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„Ein Apfel am Tag, mit
dem Doktor kei’ Plag!“

Die aromatischen Äpfel Jonagold und Elstar gehören zu den Klassikern in Südtirol, wo jährlich rund 950.000 Tonnen unterschiedlicher Sorten geerntet werden. Blick an die Etsch.

Der Spruch „Ein Apfel am Tag, mit dem Doktor kei’ Plag!“ suggeriert, wie gesund Äpfel für die Menschen sind. Obwohl die knackigen Früchte auf Dauer nicht wirklich gegen ernsthafte Erkrankungen schützen, stärkt der täglichen Verzehr den Mineralienhaushalt im Körper und hält ihn dauerhaft in Form. Für Obstbauern ist ein solches Zitat als Marketing-Gag gewiss Gold wert. Gäbe es den Satz nicht, müsste er schnellstens von PR-Menschen erfunden werden.

Von Werbeleuten stammen auch die Informationen über den Äpfel-Anbau in Europa: Wichtige Anbaugebiete in Deutschland sind demnach das Alte Land bei Hamburg, das Bodensee-Gebiet, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Im Alten Land werden im Schnitt rund 250.000 Tonnen Äpfel pro Jahr geerntet. Der Bodensee bietet mit vielen Sonnenstunden ebenfalls ein angenehmes Klima – deshalb pflücken mehr als 2000 Betriebe in den dortigen Gebieten jährlich rund 220.000 Tonnen.

Von Südtirol übertroffen

Übertroffen werden die deutschen Standorte allerdings vom zu Italien zählenden Südtirol. 950.000 Tonnen wandern aus dieser Region in die Verarbeitung oder zu den Verbrauchern in die Supermärkte; das sind zehn Prozent der europäischen Produktion wie ich einer Wirtschaftsmeldung in der Bozner Regionalzeitung Dolomiten entnehme. Die Bedingungen für den Apfelanbau  sind demnach im Vinschgau zwischen Reschenpass und Meran besonders günstig, weil das mediterrane Klima mit meist 300 sonnigen Tagen im Jahr und der milde Herbst qualitativ hochwertige Äpfel reifen lassen. Im Etschtal zwischen Meran und Bozen sowie an der Weinstraße bei Kaltern gibt es ebenfalls hervorragende Bedingungen für den Anbau.

Über 7000 Familienbetriebe sind damit beschäftigt, im Herbst die Äpfel von den Bäumen zu „klauben“. Hauptsächlich die aromatischen Jonagold und Elstar, aber auch die säuerlichen Granny Smith, Idared, Topaz und Morgenduft. Saftige Braeburn, Fuji und Winesap oder klassische Golden und Red Delicious sind beliebt. Für Apfelfreunde gibt es alles, was Herz und Gaumen begehren.

Obstbauer an der Apfelkiste. (Foto: IDM, Apfelkonsortium Südtirol, Patrick Schwienbacher)

Erntebeobachtungen im Oktober. Südlich von Lana wandere ich auf einem schmalen Pfad durch ausgedehnte Plantagen, gelegentlich wird das Bild unterbrochen von Weinreben. Ich war im Frühling schon hier, habe die Blütezeit erlebt; Bewässerungsanlagen haben ganzjährig im Schein der strahlenden Sonne sanften Regen versprüht, leichte Wellen des kostbaren Wassers den Früchten Nahrung zum Wachstum gegeben, ehe geerntet wird. Zwischen den Bäumen steht ein Traktor mit Anhänger, auf dem sich Kisten stapeln, einige davon sind voller leuchtender Äpfel. Erntehelfer stehen auf Leitern und lassen die Früchte in korbähnlichen Umhängetaschen verschwinden. Wenn sie gefüllt und schwer sind von der Last, werden sie vorsichtig in die Kisten geschüttet. 

Alte und moderne Methoden

Das ist die alte Art, Äpfel zu ernten. Sie wird in Hanglagen oder schwierigem Gelände praktiziert. Der Pflücker erzählt, dass an dieser Stelle wegen des instabilen Untergrunds die alte Methode die effektivere ist. Für flacheres Terrain gibt es helfende Erntemaschinen; zwar muss der Apfel auch dort noch immer von Hand gepflückt werden, kann aber ohne Umweg auf eine Schiene und von dort in die Kisten befördert werden. 

Moderne Erntemaschine. (Foto: Industrieblick / Stock.adobe.com)

Die Fuhrwerke sind beladen und werden mit ihrer kostbaren Fracht über enge Wege und Straßen in die Hallen der Gernossenschaften gefahren, in denen Lagerung, Verarbeitung (und Versand zum Verkauf) erfolgen. Natürlich mit einem Augenzwinkern auf den nützlich-gesunden Apfelverzehr.