Schauspielerin Julia Peresild „Ärztin“ auf der Raumstation

Immer mehr Millionäre fliegen zum Spaß in den Weltraum und zur ISS: im Oktober 2021 folgte eine Filmschauspielerin – freilich nicht zum Vergnügen, sondern um Dreharbeiten für einen Weltraum-Thriller zu machen.

Vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan startete am Dienstag, 5. Oktober 2021, die russische Schauspielerin Julia Peresild (37) im Raumschiff Sojus MS-19 zur ISS, um dort Szenen für den Film Wysow (Herausforderung) aufzunehmen. Der Streifen wird gemeinsam von der russischen Raumfahrtagentur GK Roskosmos, dem Ersten Fernsehkanal Russlands und vom Studio Yellow, Black und White produziert. Mit an Bord war der Filmregisseur Klimt Schipenko (37), der durch das preisgekrönte Weltraum-Opus Salut 7, das die dramatische Rettung der damaligen sowjetischen Raumstation gleichen Namens thematisierte, Berühmtheit erlangt hatte. Als Kommandant fungierte der professionelle Kosmonaut Anton Schkaplerow (49), der mit Sojus MS-19 zum vierten Mal zur ISS aufbrach. Nach Abschluss der zwölftägigen Dreharbeiten kehrten Julia Peresild und Klim Schipenko am 17. Oktober 2021 mit Sojus MS-18 unter dem Kommando des Kosmonauten Oleg Nowizki zur Erde zurück, während Anton Schkaplerow (und das Raumschiff Sojus MS-19) auf und an der ISS verblieben.

Eine Staatliche Kommission hatte Peresild und Schipenko, der als Regisseur und als Kameramann fungierte, im Mai als Kandidaten für den Flug nominiert. Als Ersatz-Crew waren Oleg Artemjev, Kameramann Alexei Dudin und Schauspielerin Alena Mordovina berufen worden. Peresild, Mordovina, Schipenko und Dudin mussten ein mehrmonatiges spezialisiertes Training im Sternenstädtchen bei Moskau absolvieren. Wie Kommandant Anton Schkaplerow mitteilte, musste für diesen Spezialflug die Steuerung des Raumschiffes auf eine Ein-Mann-Bedienung umgestellt worden, wobei Tätigkeiten, die bei Profi-Kosmonauten von den Bordingenieuren getätigt werden, über ein mobiles Steuerpult von ihm übernommen werden.

Karriere

Julia Peresild, die im Film eine Ärztin spielt, die einen kranken Raumfahrer rettet, wurde in Pskow, einer Großstadt im Nordwesten Russlands, geboren. Die Schauspielerin steht seit frühester Jugend auf der Theaterbühne. Nach der Schule studierte sie zunächst Philologie am Pädagogischen Institut ihrer Heimatstadt, brach dieses Studium nach zwei Semestern ab und wechselte zur Russischen Akademie der Theaterkünste in Moskau. Dort machte sie 2006 ihren Abschluss und arbeitet seitdem am Theater der Nationen. Die Mutter zweier Kinder spielte in zahlreichen Filmen, unter anderem in Die Braut (2006), The Edge (2010), Gefangen (2008) und Sonnentau (2012). Im Jahr 2013 erhielt sie den Staatspreis für junge Künstler.

Die russische Schauspielerin Juli Peresild in Weltraumkleidung. (Foto: NASA/Roskosmos)

Mehrere russische Raumfahrer äußerten sich kritisch  zum Filmprojekt, wobei sie die finanziellen Aspekte in den Vordergrund rückten. Immerhin wird Bau und Start einer Sojus-Rakete mit über 50 Millionen Dollar veranschlagt. Was noch schwerer wiegen dürfte, ist der Umstand, dass die professionellen Kosmonauten auf der Warteliste für Raumflüge nach hinten geschoben werden. Insofern sind ihnen „touristische Ausflüge” ins All ein Dorn im Auge.

Mit Informationen der staatlichen russischen Raumfahrtagentur Roskosmos und den Websites „Gerhard Kowalski”, „Spacefacts” und „Nordwind-Festival”.