Der Streaming-Dienst mit dem Apfel bietet mir eine Reihe von alten Komödien an, in denen Louis de Funès (1914-1983) die Hauptrolle spielt. Wenn ich den Film Der Gendarm von St. Tropez kaufe, habe ich 9,99 Euro zu berappen (im Klartext: 10,00), wenn ich nur ausleihe, werden 3,99 Euro fällig. Lohnt sich das? Wahrscheinlich nicht. Aber das ist Ansichtssache. Der französische Filmkomiker hat in den Sechziger und Siebziger Jahren im Kino (und später) im Fernsehen Generationen von Menschen zum Lachen gebracht. Übertriebene Nervosität und Fahrigkeit gehören zu seinem Handwerkszeug, manchmal nicht nur spaßig, sondern auch nervig. Aber Millionen Menschen liebten seine hektischen Zelluloid-Auftritte. Ich erinnere mich…
Der von Louis de Funès geschaffene Typ des Spießbürgers, der einerseits vor der Obrigkeit kuscht, aber seine Untergebenen kujoniert, gefiel den meisten Zuschauern. Wahrscheinlich, weil sie in seinem Auftreten ein Spiegelbild ihrer eigenen Lebenserfahrungen sahen. Weil der Schauspieler oft als staatstreuer Untertan und Gendarm temporeich und grotesk überspitzte, wurden die von der Obrigkeit vorgegebenen Normen der Lächerlichkeit preisgegeben. Obwohl die Darstellungen oft in puren Klamauk abdrifteten, wirkte das nicht grobschlächtig, sondern als Kratzen an den politischen Strukturen. Weltverbesserer oder Gesellschaftskritiker war der aber Komiker nicht, zumal er im Privatleben ohnehin konservativem Denken verhaftet war.
Viele Berufe in der Jugend
Bei meinen Nachforschungen über das Leben von Louis de Funès erfuhr ich aus verschiedenen Quellen, darunter auch Wikipedia, dass der Schauspieler mit Geburtsnamen Louis Germain David de Funès de Galarza hieß. Seine Eltern waren 1904 von Spanien nach Frankreich eingewandert; der Vater starb früh, Louis selbst verbrachte seine Kindheit in Villiers-sur-Marne, wo er als Fünfjähriger bei seiner Mutter das Klavierspielen lernte. In seiner Jugend versuchte er sich als Kürschner, Zeichner, Dekorateur und Buchhalter. Zeitweise verdiente er seine Brötchen als Jazzpianist, wobei ihm bescheinigt wurde, auf diesem Gebiet ein gutes Niveau erreicht zu haben.
In jungen Jahren hatte sich Louis de Funès nur nebenbei mit der Schauspielerei befasst. Er war schon über zwei Jahrzehnte auf der Bühne und in rund 40 Filmen in kleinen Rollen aufgetreten, ehe ihm Anfang der 60er Jahre am Theater mit der Komödie Oscar der Durchbruch gelang. In der Hauptrolle des Geschäftsmannes Barnier, der ständig seine Familie tyrannisiert, schuf er den Typ des Grimasse schneidenden Cholerikers. Eine Rolle, die später in seinen Filmen zum Standardrepertoire wurde.
Die Kassen klingeln…
Im Sommer 1964 drehte Louis de Funès innerhalb von nur vier Monaten drei Filme, die die Kinokassen klingeln ließen: Da waren Der Gendarm von Saint Tropez (als Hauptdarsteller), Fantomas (als Mitspieler des großen Jean Marais) sowie Louis, das Schlitzohr (als zweiter Komiker neben dem schon berühmten Bourvil. Weitere interessante Filme waren Der Querkopf, Louis und seine verrückten Politessen, Balduin, der Trockenschwimmer, Der Gendarm von Paris, Der Gendarm vom Broadway, Louis, der Schürzenjäger, Balduin, der Schrecken von St. Tropez und Brust oder Keule. Die Liste ist unvollständig.

Funès war eine interessante Filmfigur, ich erinnere mich gerne an seine Auftritte, obwohl er mir auf der Leinwand oft genug zu hyperaktiv war. Gleichwohl habe ich das Angebot aus der Apfelplantage nicht angenommen; weder einen Film geliehen noch gekauft. Man muss nicht alles haben. Wenn ich den Komiker in einem TV-Programm entdecke, schaue ich aber gerne mal rein…
