Das Grillvergnügen hat seinen Ursprung in ferner Vergangenheit

Erwärmen von Essen war ein bedeutender Schritt in der Evolution. Diese archaische Erfahrung aus der Frühzeit der Menschen hat sich bis heute als Grillvergnügen für Jung und Alt erhalten.

Kaum neigte sich der erste Sonnentag im Frühling seinem Ende zu,  gerade eben war der azurblaue Himmel hinter dem Dorf versunken, da roch meine Nase auf Nachbars Terrasse den verführerischen Duft frisch gebruzzelter Würstchen. Dünner Rauch schwebte über die Gärten und trug den Geruch des angebrannten Fleisches durch den lauen, abendlichen Samstag. Tage wie dieser, egal ob Frühling, Sommer oder Herbst, sind wie geschaffen zum Grillen – ein Vergnügen, dem sich viele Menschen mit Inbrust hingeben. Doch nur wenigen ist bewusst, dass dieses rustikale Braten von Fleisch oder Würsten eine archaische Erfahrung aus der Frühzeit des „Essenerwärmens” ist.

Wenn heutzutage auch kaum noch über zügellos lodernden Flammen gegart wird, ist die Nutzung von Kohlen oder verbrennendem Holz ein Relikt aus der Menschheitsgeschichte – ohne dass es den meisten „Grillenden” bewusst wird. Dabei soll dieses „Warmmachen” von Essen uns Menschen selbst den entscheidenden Evolutionsschub gegeben haben. So hat es jedenfalls Richard Wrangham, ein Forscher der Harvard-Universität in Cambridge (Massachusetts), zu in der Zeitschrift „PM” zu Protokoll gegeben.

Nach Richard Wranghams Ansicht ist die Entwicklung des menschlichen Gehirns entscheidend vorangekommen, nachdem der Frühmensch begonnen hatte, Rohkost jeder Art zu kochen und damit verdaulicher zu machen. 

Wrangham begründet das unter anderem damit, Anatomie und Denkvermögen hätten sich nur deshalb entscheidend weiter entwickelt, weil der Homo sapiens es lernte, nach der Bändigung des Feuers seine bis dahin fast ungenießbaren, kalten Mahlzeiten zu erwärmen. Durch die Hitze seien außerdem – wie auch heute noch – Keime und Parasiten abgetötet worden. Sogar giftige Pflanzen seien durch das Kochen genießbar geworden. Erwärmte Speisen liefern dem Wissenschaftler zufolge zudem mehr Energie als Rohkost, das Immunsystem wird gestärkt und die Entwicklung des Gehirns vorangetrieben.

Energiequelle

Andere Forscher sind allerdings davon überzeugt, dass der Weg in der Evolution gerade umgekehrt verlaufen ist. Nicht das Kochen stehe am Anfang dieser Evolutionsetappe, sondern das bereits hoch entwickelte Gehirn, welches die Idee hervorgebracht habe, rohe Nahrung zu erhitzen. Tatsächlich haben neuere Forschungen an der Universität von Boston bestätigt, das bereits der „Homo erectus”, also der Vorläufer des Homo sapiens, vor einer Million Jahren erhitzte Nahrung zu sich genommen hat, nachdem das Feuer zur nutzbaren Energiequelle geworden war. Wie hoch der Wahrheitsgehalt bei solchen Forschungen aus der Frühzeit anzusetzen ist, wer weiß das schon wirklich? Selbst die Wissenschaftler streiten sich ja – was auch an diesem profanen Beispiel vom „Kochen” unschwer zu erkennen ist.

Spaßfaktor

Gleichwohl dient Essen in der modernen Zeit nicht nur der Nahrungsaufnahme des Menschen, auch die Zubereitung der Mahlzeiten ist für viele zu einem Spaßfaktor geworden, dem das Fernsehen mit Spezialsendungen Aufmerksamkeit schenkt. Neben Profi-Köchen, die in gehobenen Gourmet-Tempeln ihrem edlen Handwerk nachgehen, beschäftigen sich außerdem Millionen von Menschen notgedrungen am heimischen Herd auf ganz profane Art und Weise mit Topf und Kochlöffel, darunter unzählige männliche Hobby-Köche. Zwischen Vergangenheit und Gegenwart des „Essen erwärmens” liegen Hunderttausende von Jahren. Eine lange Zeit. Und das Grillen erinnert noch immer an die Vergangenheit von uns Menschen.

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