinweg und gestattete doch noch einen späten Blick auf sein Gesicht. Doch auch als der Erdbegleiter sich auf seiner Erdumlaufbahn hoch genug erhoben hatte, blieb der rote Schein eher fahl und die Umrisse wirkten düster und verschwommen, fast so, als schäme er sich über die ihm zuteil gewordenen Aufmerksamkeit. Spät erst entdeckte ich auch den Planeten Mars, der in günstiger Konstellation zum Mond stand, und weit heller leuchtete als üblich.

Für die vielen Interessierten, die sich nicht nur mit bloßem Auge begnügten, sondern das Ereignis auf der Speicherkarte ihrer Kameras festhalten wollten, war es vernünftig, sich auf einen Gelände zu positionieren, das frei war von Gebäuden, Häuserschluchten, größeren Baumgruppen oder Lichtquellen. Bei kluger Voraussicht ergab sich dann tatsächlich ein freierer Blick auf den abendlichen Horizont, viel früher als anderswo sahen die Beobachter das aufsteigende Gestirn – unter so viel besseren Umständen gelang dann auch das obige Foto, aufgenommen von einem abgemähten Getreidefeld im Landkreis Groß-Gerau.
Durchaus ein glücklicher Zufall, weil doch in manchen Gegenden Deutschlands – wie ich später las –, die Menschen vergeblich in den Himmel starrten, da Wolken den Blick nach oben gänzlich versperrten. Auch Hamburg guckte „in die Röhre”.
