Schauergeschichte über ein Monster in der Burgruine Frankenstein

Die alte Burgruine Frankenstein bei Darmstadt soll einst Schauplatz der Erschaffung eines künstlichen Menschen gewesen sein. Dichtung oder Legende? Versuch einer unvollkommenen Antwort.

Warum ist die Burg Frankenstein im nördlichen Odenwald so bekannt, warum wird der Rücken des Besuchers beim Betreten der Ruine von einem Schauer des Unangenehmen durchrieselt? Die Antwort ist leicht zu geben, denn in diesen Gemäuern soll der Roman Frankenstein oder der moderne Prometheus der britischen Autorin Mary Shelleys spielen. Die schauerlich anmutende Geschichte wurde 1818 erstmals veröffentlicht und berichtet vom dem Schweizer Wissenschaftler Viktor Frankenstein, der an der seinerzeit angesehenen Universität Ingolstadt forschte, und versucht haben soll, auf der südhessischen Burg einen künstlichen Menschen zu erschaffen. Zahlreiche Filmemacher haben die Vorlage aufgegriffen und zum Gruselthema für eine breite Öffentlichkeit gemacht. 

Die Autorin war, als sie den Text am Genfer See niederschrieb, erst 17 Jahre alt, aber alles was sie erdachte, hatte einen realen Hintergrund. Anfang des 19. Jahrhunderts experimentieren bereits viele Ärzte und Wissenschaftler mit Verstorbenen – und Elektrizität war das Thema dieser Jahre. Ohne die Elektrizität der damaligen Zeit hätte Herr Frankenstein das aus Leichenteilen zusammengenähte Monster nicht zum Leben erwecken können – die Induktion von Strom erzeugte starke Muskelkontraktionen. Und in der heutigen Zeit, in der es der modernen Medizin gelungen ist, Transplantationen menschlicher Organe durchzuführen und damit Leben zu retten, ist das Thema „Frankenstein” natürlich längst nicht mehr so gruselig wie noch vor einem halben Jahrhundert.

Blick durch Tor und Hof auf ein dunkles Verlies. (Foto: Oliver Stör)

Im Zusammenhang damit erweist sich als höchst praktisch, dass der Autor nur 30 Kilometer entfernt von dieser Burg lebt. Unter den geografischen Gegebenheiten ist es ein Leichtes, sich diese „Stätte des Grauens” ohne größere Umstände anzusehen, die Autofahrt von Mörfelden-Walldorf aus dauert eine Stunde. Vom Darmstädter Stadtteil Eberstadt aus schlängelt sich die schmale Straße den kleinen Berg hinauf, ehe die Burgruine erreicht wird.

Die Namensgleichheit des jungen Wissenschaftlers mit der Burg, deren Grundstein bereits lange vor dem Erscheinen des Romans gelegt wurde (angeblich erbaut 1240), hat in den vergangenen Jahrzehnten zu zahlreichen Spekulationen über den Schauplatz des Geschehens geführt. Während viele Historiker nach der Analyse des Buches zu der Überzeugung gekommen sind, die Burg Frankenstein habe mit dem Roman rein gar nichts zu tun, weil die beschriebenen Lokalitäten nirgendwo übereinstimmten, und im Buch noch nicht einmal eine Burg erwähnt werde, sind andere der Überzeugung, nur auf dieser Burg habe das Erschaffen der „Kreatur” stattfinden können. 

Burg Frankenstein und das Illustrierte Programm zum gleichnamigen Film. (Foto: Oliver Stör & Filmverlag Unucka)

Genannt wird in diesem Zusammenhang der im Jahr 1673 auf der Burg geborene Theologe und Arzt Johann Konrad Dippel, der diverse alchemistische Versuche durchgeführt haben soll. Laut Wikipedia wurden einige Legenden über Dippel durch eine 1999 erschienene Schrift des „selbsternannten” Burgschreibers Walter Scheele verbreitet. In dessen Buch wird auch behauptet, Dippel sei das historische Vorbild für Shelleys Buch gewesen. Dem widerspricht aufgrund fehlender Belege der Geschichtsvereins Eberstadt (Frankenstein) in aller Entschiedenheit. 

Genau so wie die zahlreichen Streifen, die über Frankensteins Monster gedreht wurden. Der immer noch bekannteste ist Frankenstein aus dem Jahr 1931, mit dem Boris Karloff seinen Ruhm als Darsteller von Monstern jeder Art begründete. Weitere Streifen sind Frankensteins Braut (1935), Frankensteins Sohn (1939), Frankenstein kehrt wieder (1942), Frankenstein trifft den Wolfsmenschen (1943), Frankensteins Haus (1944), Frankenstein – Genie und Wahnsinn (2016). Die Liste ist allerdings unvollständig.