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Kultur

Kreiselkunst aus Ziegelsteinen,
Quarzit und Stahlröhrchen

„Himmelstein”, „Drei hohe Tore” und „Gegen den Strich”: – drei Kunstwerke, die in der Mitte dreier Verkehrskreisel in Mörfelden-Walldorf ihren Platz gefunden haben. Eine Betrachtung.

Doppelstadt Mörfelden-Walldorf, nahe des Frankfurter Flughafens, acht Verkehrskreisel! Teils naturbelassen, andere bestückt mit Skulpturen unterschiedlicher Art. Ich fahre durch die Straßen, passiere immer wieder diese Kunstwerke und weiß sogleich: Ich lebe in einer Gemeinde, die sich im Laufe von vielen Jahren einen guten Ruf als „Stadt der Skulpturen” erworben hat – beruhend auf einer Ausstellung, die seit 1998 alljährlich im Sommer im Bürgerpark bildenden Künstlern die Möglichkeit bietet, ihre Werke einem breiten Publikum vorzustellen. Im Nachklang schmücken derzeit drei dieser Werke auch Verkehrskreisel in der Doppelstadt. Zwei im Stadtteil Mörfelden, eine in Walldorf. Zwei weitere Kunstwerk sind in Mörfelden und Walldorf zu besichtigen, zählen aber zu anderen Kategorien.

Für mich am beeindruckendsten der so genannte „Himmelstein”, der seit 2012 den Verkehrskreisel am Vitrolles-Ring, Ecke Zillering in Mörfelden schmückt. Es handelt sich um eine Leihgabe des Bildhauers Rudolf J. Kaltenbach. Dieser teils naturblau angehauchte Stein besteht aus sehr beständigem Quarzit, kommt aus Brasilien und ist entschieden teurer als herkömmlicher Stein. Mit einem Frachter kam der Koloss nach Bremen und von dort per Zug nach Brück in Brandenburg, wo ihn Kaltenbach bei einer Granitfirma mit einer Diamantsäge bearbeitete. Das blassblaue Innere soll Kaltenbach dazu angeregt haben, den Stein zu „öffnen“, um  diesen Farbton sichtbar zu machen. Ursprünglich ausgestellt 2010 im Mörfelden-Walldorfer Skulpturenpark und mit dem Publikumspreis ausgezeichnet, danach als Leihgabe an Mörfelden-Walld<orf gegangen.

„Die drei Tore“ von Sigrid Siegele in Walldorf 2026. (© Signale/ES)

Die 2017 verstorbene Darmstädter Künstlerin Sigrid Siegele gewann 2000 den 1. Preis der „Skulpturen im Park”-Ausstellung mit  einem Kunstwerk, das sie „Drei hohe Tore” nannte. Wenn ich den Kreisel an der Okrifteler Straße/Ecke Nordring in Walldorf benutzte, umfahre ich die drei steinernen Säulen aus Ziegelsteinen, jede mit einer weichen Verformung und andersartig  gestaltet, aber jedes mit einer Öffnung versehen und als Tor zu definieren, das aus unterschiedlichen Anlässen zu durchschreiten ist.

Manchmal denke ich, es sind Begrüßungsstelen für eine immer stärker pulsierende Stadt. Die Straßen sind viel befahren, weil Aus- und Einfallstor zwischen Flughafen und Walldorf. Mehrere Buslinien nutzen den Kreisel, der umgeben ist vom alten Feuerwehrhaus, Sporthalle, Bauhof und Stadtpolizei-Domizil. Ohne die Tore wäre der Kreisel öde und leer, obwohl der Autofahrer die Kunst kaum wahrnimmt, zu stark muss er sich auf den Verkehr konzentrieren…

Angelika Summas Röhrchen in Mörfelden zur Kugel verarbeitet. (© Signale/ES)

Angelika Summa, geboren 1952 Bayreuth, lebt und arbeitet in Würzburg. Ihre aus dünnen, gebogenen Stahlrohren geschweisste Kugel mit 2,20 Meter Durchmesser, betitelt „Gegen den Strich”, war ebenfalls im Skulpturenpark aufgestellt und wurde später dem Kreisel Rüsselsheimer Straße, Gärtnerweg, Bahndamm zugeordnet. Summas Intention ist, aus dem ursprünglichem Chaos vieler Einzelteile ein geordnetes Ganzes zu schaffen. Ihr bevorzugte Material sind Drähte und Rohre in unterschiedlichen Stärken.

Mit Techniken wie Wickeln, Verknoten, Knüpfen, Häkeln, aber auch Löten und Schweissen, formt sie sowohl filigrane Kleinobjekte als auch raumgreifende Skulpturen wie die Kugel von Mörfelden, die mich an einen Wollknäuel erinnert, dessen langer Faden sich an der Oberfläche zu einem Ball  verwickelt.

Andere Intentionen

Nicht aus dem Skulpturenpark stammend sind die Kunstwerke im Kreisel der Rüsselsheimer Straße am Schlichter. Künstler aus den Mörfelden-Walldorfer Partnerstädten Torre Pellice (Italien), Vitrolles (Frankreich) und Wageningen (Niederlande) gestalteten mit Einzelstücken das Ensemble, das  am 5. April 2014 eingeweiht wurde.

Drei Kunstwerke im Kreisel an der B 486 in Mörfelden. (© Signale/ES)

Ein spezielles Objekt ziert den Ortsteil Walldorf. An der Ecke Mörfelder Straße/Alpenring entstand 2025 als Sinnbild für eine offene und vielfältige Stadt der so genannte Regenbogenkreisel, der von Schülerinnen und Schülern der Bertha von Suttner-Schule unter Leitung der Künstlerin Olga Batt gestaltet wurde. Der mit bunten Farben getünchte winzige Kreisel soll den Charakter der Stadt symbolisieren, in der Menschen mit unterschiedlichen Lebensentwürfen, Herkünften und geschlechtlichen Identitäten leben. Kurz nach der Einweihung wurde der Kreisel von Ewiggestrigen beschmiert und verunstaltet, was umgehend eine Protestdemonstration politisch engagierter Menschen auslöste.

Der Regenbogen-Kreisel in Walldorf. (© Signale/ES)