Arbeitshandschuhe der ganz besonderen Art

Zu einem Schnäppchenpreis von 1,25 Euro habe ich bei einem Discounter Arbeitshandschuhe mit exzellenter „Bedienungsanleitung“ gekauft: Eine Erfahrung der ganz besonderen Art.

Weil die alten Arbeitshandschuhe für den Garten verschlissen sind, habe ich bei einem Discounter für den Schnäppchenpreis von 1.25 Euro neue Fingerschützer gekauft. Eine einfache Sache, oder doch nicht? Die Arbeitshandschuhe sind schlicht. Mir ist klar, dass ich für 1,25 Euro nichts anderes erwarten kann? Es scheint aber Qualitätsware zu sein, denn die für Gartenarbeit erworbenen Fingerschoner werden mit einer „Betriebsanleitung“ ausgeliefert. Als Nutzer erfahre ich (in kleinstmöglicher Schrift), dass die Schutzhandschuhe nach der „EG-Richtlinie 89/686 EWG Anhang II, Abschnitt 1.4” zertifiziert sind, aber wegen eines anderen Paragrafen von der „Baumusterprüfung“ ausgenommen wurden. Was hat das zu bedeuten? Ich weiß es nicht.

Eine unmissverständliche Warnung folgt auf dem Fuß, denn „bei einer unsachgemäßen Lagerung in feuchten Räumen, bei Lichteinfluss oder falschen Temperaturen kann eine Änderung ihrer Eigenschaften eintreten.“ Deshalb heisst es in aller Klarheit: „Eine Verfallszeit kann nicht genannt werden, da eine Abhängigkeit zum Grad des Verschleißes, des Gebrauchs und zu dem Einsatzgebiet besteht.“ Höchst beunruhigend.

Abgesehen davon wird eine ordentliche Pflege mittels handelsüblicher Reinigungsmittel, alternativ mit Bürsten oder Putzlappen, angeraten. Wer hätte das gedacht? Allerdings taucht mit der Empfehlung sogleich die nächste Warnung auf, denn: „Waschen oder chemisches Reinigen macht eine vorherige Beratung eines anerkannten Fachbetriebs erforderlich.“ Woher den nehmen, frage ich mich irritiert und entscheide mich, die Handschuhe mit Bürste und Putzlappen zu reinigen ohne einen Fachbetrieb zu konsultieren.

Vorsorglich fordert der Discounter ultimativ: „Sie sind dazu verpflichtet, diese Informationsbroschüre jeder persönlichen Schutzausrüstung bei Weitergabe beizufügen bzw. dem Empfänger auszuhändigen.“ Ich möchte die für 1,25 Euro erworbenen Handschuhe keinesfalls weiter verkaufen, was mich zu einem wahren Glückspilz im bürokratischen Dschungel macht.

Beruhigend ist folgende Mitteilung: „In Verbindung mit diesem Produkt sind bisher keine Substanzen bekannt, die Auswirkungen auf die Gesundheit des Benutzers haben könnten.“ Das ist gut zu wissen, verschwindet doch jede Nervosität, andererseits: „Hautreizungen bei besonders empfindlichen Personen bedürfen einer gesonderten Analyse mit spezieller Beratung.“ Ich atme auf, weiß ich doch von meiner Hautunempfindlichkeit und muss mich deshalb analytisch nicht beraten lassen. Dem Stutzen der die Rosenhecke steht auch nichts mehr im Weg…