„Rex“-Eröffnung mit einem Wiener Sketch-Klassiker

Erinnerung an das Frankfurter Rex-Kino, das 1952 mit „Hallo Dienstmann“ eröffnet und 25 Jahre später geschlossen wurde. Hans Moser (Foto: Imago) in einer Paraderolle.

In den ersten Nachkriegsjahren, als das Fernsehen noch in den Kinderschuhen steckte, schossen in der Frankfurter Innenstadt die Erstaufführungskinos wie Pilze aus dem Boden. Die meisten wurden auf altem Grund und Boden nach Beseitigung der Kriegsschäden neu eröffnet: Bieberbau, Scala  (1947), Luxor, Eden, Roxy (1948), Metro im Schwan, Filmpalast (1949), Turmpalast (1950). Es folgten Europapalast, Zeil, Rex (1952), Olympia (1954), Alemannia, Grandpalast (1955) Gloria, Cinema (1956) und das MGM-Theater (1957). 

Die Rex-Lichtspiele waren das 52. Kino, das im Nachkriegsfrankfurt den Betrieb aufnahm (29. Januar 1952). Das Theater befand sich in der Kaiserstraße 64 (damals noch Friedrich-Ebert-Straße) in der Nähe des Hauptbahnhofs und an gleicher Stelle, an dem in früheren Jahren das Luitpold residiert hatte. Die Betreiber waren Heribert Froechte und Hans Ulbrich, die auch am Bieberbau (Hauptwache) und am Turmpalast (Eschenheimer Turm) beteiligt waren. Der Saal lag leicht erhöht in der Passage, die zur Taunusstraße führte. Eine palastartige, breite Treppe führte in den Saal mit silbergrau abgesteppten Wänden, die allerdings ein wenig kühl wirkten, und denen nach Ansicht von FR-Berichterstatter Dieter Fritko  ein wenig mehr „Weichheit“ gut zu Gesicht gestanden hätte. 

Das Mariandl

Am Dienstag, 29. Januar startete im Rex die österreichische Komödie Hallo Dienstmann. Vier der Mitwirkenden waren vom Constantin-Verleih eigens nach Frankfurt zur Erstaufführung beordert worden: Paul Hörbiger und die Hauptdarstellerin Maria Andergast – einige Jahre zuvor als „Mariandl”-Interpretin aus Der Hofrat Geiger in aller Ohren –, außerdem Regisseur Franz Antel und Komponist Hans Lang. Die Hauptperson fehlte allerdings. Hans Moser war wegen anderer Verpflichtungen unabkömmlich. So übernahm Hörbiger die Rolle des launigen Presse-Unterhalters. Den neugierigen Journalisten wollte er schlitzohrig den Wind aus den Segeln nehmen, als er in ironischer Übertreibung sagte: 

„Wissen’s mit mir können’s schwer über Filme reden, weil i niemols ins Kino geh!“ 

Das glaube natürlich niemand, es gab Gelächter und auch Hörbiger fiel mit einem Augenzwinkern ein. Er bestätigte, dass er selbst den Film initiiert hatte, denn als junger, unbekannter Schauspieler habe er den älteren Hans Moser bewundert. In den Zwanziger Jahren habe er Moser auf der Bühne in dessen Sketch „Der Dienstmann“ gesehen, was zu dessen populärster Rolle geworden sei und für Moser den Durchbruch bedeutet hätte. Daran wollte er erinnern.

Wer nach Jahrzehnten Hallo Dienstmann sieht, wird irritiert sein über die im letzten Filmdrittel sichtbar werdende Prüderie und Sittenstrenge, was jüngeren Menschen allerdings Gelegenheit gibt, sich in eine Zeit hineinzuversetzen, die das private Leben und Lieben auf oft unerträgliche Weise einengte. Der Sketch stammte schließlich aus den frühen Zwanziger Jahren, und entsprach auch Mosers persönlicher Lebensauffassung, wie der Moser-Biografie von Hedi Schulz zu entnehmen ist.

Verwechslungskomödie

Der Film, der rein gar nichts anderes will als zu unterhalten, ist eine Verwechselungskomödie, in der sich ein gewisser Professor Godai (Paul Hörbiger) für einen Maskenball als Dienstmann verkleidet hat. Frühmorgens trifft er, mehr als leicht angeheitert und immer noch kostümiert, in einem Bahnhofslokal auf den echten Dienstmann Anton (Hans Moser), und aus dieser Situation ergeben sich allerlei erquickliche Situationen. Als Godai die junge Frau Brandstätter (Maria Andergast) kennenlernt, die sich als eine neue Kollegin von ihm entpuppt, hat er Müh’ und Not, seine Verkleidung wieder loszuwerden. 

Das berühmt gewordene Gesangseinlage von Moser und Hörbiger: „Hallo Dienstmann!“ beschliesst den Schwank, in dem Moser – wie in vielen anderen Streifen – dem so genannten „Kleinen Mann“ ein Gesicht gibt. Moser, obwohl abwesend, beherrschte am Premierentag die Rex-Lichtspiele bei jeder Vorführung.

QUELLENANGABEN: „Frankfurter Rundschau", Dieter Fritko (30. Januar 1952). – „Lebende Bilder einer Stadt, Kino und Film in Frankfurt am Main" (Deutsches Filmmuseum 1994). – „Hans Moser, der große Volksschauspieler, wie er lebte und spielte". (Hedi Schulz, Lebensbilder-Serie im Ullstein-Verlag 1982).