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Unterwegs

Palmen und Zypressen am Philosophenweg in Heidelberg

In der Studentenstadt Heidelberg gibt es einen „Weg der Philosophen“, gerne genutzt von Einheimischen und Touristen, mit einem Blick auf Stadt, Alte Brücke mit Neckar und dem Schloss.

Heidelberg ist in vielerlei Hinsicht eine berühmte Stadt. Unzählige Gedichte, Schauspiele, Lieder und Filme haben die Atmosphäre rund um die Universität sowie Leben und Treiben von Studenten vieler Generationen eingefangen. Goethe, Hölderlin, Eichendorff, Brentano, Heine, Keller, Böll und sogar Mark Twain haben ihre dichterischen Spuren hinterlassen, die Filme Alt-Heidelberg und Heidelberger Romanze aus den Fünfziger Jahren haben manches verkitscht, genau wie Schlager oder Volkslieder („Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren” oder „Memories of Heidelberg”). Über all das will ich mich garnicht erst auslassen. Ich gehe lieber auf dem Philosophenweg spazieren.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Heidelberger Spazierweg zu erreichen. Alle sind anfangs steil, so dass bei Auf- oder Abstieg doch gewisse Anforderungen an die Fitness gestellt werden. Einer der Zugänge am Schlangenweg ist mit Stufen und Treppen begehbar, am Hirschweg in Neuenheim, nahe der Schleuse, lässt sich noch ein Stück mit dem Auto befahren. Ich aber wähle den Zugang nahe der Theodor-Heuss-Brücke (B 3). Es geht heftig nach oben, gut einen Kilometer lang an bewohnten Häusern vorbei, dem äußeren Anschein nach dürfte es nicht billig sein, hier zu wohnen. Am Philosophenweg 12 passiere ich das Physikalische Institut der Universität Heidelberg. Weitere Gebäude der Fakultät für Physik folgen in den Hausnummern 16 und 19. Gleich darauf endet der bebaute und steile Teil. Der Philosophenweg verläuft nun fast eben weiter, und schon kurz danach erreiche ich das  so genannte Philosophengärtchen.

Matthäus Merian

Es ist der Blick zum Neckar, zur Alten Brücke und über Heidelberg hinweg, der dem Spaziergänger auf dem zweieinhalb Kilometer langen Weg immer wieder entzückt. Hier oben saß schon Matthäus Merian und schuf 1620 einen Kupferstich von Heidelberg, der noch immer die Historiker zu Nachforschungen über die Historie der Stadt anregt. Und jemand hat gesagt, auf dem Philosophenweg sitze jeder Zuschauer in der ersten Reihe und könne Natur und Ausblick auf die Stadt gleichzeitig auf sich wirken lassen. 

Palmen am Philosophengärtchen. (Foto:ebenart/stock.adobe.com)

Das ist wahr, zumal der Hang, der zum Heiligenberg gehört, mit seinem milden Klima an die Toskana erinnert. Es ist kein Wunder, dass im Philosophengärtchen, wo oft schon im Frühjahr angenehm-warme Temperaturen herrschen, auch exotische Pflanzen gedeihen. Die meisten entfalten einige Wochen früher als anderswo ihre Blüten. Hier wachsen Pinien und Palmen, auch japanische Wollmisteln und amerikanische Zypressen sind zwischen den fotografierenden Besuchern zu entdecken. 

Joseph von Eichendorff

Meine Blicke schweifen indessen von den Zitronen, Granatäpfeln und Ginstersträuchern in die Ferne, wo sich ein eindrucksvolles Panorama bietet. Auf dem gemächlich dahinfließenden Neckar sehe ich weit unten Ausflugsdampfer und Frachtschiffe, die Alte Brücke ruht wie ein Fels in der Brandung des Flusses und verbindet die südlichen und nördlichen Stadtteile. Das in der Ferne liegende Schloss rundet das Bild. Im Gärtchen selbst steht ein Gedenkstein, der an den Dichter Joseph von Eichendorff erinnert. Der Lyriker der Romantik studierte einige Monate in Heidelberg. Später, nachdem ich in östlicher Richtung weiter gegangen bin, stoße ich – ganz am Ende des Weges – auf einen weiteren Dichter. In der Hölderlin-Anlage wird mit einem Stein an seine Heidelberg-Ode erinnert. 

Der Philosophenweg, dessen Namen wahrscheinlich darauf beruht, dass die Herren Professoren sich hier einst zum „philosophieren” über Gott und die Welt trafen, aber auch Studenten sich zum Gedankenaustausch und zur Liebelei verabredeten, ist noch nicht zu Ende, doch vom Hölderlin-Stein wird er zum reinen Waldweg, der bald sogar asphaltiert ist, rasant abwärts führt, und als Hirschgasse bald in die am Uferstraße verlaufende Ziegelhäuser Landstraße mündet, womit drei höchst interessante Wanderstunden zu Ende gehen.