Bei einem Discounter fiel mir ein Werbeprospekt in die Hände, in dem ein Kurzbesuch im Elbsandsteingebirge offeriert wurde. Hauptattraktion der kleinen Reise in die Sächsische Schweiz soll der Besuch der Bastei sein, kein Wunder, ist doch diese eigenartige Felsformation ein touristischer Hotspot ersten Ranges. Beim Lesen der Annonce, die mir eine Zwei-Tage-Reise für 160 Euro schmackhaft machte, erinnerte ich mich daran, in dieser schönen Gegend vor Jahren bereits zweieinhalb schöne Sommertage verbracht zu haben.
Zwei Sommertage in einer kleinen Pension in Hohenstein nächtigend, einfaches Interieur, aber solide und zeitgemäß eingerichtet für Naturliebhaber. Die Bastei nicht weit entfernt, an manchen Tagen überlaufen, bei trübem Wetter eher still vor sich hindämmernd, auf jeden Fall interessant und als beliebtestes Fotomotiv dieser Region gut besucht, lebhaftes Treiben auf der 76 Meter langen steinernen Brücke, die 1850/1851 erbaut wurde, um einen 30 Jahre zuvor provisorisch errichteten und brüchig gewordenen Holzsteg zu ersetzen.
Paradies für Bergsteiger
Auf der Brücke stehend, sehe ich immer wieder Kletterer, die sich darin üben, die steil aufragenden Felskolosse ohne technische Hilfsmittel zu bezwingen. Nicht überraschend, ist das Elbsandsteingebirge doch seit jeher ein Paradies für Bergsteiger. Die Sächsische Schweiz mit 13 Klettergebieten ist seit 2024 immaterielles Kulturerbe und gilt mit über 1000 für das Erklimmen zugelassener Gipfel als „Wiege“ des Freikletterns. Die Vorschriften für dieses „Steilwand-Turnen“ als eigenständige Form des Bergsteigens sind allerdings streng. Sandstein und die übrige Natur sollen geschützt werden – und auch die Menschen selbst.

In näherer und weiterer Umgebung der Bastei gibt es besuchenswerte Örtlichkeiten. Zum Beispiel den „Tafelberg“ Lilienstein, eine Erhebung mit flachem Gipfel sowie relativ steilen Hängen. Meist sind solche Berggebilde – so die Geologen – durch Erosion aus horizontal aufgetürmten Gesteinen (Sand oder vulkanischen Deckschichten) entstanden. Ich erinere mich gut daran, diesen Tafelberg erklommen zu haben und vom 415 Meter hohen Plateau mit schönen Aussichten belohnt worden zu sein.
Im Osten sah ich das Kurstädtchen Bad Schandau, dahinter die Schrammsteine und den Großen Winterberg; westwärts den Cottaer Spitzberg und das Dresdner Elbtal; im wenig spektakulären Norden das Lausitzer Bergland, wo sich die Städtchen Neustadt und Stolpen im Frühdunst noch verbargen. Im Süden Tschechien, in dem die Landschaft als Böhmische Schweiz bezeichnet wird; südlich das Städtchen Königstein und die berühmte Festung gleichen Namens.
Festung Königstein
Und diese Festung Königstein ist aus vielerlei Gründen beindruckend. An Details erinnere mich nach so vielen Jahren nicht mehr, doch dank des Internets ruft mir eine kurze Information auf der Webseite „Schlösserland Sachsen“ einiges ins Gedächtnis zurück. Auf der Festung sind die älteste erhaltene Kaserne Deutschlands, der tiefste Brunnen Sachsens, die erste Garnisonskirche Sachsens sowie die Nachbildung des berühmten Riesenfasses von August dem Starken zu bestaunen. Die als unbezwingbar geltende „Sächsische Bastille“ soll auch den Porzellan-Erfinder Johann Friedrich Böttger vor dem Zugriff anderer Machthaber, die seine Kunstfertigkeit für sich ausbeuten wollten, geschützt haben Oder sollten doch eher seine pekuinären Fluchtgedanken in benachbarte Fürstentümer verhindert werden? Eine Frage für Historiker.
Historisch betrachtet ist das alles höchst interessant, die Natur lädt mit ihren seltsamen Formationen ebenfalls ein. Steht also nach langer Zeit eine Zwei-Tagesreise in das Elbsandsteingebirge wieder auf der Tagesordnung? Die Frage ist noch nicht entschieden, doch als ich im ARD-Fernsehkanal „Alpha“ Panorama-Bilder aus dem Ort Rathmannsdorf nahe der Bastei sehe, steigt die Lust…
PINNWAND: Die Regeln für das Klettern im Elbsandsteingebirge sind zu umfangreich, um sie in diesem kleinen Reise-Beitrag zu erläutern. Im Internet sind Details nachzulesen.
