Erst schwarzer Kies, dann weiße Flocken: Bankgeschäfte in Vaduz

Ein Kurzbesuch im lieblichen Vaduz, der Hauptstadt des kleinen Fürstentums Liechtensteins, das vor einigen Jahren mit dubiosen Geldgeschäften international negative Schlagzeilen machte.

Zaster, Kröten, Kies, Taler, Bimbes, Kohle, Schotter, Flocken oder Penunze: – für Geld gibt es viele volkstümliche Ausdrücke. Oft gebraucht auch im Hinblick auf nicht ganz legale Transaktionen. Da kommt auch der Name Liechtenstein ins Gespräch. Zweimal in meinem Leben war ich in diesem Fürstentum zu Kurzbesuchen, genauer gesagt in der zunächst eher verschlafen wirkenden Hauptstadt Vaduz. Und beide Male hatte ich keine ledernen Aktenkoffer mit schwarzem „Kies” im Gepäck – woher auch? Allerdings sah ich im Vorbeifahren in der Herrengasse 12, dort wo diverse unseriösen Bankgeschäfte getätigt wurden, auch keine verdächtigen Personen, denen ich zugetraut hätte, dunkle Millionen in den Schließfächern zu deponieren. Doch lehrt mich das Leben, dass man den wenigsten Bösewichten ansieht, dass sie Bösewichte sind.

Das Fürstentum, seit 1719 autokratisch regiert und eingeklemmt am Rhein zwischen dem österreichischen Vorarlberg und den Schweizer Kantonen St. Gallen und Graubünden, ist zuletzt – eher ungewollt – wieder zur geschäftigen Normalität zurückgekehrt, nachdem die internen Daten diverser deutscher Steuerbetrüger von einem ebenfalls unredlichen Mitarbeiter der LGT-Bank (Liechtenstein Global Trust) vor einigen Jahren an die Bundesrepublik verscherbelt worden waren. 

Die betroffene Klientel mied fortan diesen (unredlichen) Ort der Finanzwelt und schaute sich nach anderen Steueroasen um. Die Fürstenfamilie als „Bankhalter” verstärkt – jedenfalls offiziell – ihre Bemühungen, um Geld anstatt schwarz wieder blütenrein erscheinen zu lassen. Deshalb sind mit verschiedenen anderen Staaten zahlreiche Abkommen über korrekte Finanzpolitik und Doppelbesteuerung abgeschlossen worden. Ob das wirklich zu einer größeren Seriosität geführt hat, vermag ich nicht zu beurteilen, am Straßenbild eines Landes lässt sich so etwas nicht ablesen. Dort regiert das wirkliche Leben.

Vaduz

Das spüre ich in Vaduz in jeder Minute. Bei meinen kurzen Tagesbesuchen in Liechtenstein hatte ich das Glück, schöne und nicht allzu heiße Sommertage geniessen zu können. Am Ortseingang schimmerte bei der Vorbeifahrt das dunkelblaue Ortsschild mit dem weißen Schriftzug „Vaduz” sowie dem Landeswappen leicht verschmutzt im fahlen Sonnenlicht, und an der ersten Tankstelle in der Stadt gab es Benzin und Diesel wie an jeder anderen auch, Ansichtskarten mit dem Fürstenschloss dominieren am Zeitungsständer, an dem neben verschiedenen Schweizer Blättern auch das Liechtensteiner Vaterland (Auflage etwa 8000) und das Liechtensteiner Volksblatt (zirka 9000) feilgeboten werden.

Stadtrundfahrt in Vaduz mit dem „Citytrain“. (Foto: Clipdealer)

Die Hauptstrasse zieht sich wie eine Achse durch die ganze Stadt. Im Zentrum beginnt linker Hand der Straßenzug „Städtle”, parallel zur Durchgangsader verlaufend. Hier pulsiert das Herz der Stadt in einer verkehrsfreien Fussgängerzone, die sich vom Rathaus im Norden bis zum Regierungsviertel im Süden hinzieht. Optiker, Hotels, Bekleidungs- und Schmuckgeschäfte, Bäckereien, ein Eiscafé sowie eine Chocolaterie laden zum Verweilen ein, auch wenn manche Häuser zu modern und kühl wirken, um jedem Betrachter wirklich zu gefallen. Einheimische und Touristen sitzen in und vor den Cafés, trinken Cappucino oder Espresso und erholen sich vom Bummeln oder frönen dem Müßiggang. 

In dieser Zone liegt auch das „Kunstmuseum Liechtenstein”, in dem es immer wieder Ausstellungen moderner Kunst zu sehen gibt. Nicht weit entfernt davon befindet sich in einem Gebäude mit mittelalterlichem Charakter das Nationalmuseum mit archäologischen und kulturellen Gegenständen aller Art. Beim Kreisverkehr am Ende des „Städtle” erblicke ich die sehenswerte Kathedrale St. Florian.

Es gibt freilich noch viel mehr zu sehen in Vaduz, ein paar Stunden reichen natürlich nicht aus, um alles in sich aufzusaugen. Wer noch mehr Details der Stadt kennenlernen möchte, kann bei einer Rundfahrt mit dem „Citytrain” in knapp 40 Minuten viel über die Stadt und das kleine Land erfahren. Vom Fremdenführer hört man ganz nebenbei auch, dass das Fürstentum schuldenfrei ist, und als Wirtschaftsstandort mit Vollbeschäftigung glänzt. Für die Liechtensteiner ein Glücksfall…