Schwarzwaldmädel bezaubert in „ländlicher Verkleidung“

Schwarzwaldmädel war 1950 der erste westdeutsche Nachkriegsfarbfilm und zugleich Impulsgeber für ein Serie triefender Heimatschnulzen. (Symbolfoto: Heim/ Shutterstock.com)

Azurblauer Himmel, Eisrevue-Szenen, ein farbenfrohes Trachtenfest, die Dorfkirche gespickt mit Chorknaben, singende, herzige Vagabunden: alles, was die deutsche Traumfabrik 1950 zu bieten hat, ist von Kameramann Kurt Schulz im Auftrag der Berolina-Film belichtet worden. Ein wirtschaftswunderliches, rotes Cabrio aus Kölner Landen ist zu sehen, und dazu Darsteller wie geschaffen für die üppige Mischung aus ländlicher Idylle und mondänem Großstadtflair. Der Österreicher Rudolf Prack (45) gibt den jugendlichen Liebhaber und als Partnerin tritt Sonja Ziemann auf. Der kometenhaft aufgestiegene Jungstar bezaubert, wie der Filmkritiker Dieter Fritko in der „Frankfurter Rundschau“ schreibt, auch in der „unechtesten ländlichen Verkleidung.”

Der Film trägt den Titel Schwarzwaldmädel und ist der erste westdeutsche Nachkriegsfilm in Farbe, beruhend auf einer Operette von Leon Jessel und August Neithard. Die Schnulze passt in die Stimmung jener Tage, in denen Harmoniesucht und wirtschaftliche Aufbruchstimmung herrscht, obwohl sich der Ost-West-Konflikt verschärft, im fernen Korea Schlachten toben und die Wiederbewaffnung Westdeutschlands auf der Tagesordnung steht. 

Davon wollen die Menschen nichts wissen. Die meisten sind nach den bitteren Tagen des Zweiten Weltkrieges auf der Suche nach einer heilen Welt. Die kitschige Romantik des Films gibt den Anstoss für jene Schnulzenwelle, die in den Fünfziger Jahren die Kinos der Bundesrepublik überschwemmen wird und die so genannten „Trümmerfilme“ wegwischt. Das beschert dem Herzog-Filmverleih Rekordgewinne.

Deutsche Uraufführung ist am 7. September 1950 in den Universum-Lichtspielen in Stuttgart, eine Woche später startet der Streifen im Frankfurter Turmpalast am Eschenheimer Tor. Die Theaterbesitzer Lubliner, Froechte und Ulbrich inszenieren zusammen mit dem Verleih einen Riesenrummel. Das intensiv beworbene „Großereignis“ ist operettenähnlich wie der Film aufgezogen und voller Seelenschmalz. Im Turmpalast wird ein Postamt im Stil eines Schwarzwaldhauses eingerichtet, dort können sich Besucher den ersten „Film-Sonderstempel in der Geschichte der Deutschen Bundespost“ auf Briefe und Postkarten drücken lassen, ein Angebot, das sich kaum jemand entgegen lässt.

Vergilbte Farben: Sonja Ziemann und Rudolf Prack. (Foto: Imago/ United Archives)

Knisternde Spannung, nachdem das Licht im Saal ausgeschaltet ist. Regisseur Hans Deppe erzählt dem erwartungsvollen Publikum die Geschichte des Malers Hans Hauser (Rudolf Prack), der auf einem Maskenball die als Schwarzwaldmädel auftretende Sekretärin Bärbel (Sonja Ziemann) kennenlernt und nach zahlreichen Irrungen, unter anderem um die Revuesängerin Malwine (Gretl Schörg) und den Domkapellmeister Römer (Paul Hörbiger), am Ende mit Bärbel zusammenkommt. Wer hätte das (nicht) gedacht? Ende gut, alles gut und begeisterte Zuschauer. Schwarzwaldmädel – ein Stück deutscher Film- und Kinogeschichte…