Parkhaus an der Hauptwache tritt ins Rentenalter ein

Das Parkhaus Hauptwache in Frankfurt wurde am 18. September 2021 genau 65 Jahre alt. Es ist die älteste „Beherbergungsstätte” für Autos in Deutschland. Ein Kurzbesuch.

Ein Parkhaus ist ein Parkhaus, ein Parkhaus, ein Parkhaus! – und hat keine andere Funktion, als in überfüllten Großstädten den Automobilen diverser Geschäftsleute, Angestellten oder schlichten Kunden für eine gewisse Zeit sicheren Unterschlupf zu gewähren, ganz ohne Furcht vor Strafzettel ausstellenden Ordnungskräften. Eines dieser Parkhäuser steht (als erstes Zugeständnis auf die zunehmende Motorisierung in den Fünfziger Jahre) seit 1956 am Kornmarkt in der Frankfurter Innenstadt, aber es scheint ein bisschen mehr zu sein als nur ein Stundenhotel für fahrbare Untersätze – es hat nicht nur eine lange Geschichte, sondern präsentiert sich heutzutage auch in hochmodernem Stil.

Sogar die  Stilelemente der Fünfziger Jahre (Architekten: Max Meid und Helmut Romeick) wirken nach über 60 Jahren noch frisch, obwohl das rund 60 Meter lange Gebäude, dass im Erdgeschoss Gastronomie und Geschäfte beherbergt, inzwischen renoviert worden ist. Die Klinker rechts neben der Einfahrt sind in dunklem Rot gehalten, unterbrochen von schmalen, gelben Streifen, linker Hand erblickt man eine lange Glasfassade mit blauen Lamellen: – so fällt genügend Licht auf die Parkebenen, die bei den Besuchern ein Gefühl der Sicherheit erzeugen, ein wichtiger Aspekt in Parkhäusern, die oft düster und dunkel daherkommen.

Erste Wahl

Unzählige Male bin ich im Laufe 50jähriger Berufstätigkeit im Herzen Frankfurts mit meinen Automobilen in diesem Gebäude zu Gast gewesen, immer verärgert darüber, wie eng es zuging zwischen den tragenden Säulen. Drei Autos sollten nach rechtwinkeligem Einrangieren hier Platz finden, aber Ein- und Aussteigen wurde oft genug zur Qual, wenn Nebenleute sich ungeniert zu breit machten. Einmal war ich so eingeklemmt, dass ich nicht mehr wegfahren konnte, und erst noch einen längeren Bummel unternehmen musste, ehe der Nebenparker Platz gemacht hatte. Gleichwohl war dieses Parkhaus erste Wahl, lag es doch mitten im Zentrum Frankfurts und war – anfahrtstechnisch gesehen – für mich leicht zu erreichen.

Nach jahrelanger Abstinenz musste ich diesen Tagen dringender Termine wegen wieder einmal in dieses Parkhaus, und erlebte zwei Überraschungen. Beim Einfahren öffnete sich ohne das lästige Hochkurbeln des Fensters und Ziehen eines Tickets oder einer Plastikmünze die Schranke, ebenso beim Ausfahren. Ganz „up to date” verfügt das Parkhaus über eine Kennzeichenerkennung, beim Bezahlen der Gebühren reicht die Eingabe des Autokennzeichens. Das ist eine praktische Angelegenheit, den Aspekt des Datenschutzen lasse ich hier mal außer acht. Außerdem wurden die Parkplätze zwischen den Säulen von drei auf zwei reduziert, ein Zugeständnis am hohen Aufkommen immer dicker und protziger werdenden Fahrzeugen, was indessen den Parkenden (und mir) ein stressfreies Rangieren erlaubt. Das Automobil kann so einen gesunden Mittagsschlaf halten.

Stahlskuptur von Eberhard Fiebig

Als ich nach zwei Stunden das Parkhaus verlasse, komme ich an der Stahlskulptur „Modulor“ von Eberhard Fiebig vorbei, die 1993 zwischen Ein- und Ausfahrt ihren Platz fand. Es handelt sich dabei um blau und gelb gestrichene Eisenplatten, die zu einer hoch gestreckten Säule verschweisst wurden. Eine kleine Tankstelle, die sich einst am Parkhaus befand, ist längst verschwunden, aber mit Fiebigs Kunstwerk hat die Kultur am Parkhaus Einzug gehalten. Doch schon lange davor (1986) war das Parkhaus in die so genannte „Denkmaltopographie” der Stadt Frankfurt aufgenommen worden, was bedeutet, dass für das Gebäude die Bestimmungen des Hessischen Gesetzes für Denkmalschutz gelten.