Bis in die heutige Zeit ist der einzigartige Klang der von Glenn Miller kreierten Musik vor allem bei Älteren unvergessen, aber auch jüngere Generationen geniessen diesen unverwechselbaren Swing, was sich unschwer daran erkennen lässt, dass das „Glenn Miller Orchestra” unter der Leitung des Dirigenten Will Salden immer noch erfolgreich durch Europa (und durch Deutschland) tourt, obwohl sein ursprünglicher Gründer bereits im Dezember 1944 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Will Salden, der den Originalnamen „Glenn Miller Orchestra” für Europa per Lizenz führen darf, hat sich um den Erhalt der Glenn Miller- Musik verdient gemacht. Der 1950 geborene Niederländer begann 1978 mit dem Aufbau des neuen Orchesters, seit 1985 erlebt er triumphale Erfolge. Zu 4750 Konzerten kamen über 5,5 Millionen Besucher.

Die Posaune war Millers Lebenselixier. (Foto: Swift Publisher)

Als Jugendlicher war ich nach dem Zweiten Weltkrieg erstmals mit dem Namen des amerikanischen Bandleaders in Berühung gekommen, obwohl Miller bereits vor fünf Jahre verunglückt war. In meinem Stamm-Kino lief 1949 der amerikanische Streifen „Adoptiertes Glück” und was ich dabei hörte, schärfte meine Sinne für zukünftigen Musikgenuss. Es waren der Chattanoogo Choo Choo, die Moonligt-Serenade sowie In the Mood, die den Film, in dem Miller und die damalige norwegische Eislauf-Königin Sonja Henie die Hauptrollen spielten, musikalischen Glanz verliehen.

Besonderer Klang

Millers Erfolgsgeheimnis beruhte darauf, dass in seinem Orchester die Klarinette vier Saxophone führte, was dem Swing einen außergewöhnlich einfühlsamen, jazzartigen Klang verlieh. So wurden „In the Mood“, „Moonlight Serenade”,  „Pennsylvania 6-5000” und der „Chattannoogo Choo Choo”, der Udo Lindenberg Jahrzehnte später zu seinem „Sonderzug nach Pankow” inspirierte, zu Evergreens. Für den „Chattannoogo Choo Choo“ erhielt Miller 1942 die erste goldene Schallplatte der Musikgeschichte.

Viele Miller-Fans glaubten lange, die faszinierende Musik sei von ihm komponiert worden. Doch außer der „Moonlight Serenade“ hat Miller kein Lied selbst geschrieben; er verließ sich eher auf Kompositionen anderer und führte sie durch seine Arrangements in die Hitlisten jener Zeit.

Im September 1942 hatte Miller trotz seiner steilen Karriere sein Orchester verlassen und war als erklärter Gegner der Nazis zu den Luftstreitkräften gegangen, in denen er das „Army Air Force Orchestra“ leitete. Seine Arbeit dauerte nur zwei Jahre.

Absturz

Im Dezember 1944 kam Miller bei einem Flug von London nach Paris beim Absturz der Maschine über dem Ärmelkanal ums Leben und wurde für tot erklärt. Dabei wurde als offizieller Todestag Millers der 15. Dezember 1944 festgesetzt. Weil das Wrack und die Besatzung nie gefunden wurden, ranken sich seitdem – wie könnte es anders sein – zahlreiche Hypothesen um den Tod Millers, vermischt mit Gerüchten und wilden Spekulationen an denen ich mich hier nicht beteilige, weil es mir vor allem um Millers Musik geht. 

Zehn Jahre nach seinem Verschwinden ist das Leben von Miller von der amerikanischen Universal als Glenn-Miller Story verfilmt worden, wobei die historische Wahrheit weniger im Mittelpunkt stand als eine übertrieben pathetisch-patriotische Beweihräucherung seiner Person.

Trotz vieler Mängel gefällt der Film (Regie: Anthony Mann) immer noch (und vor allem) durch seine musikalische Kompetenz und die Gastauftritte berühmter Musiker wie Louis Armstrong, Gene Krupa und Ben Pollack.