Zum x-ten Mal in Limburg an der Lahn, Domstadt mit Schloss, und diesmal auf kuriose Weise: Eine Autopanne zwingt mich in Niederselters in eine Werkstatt, der Schaden ist nicht schlimm, aber nur zeitaufwändig zu beheben. Was tun, um die Wartezeit der Reparatur zu überbrücken? Am bersten ins nahe Limburg fahren! Der örtliche Bahnhof ist in der Nähe, ein Regionalzug befördert mich in 20 Minuten schnurstracks in die Kreisstadt, die für mich keine Unbekannte ist.
Unzählige Male war ich schon aus verschiedenen Anlässen vor Ort: Mit einer Jugendgruppe im Paddelboot, rein privat in einem gerade gekauften Automobil, einmal mit dem Fahrrad und sogar mit dem ICE, der allerdings ausserhalb im Niemandsland (Limburg-Süd) im einzigen Bahnhof Deutschland hält, der nur von ICEs bedient wird, und von dem man sich – ist man erst mal ausgestiegen – mit Bus oder Taxi nach Limburg durchschlagen muss.
Vom Bahnhof schlendere ich in Richtung Zentrum, passiere die ringförmige Grabenstraße, lande in der Altstadt, wo mich Fleischgasse,, Bergstraße, Rossmarkt, Barfüsser Straße, Böhmer-, Rosen- und Salzgasse freundlich empfangen. Die Fachwerkhäuser bilden die mittelalterliche Vergangenheit der Stadt ab, das uralte Bauwerk „Kleine Rütsche 4”, das 1292 erbaut wurde, ist nicht ohne Grund eine Sehenswürdigkeit.

Neugierige Touristen flanieren durch den Stadtkern. Ermattet von harten Kopfsteinpflaster schmausen sie in Gaststätten und Cafés. Kleinere und größere Geschäfte bieten wohlfeile Dinge an (auch touristischen Schnick-Schnack), das Rathaus hat historischen Charakter und der Fischmarkt erinnert mich daran, dass man sich direkt an der Lahn befindet, einem lieblichen Fluss, der im Rothaargebirge (NRW) entspringt, Teile Hessens durchfließt und nach 242 Kilometern bei Lahnstein (Rheinland-Pfalz) in den Rhein mündet.
Den Weg zum stadtdominierenden Dom mit seinen vielen Türmen und strahlend bunten Fensterscheiben habe ich schon vor Jahren erklommen; lasse ihn also diesmal – auch aus Zeitgründen – links liegen, teile aber gerne mit, dass er jeden Tag von 9 bis 19 Uhr zu besichtigen ist, alleine oder indem man sich eine der organisierten Führungen anschließt. Das kleine Schloss daneben wird fast erschlagen von der Kirche und wirkt wie ein lästiges Anhängsel.

Nach vier kurzweiligen Stunden und aufgefrischten Eindrücken Limburgs trete die Rückfahrt nach Niederselters an. Ich verlasse die beschauliche, liebenswerte Stadt, die allerdings unversehens und ohne eigene Schuld in die Schlagzeilen geriet, weil der damalige Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst mit über 31 Millionen teuren, luxuriösen Baumaßnahmen auffällig geworden war. Doch das ist eine andere Geschichte…
